Wenn die Sonne scheint, führt die Saale meist wenig Wasser. Heute war es aber anders. Das Wetter trügte: Die Saale war randvoll, der Pegelstand am Bad Kissinger Golfplatz hatte Meldestufe 1 überschritten. Dennoch wagten sich zwei Bootswandergruppen auf den Fluss - und erlitten Schiffbruch.

So machten sich 30 Jugendliche und junge Erwachsene mit zehn Kanus von Elfershausen nach Hammelburg auf.
Die Paddler im Alter von 11 bis 20 Jahren gehören zu einem Sportverein aus dem Landkreis Aschaffenburg, der regelmäßig in Hammelburg zeltet. Nach Angaben des Bootsverleihers wollte die Gruppe unbedingt fahren.
Doch die Tour endete gegen 13 Uhr in Westheim auf Höhe des Sportplatzes. Wohl aufgrund des Hochwassers ragte ein Baum in die Saale und stoppte die Gruppe: Die Äste und die Strömung brachten zwei Boote mit je drei Personen zum Kentern. Die anderen Kanus verkeilten sich teilweise. Die Jugendlichen hielten sich an den Ästen fest, bis sie von der Wasserwacht und der Feuerwehr ans Ufer gerettet wurden.

Laut Polizei wurde niemand verletzt. Einige Bootswanderer waren allerdings unterkühlt. Die zehn Kanus konnten alle an Land geholt werden, wo sie der Bootsverleiher auf seinen Anhänger einsammelte. Die Bergung der beiden gekenterten Boote war jedoch etwas aufwendig gewesen. Denn die Kanus hatten sich im Flusslauf quer gestellt und steckten fest.

Drei Schwimmer der Wasserwacht zogen sich an den Ästen zu ihnen heran, um Seile an den Boten zu befestigen. Ein Traktor löste die Kanus aus ihrer Lage. Dann konnten die Boot mit Hilfe der Strömung ungefähr vier Meter flussabwärts an einer günstigen Uferstelle an Land geholt werden. Zu dem Rettungseinsatz waren die Feuerwehr Westheim, die Hammelburger und die Bad Kissinger Wasserwacht sowie zwei Rettungswagen und ein Notarzt ausgerückt.

Ungefähr zwei Stunden zuvor hatten Anwohner der Saaletalstraße in Hammelburg Hilferufe gehört, wie Günther Sachs von der Polizeiinspektion mitteilte. Ein Kanu mit zwei Männern im Alter von 27 und 34 Jahren und zwei Kindern im Alter von fünf Jahren war gekentert.

Die Paddler konnten laut Polizei selbst ans rettende Ufer schwimmen. Die Kinder hatten Schwimmwesten an. Nach Angaben eines der beiden Erwachsenen hatten die zwei Männer die Strömungsverhältnisse unterschätzt und waren an einer Baumwurzel hängen geblieben. "Sie haben sich dann bei uns aufgewärmt", erklärte Sachs.

Die Polizei rät während der hohen Pegelstände vom Wassersport ab. Sie hat eigenen Angaben nach die örtlichen Kanuverleiher informiert. Denn spätestens ab Meldestufe 1 sollten Bootswanderer auf Touren verzichten. Eine offizielle Regelung gibt es nach Auskunft des Landratsamts aber nicht. Es sei eigenes Risiko. Eine Diskussion über Pegelstände hatte es in der Vergangenheit nur aus Naturschutzgründen gegeben. Dabei ging es um Bootstourismus bei Niedrigwasser.