Weit haben es die Tauben nicht. Der heimatliche Schlag liegt nur ein paar Meter vom Spezial-Lkw entfernt, von dem aus die Tiere aufgelassen wurden. "Die Taubenzucht ist ein faszinierendes Hobby", sagt Ulrich Scherpf, der Vorsitzende des Diebacher Vereins.

Er bekennt: "Ich hänge an meinen Täubchen." Leider gebe es zurzeit keinen Mitgliedernachwuchs. Daher hat der Verein im Rahmen des Ferienprogramms die Kinder aus der Nachbarschaft eingeladen.
Vielleicht erwächst daraus ja doch irgendwann der Wunsch, mit der Taubenzucht als Hobby zu beginnen. Interesse ist jedenfalls da. Als Werner Mathes durch seinen Schlag führt, bleibt keines der rund 20 Kinder draußen.

Es ist recht selten, dass die Tauben in der Heimat aufgelassen werden. Meistens fährt der Kabinen-Express-Lkw der Reisevereinigung Bad Kissingen mit den Täubchen etliche hundert Kilometer weit, zum Beispiel nach Belgien oder Frankreich, um sie für die Flugwettbewerbe in die Lüfte zu entlassen.

Doch bevor es auf so lange Reisen geht, sollten die Jungtauben die Startprozedur erst einmal kennenlernen. Denn als sich der Rollladen vor den offenen Käfigen des Lastwagens hebt, tut sich nichts. Mathes muss mit kräftigem Klopfen erst einmal gehörig Lärm machen, bis sich die Jungtauben endlich zum Fliegen entschließen. Doch dann geht es zügig voran.

Bei Sonnenschein genießen die Täubchen ihre Freiheit und fliegen etliche Runden über den Klingenbach. So werden die Flugmuskeln und der Gruppenflug trainiert. Es dauert einige Zeit, bis die Tauben sich zum Rückflug in den heimischen Schlag entscheiden. Dort warten frisches Trinkwasser und Futter auf sie. Alle Tauben kehren zurück, obwohl der Weg in die Freiheit offen steht. "Die Tauben sind die Versorgung durch uns gewohnt und kommen zu hundert Prozent wieder zurück", erklärt Mathes. Die Frage sei lediglich, wann dies der Fall ist.
Bei Flugwettbewerben wird diese Zeit genau gemessen. Die Elektronik ist auch schon längst in die Taubenschläge eingezogen. Per Barcode kann automatisch erkannt werden, welche Taube gerade in den Schlag fliegt.
Zahlreiche Pokale zieren den Verein "Auf zum Saaletal". Sie künden von vielen Erfolgen, die die Augen der aktiven Mitglieder leuchten lassen. Es sind zumeist Herren im fortgeschrittenen Alter, die an ihren Tauben mit vollem Herzen hängen und eine gehörige Menge Freizeit in ihre Taubenzucht stecken.