Wenn im Kurtheater in Bad Kissingen die Frauen kreischen, die Männer grölen und das Publikum rut: "Ingo, du geile Sau, endlich bist du da!", dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat. Der selbsternannte Comedyrüpel und Dampfhammerhumorist Ingo Appelt war da. Mit seinem neuen Programm "Besser .. ist besser" sorgte er für viel gute Laune. Allerdings war das Programm nicht unbedingt "besser" als die vorherigen.
Appelt suchte in seiner neuesten Kreation immer wieder Anschluss an den Mainstream zu finden, und so waren seine Zoten zahmer als bisher. Dennoch blitzte immer wieder sein Weit-unter-der-Gürtellinie-Humor auf, vor allem, wenn er aus seinen früheren Programmen zitierte.

Dem Publikum gefiel dieser "neue" Ingo Appelt dennoch, der immer noch seinen hämischen Spaß daran hat, die Zuschauer mit seinen derben Scherzen zu schocken und verlegen zu machen. Dass der Würzburger Appelt ein Kenner der fränkischen Lebensart ist, zeigte er zu Beginn. "Die Depression ist schon in den fränkischen Dialekt eingebaut", erklärte er. Hier konnte man Anklänge an den Humor des "Dreggsaggs" Michl Müller spüren, die aus dem Lästermaul von Ingo Appelt jedoch zu zahm und wenig provokant wirkten.


Auf der dunklen Seite

Trotzdem ist er keinesfalls der nette Menschenbeobachter, sondern er will die abgründigen und dunklen Seiten dieser Spezies hervorkehren. Wenn auch die Aussage, dass heutzutage im Internet die "Cyberhater nach Hassfurt fahren und dort Hasseröder Pils trinken" allzu flach und kalauerhaft ist: Bei vielen Witzen machte sich schwarzer, bitterböser Humor breit, der deutlich erwachsener wirkte als der über weite Strecken infantile Fäkalhumor, den Appelt in früheren Programmen zelebrierte.

Auch zu aktuellen Zeitgeschehnissen hatte sich Appelt seine Gedanken gemacht, weder am Brexit noch an den beiden Horrorclowns Trump und Clinton ließ er ein gutes Haar. Aber dann kam er zum Hauptthema: dem männlich-weiblichen Gegensatz. "Ich habe mich vom Saulus zum Paulus gewandelt", outete sich Appelt, wobei er sich und das restliche Männervolk als überflüssiges Freizeitvergnügen sah. Trotzdem ging es vor allem um den Mann. Überhaupt habe der es nicht leicht - verlangt man doch, dass er eine Mischung als Macho und Weichei ist - "also ein Matschei", wie Appelt ätzte. Und was wollen Frauen also: "Männer, die stark, aber gleichzeitig gebrochen sind." Überhaupt zeige schon die Bezeichnung "Schazi", dass die Frauen die Männer für eine Mischung aus Schaf und Ziege halten: "Die Männer werden stets gemolken und kommen nie ungeschoren davon."


Programm-Recycling

Nach der Pause gab er den Männern Tipps bei der Kommunikation mit den Frauen. Ein "Aha - hm - hast recht - das sehe ich genauso" genügt, dass das sprachliche Echolot der Frauen intakt bleibt. "Die Rede ist für die Frauen ein Wert an sich", philosophierte Appelt und schrieb dabei der holden Weiblichkeit einen höheren Grad an Moralität zu. Dass er bei letzterem nur aus seinem vorherigen Programm "Frauen sind Göttinen" zitierte, hinterließ einen etwas schalen Beigeschmack.

Gerade zur rechten Zeit vollzog er den Wechsel vom angekündigten "Pussyterror" zum "Pimmelalarm", wobei er vor allem seine Kollegen durch den Kakao zog. Vom "Riesenarschloch" Mario Barth über die philosophischen Äußerungen eines Dieter Nuhr hin zum "präejakulativen Gesangsstils" eines Herbert Grönemeyers, dem Inbegriff der männlichen Weinerlichkeit, ließ er keinen ungeschoren davonkommen. Das kam gut an, aber genau diese Nummer hatte Appelt bereits in seinem Programm "Göttinen" verwendet.

"Besser ... ist besser" war nicht besser als die vorherigen Programme. Zu oft zitierte sich der Comedian selbst, und die Ausflüge in die Gefilde der Politik waren nur Mainstream. Sichtlich wohler fühlte sich Appelt unterhalb der Gürtellinie.