In zwei Inkarnationen trat die dänische Pop-Jazz-Sängerin Malene Mortensen vor ihr Publikum im Kurtheater: im ersten Teil up-to-date gestylt, cool und ein bisschen unbeweglich mit High-Heels-Stiefeletten, kurzem engem schwarzem Rock, schwarzem Blusenshirt mit breitem Gürtel und punkigem Lila in den langen rotblonden Haaren; im zweiten Teil Singer-Songwriter-Mädchen, barfuß und mit züchtig langem schwarz-weiß gemusterten Kleid.
Da gab sich die 33-Jährige auch ein bisschen jungmädchenhaft, hüpfte befreit durch die Reihen ihres klassischen Jazz-Trios mit Piano, Bass und Drums.

Das Programm trägt den Titel ihrer neuesten CD: "Can't Help It", der ersten, die nicht in Skandinavien, sondern in New York aufgenommen wurde und bei der sie mit dem amerikanischen Jazzpianisten Christian Sands Standards und selbst geschriebene Titel arrangierte. Schon 2003, nachdem sie aufgrund ihrer Schüchternheit auf der Bühne den letzten Platz beim Eurovision Song Contest 2002 belegt hatte, veröffentlichte sie unbeirrt mit 21 ihre erste CD, "Paradise", und erwarb sich einen festen Platz in der skandinavischen Jazz-Szene, die allerdings auch immer mal aufschrie, wenn sie sich zu weit in Richtung Popmusik vorwagte oder sich zu sehr den Weltschmerzballaden von Singer-Song-Writern wie Joni Mitchell hingab.

All das macht sie noch immer, und gerade diese allen Puristen zuwiderlaufende Offenheit macht einen Teil der Interessantheit ihres Programms aus. Die Sängerin und ihre Band begannen es mit ihrer und Christian Sands Version des Fats-Waller-Titels "Honeysuckle Rose". Auch der alte Standard "Alone Together - Sweet solitude" aus den 20ern des letzten Jahrhunderts, "Desperado", dem All-Time-Hit der Eagles aus dem Jahr 1973 oder Joni Mitchells "All I Want", Misty" von Erroll Garner, "My Shining Hour" von Harold Arlen und natürlich der Stevie-Wonder-Hit "Can't Help It" von 1979 standen neben Eigenkompositionen. Eine davon, "Everyday" beschrieb sie in einem Interview als "Happy Song, der all die wunderbaren großen und kleinen Dinge feiert, die wir in unserem Alltag erleben". Das mag in die Irre führen, denn die Arrangements, die die Dänen boten, gingen mit ihren rhythmisch und harmonisch äußerst differenzierten Strukturen weit hinaus über Wohlfühl-Jazz für den Feierabend.


Jazzcombo aus der Heimat

Die drei Musiker in ihrer Jazzcombo hat sie aus ihrem Heimatland Dänemark mitgebracht: Johan Dynnesen ist ein zuverlässiger Drummer, sehr versiert in allen Genres. Ein Glücksgriff war Bassist Paul Hinz, der mit seinem (zwischenzeitlich etwas brummenden, weil von ihm zu laut gedrehten) Bass nicht nur eine abwechslungsreiche und teilweise raffiniert gezupfte Bassline lieferte, sondern auch sehr farbenreich improvisierte und mit der Singstimme und dem Piano konzertierte.

An dem zeigte William Larsson sich als virtuoser Pianist und äußerst spannend agierender Musiker, der ständig mit verrückten, aber immer genau passenden, mal versetzten, mal synkopisch gebrochenen Akkorden und Melodielinien überraschte, der nicht nur zu den Songs improvisierte, sondern eigenständig am Klavier weiterkomponierte, der sich aber dennoch selten in den Vordergrund spielte, sondern wunderbar mit dem Bassisten und der Sängerin zusammen musizierte.

Malene Mortensen hat als Performerin eigentlich alle Vorteile auf ihrer Seite. Sie sieht sehr gut aus; sie hat eine sehr wandelbare Stimme, einen guten Tonumfang und ein ausgezeichnetes Rhythmusgefühl. Von einer ganz einfachen schulmädchenhaften Klarheit in ihren Balladen, bei denen sie sich manchmal auf der Gitarre begleitet, bis zu einem sinnlich vollen Bluestimbre (sehr schön in "I've Got a Date with a Dream") ist alles vorhanden. Dass sie - die immer noch distanziert auf der Bühne wirkt - mit ihrer Präsenz durchaus allein diese füllen kann, zeigte sie zu Beginn der letzten Zugabe, wo sie ohne Band, nur mit ihrer Gitarre "There will never be another you" rhythmisch sehr pointiert interpretierte, bevor sie ihre Musiker zum Finale begleiteten.


Musik ohne Gehopse

Das Publikum ließ sich begeistern von diesem überlegt, ernsthaft und cool musizierten und dennoch mitreißenden musizierten skandinavischen Jazz, der ohne großes Gehopse oder launige Sprüche viele Genres von Singer-Song-Writer-Balladen, über Funkiges, Pop, Bluesiges und richtig ernsthaftem klassischem Jazz mit seinen klar abgesetzten Solosequenzen der jeweiligen Instrumente vereinigte und sich durchwegs auf einem Niveau weit über Pop-Eingängigkeit und Einfachheit bewegte. Malene Mortensens individueller Weg durch all das macht Spaß und ist auch musikalisch faszinierend. Viel Jubel des Publikums: Die dänische Sängerin ist auf dem richtigen Weg.