Eigentlich wollten Agnes und Claus Schmitt in diesen Tagen draußen auf ihren Erdebeerfeldern arbeiten, um dort die Strohunterlage aufzubringen und schon die Pflanzen fürs nächste Jahr zu setzen. Doch momentan brauchen sie gar nicht daran zu denken. Draußen ist es viel zu nass. Wenn sie jetzt mit dem Traktor in die völlig aufgeweichte Erdbeerplantage fahren, würden sie versinken und den Boden nur schädigen.
So warten sie, wie schon seit Wochen, auf besseres Wetter. Die Früchte, egal ob die Erdbeeren oder die Obstbäume bräuchten dringend Sonne und Wärme. Noch ist zwar nichts verloren, doch jeder Schlechtwettertag erhöht die Gefahr, dass Pilze und Nässekrankheiten die Früchte an den Pflanzen und Obstbäumen schwächen.

Seit 28 Jahren bewirtschaften Agnes und Claus Schmitt ihren Hof für Sonderkulturen. Beide können sich nicht erinnern, dass es einmal ein so nasses und kaltes Frühjahr gegeben hat. Auf den Erdbeerfeldern steht das Wasser in den Ackerfurchen. Nur noch mit Gummistiefeln gehen die Schmitts derzeit auf die Felder. Der Boden fühlt sich an wie ein Schwamm. "Da kann kein Traktor rein", sagt Schmitt und muss noch weiter warten mit dem Aufbringen der Strohunterlage, die ja eigentlich dafür da ist, die Erdbeeren vor Nässe zu schützen.

Doch trotz aller Nässe stimmt die Erdbeerblüte die Schmitts derzeit zuversichtlich. "Die Erdbeeren sind genauso gewachsen wie das Unkraut", sagt Agnes Schmitt. An den Stöcken hängen ganz viele Blüten. Allerdings wissen die beiden Agrarwissenschaftler nicht, ob Nässe und Kälte an Schäden angerichtet haben, die jetzt noch gar nicht sichtbar sind. Das betrifft beispielsweise den Pilzbefall, der erst erkennbar wird, wenn reife Früchte am Stock faulen. An den Blättern lassen sich aber bereits jetzt erste Nässeschäden entdecken.

Erdbeeren noch nicht reif

Die Schmitts schätzen, dass es Erdbeeren erst Mitte Juni geben wird. Das ist etwas später als in normalen Jahren. Angesichts der aktuellen Wetterlage sind sie aber sogar froh, dass die Reife verzögert ist. Dieser Regen zur Erntezeit wäre viel schlimmer, meinen sie. Die Früchte würden schnell faulen und zum Pflücken käme kaum ein Kunde bei diesem Matsch. Die Schmitts hoffen, dass die Verbraucher noch etwas Geduld und Verständnis haben. Gegen die Natur könne man nichts ausrichten, wissen beide.

Die Alternative wäre nur der sogenannte "geschützte Anbau". Das bedeutet, dass alles unter Glas oder Plastikfolien angebaut wird.In Spanien sind auf diese Weise schon ganze Landstriche mit Gewächshäusern zugepflastert "Der Trend im Obstbau geht weg von der Natur", erklärt Agnes Schmitt. Doch sie und ihr Mann Claus wollen diesen Trend nicht mittragen. "Uns widerstrebt das", betonen sie beide.

Bis zu 14 Tagen hinter der Zeit

So wie noch ungewiss ist, ob der Regen den Erdbeeren geschadet hat, so wagt Claus Schmitt auch beim Baumobst derzeit noch keine Prognose. "Wir sind zehn bis 14 Tage hinten dran", sagt Schmitt; das ist sicher.

Bangen um die Früchte der Arbeit, ist für die Schmitts immer schon Alltag. Als Landwirt müsse man mit dieser Unsicherheiten leben. Nur sei es früher einfacher gewesen, weil Missernten über den Marktpreis etwas abgemildert werden konnten, erklärt er. Wenn aber heute in Deutschland eine Ernte schlecht ist, habe das keinerlei Auswirkungen mehr auf den Preis. Manchmal sei das schon eine psychische Belastung, geben die Schmitts zu.Man fühle sich einfach ausgeliefert.Trotzdem beantworten sie eine Frage ohne großes Nachdenken: Ja, sie würden wieder Landwirte werden, wenn sie vor der Wahl stünden. "Wir haben den schönsten Beruf", betont Claus Schmitt.

Das sagt er, obwohl er weiß, dass nach dem großen Regen doppelt und dreifach Arbeit auf ihn und seine Frau wartet. Denn dann muss alles, was jetzt liegen geblieben ist, aufgeholt werden und gleichzeitig läuft die Erdbeerernte an. Aber auch das werden die Schmitts wieder meistern.