Vieles ist anders in diesen Corona-Zeiten. Auch die offene Jugendarbeit in der Stadt. Der vor einigen Jahren mit viel Optimismus eingerichtete Jugendraum im Keller der Zehntscheune ist auf absehbarer Zeit nicht nutzbar. Dennoch: Die offene Jugendarbeit ruht nicht, betont Stadtjugendpfleger René Felcht. Er ist über den Verein ProJugend in Münnerstadt ein Verantwortlicher für die Stadtjugendarbeit. Die Arbeit sei so vielschichtig und betreffe eben nicht nur den jetzt geschlossenen Jugendraum. "Wir sind so vielfältig und breit aufgestellt, dass wir immer Arbeit haben", so Felcht.

Es passiere in der Münnerstädter Jugendarbeit viel, was die Öffentlichkeit nicht auf den ersten Blick sieht, erklärt René Felcht auf Nachfrage dieser Zeitung. So würde beispielsweise an einem Projekt gearbeitet, das im Herbst in Münnerstadt anlaufen soll. Es ist aber derzeit noch zu früh, um Details bekannt zu geben, weil auch die finanzielle Seite in trockenen Tüchern sein muss.

Weiter laufen die Beratung und die Einzelfallbegleitung. Aufgrund der geltenden Coronabestimmungen werden diese Kontakte allerdings eher über Telefon oder digitale Medien gepflegt. Oder man trifft sich draußen zu einem Spaziergang im Rahmen der erlaubten Personenzahl. "Walk und talk" nennt der Jugendbetreuer das. Dabei können Probleme angesprochen werden, oder die Jugendlichen haben einfach die Möglichkeit über das zu reden, was ihnen gerade auf dem Herzen liegt. "Solche persönliche Treffen könnten Bildschirmkonferenzen nicht ersetzen", meint Felcht.

Hilfestellung beim Homeschooling

Ein neues Aufgabengebiet, das sich durch Corona eröffnet hat, ist die Unterstützung der Jugendlichen im Homeschooling. "Da ist neuer Bedarf da", sagt René Felcht. Gerade jetzt, vor den Abschlussprüfungen, steige die Panik bei manchen Schülern. Die Stoffvermittlung sei digital nicht immer so leicht umzusetzen wie im Präsenzunterricht. Hier versuche man Hilfestellung zu geben, wenn die Kids nach dem Unterricht noch Fragen haben. Es sei aber kein Nachhilfeunterricht, so der Jugendarbeiter.

René Felcht ist zudem immer wieder draußen unterwegs, um einen Überblick zu haben, ob sich die Jugend an die geltenden Bestimmungen hält und - wenn nicht - sie gegebenenfalls daran zu erinnern. Doch man sehe im öffentlichen Raum kaum noch Gruppen von Jugendlichen, erklärt er. Überhaupt bricht René Felcht eine Lanze für die Jugendlichen. Er glaubt, sie kämen mit der Situation oft besser zurecht als gemeinhin angenommen. Seine Erfahrung, gerade im ländlichen Raum ist, dass sich die Erwachsenen mit den geltenden Regeln manchmal schwerer tun als viele junge Leute. Das heißt nicht, dass die Kids sich nicht treffen möchten. "Das Bedürfnis dazu ist groß". Aber sie fänden kreative Ideen, Kontakte zu haben, ohne gleich die Regeln zu brechen. "Der Großteil weiß sich zu beschäftigen", bestätigt der städtische Jugendreferent Adrian Bier. Aber er hört immer wieder Klagen über die Corona-Situation allgemein. Bei einem kleinen Teil von Jugendlichen beobachtet René Felcht eine gewisse Lethargie. Denn nicht alle wissen, was sie in dieser Zeit mit sich und der Zeit anfangen sollen.

Die Jugendarbeit muss kreativ sein, um den Kontakt mit den jungen Leuten aufrecht zu erhalten. Man sei jetzt mehr auf das Netzwerk angewiesen, sagt René Felcht. Dazu gehören beispielsweise die Schulsozialarbeiter. Diese können Hinweise geben, wenn es Probleme gibt und Kontakte vermitteln. Ansonsten spielen die sozialen Medien im Internet eine noch wichtigere Rolle als früher.

Wann es wieder einen offenen Jugendtreff in der Stadt geben wird, kann René Felcht nicht sagen. Dass jedoch der Jugendraum in Münnerstadt in absehbarer Zeit wieder öffnen kann, glaubt er eher nicht. Aufgrund seiner Kellerlage seien dort die aktuellen Hygienevorschriften in Bezug auf die Durchlüftung nicht einhaltbar. Kurz gesagt: Der Kellerraum hat kein großes Fenster zum Durchlüften. Schon vor Corona war das nicht ideal. Jetzt hat sich die Situation noch verschärft. Die Problematik sei der Stadt bekannt.

Adrian Bier, der Jugendreferent des Stadtrates hofft, dass vielleicht im Laufe des Sommers die Inzidenz-Zahlen so gut werden, dass der Jugendtreff doch wieder öffnen kann. Allerdings weiß auch er, dass dies wegen der schlechten Lüftungsmöglichkeit nicht einfach sein wird. Er wäre aber schon froh, wenn zumindest im Freien wieder etwas angeboten werden kann. Der Münnerstädter ist dankbar, dass es den Skaterplatz in der Au gibt. Dort können die jungen Leute trotz Lockdown derzeit ihrem Hobby nachgehen. Und es sind in jüngster Zeit auch neue Skater dazugekommen, berichtet der Münnerstädter.

Für die Zukunft gebe es spannende Fragen, meint René Felcht. Die betreffen nicht nur die Jugendarbeit in Münnerstadt. Eine ist , wie es mit der Testpflicht weiter geht. Kann ein Jugendtreff-Angebot oder Ferienprogramm künftig nur mit einem negativen Schnelltest besucht werden? Welche Angebote sind in der warmen Jahreszeit machbar?

Im ersten Corona-Sommer sei ziemlich viel möglich gewesen, meint René Felcht. Manches sei da sogar besser gewesen als früher, weil die Gruppengrößen reduziert wurden. Es sei also nicht alles negativ, hatte Felcht da festgestellt. Und er spürte damals eine größere Wertschätzung dieser Angebote, weil alle dankbar waren, dass wieder etwas möglich war.