Die Villa Ross in der Von-der-Tann-Straße ist eines von vielen kleinen Kurhäusern, in denen der Kurbetrieb vor Jahren eingestellt wurde. Seitdem die Stadt 2016 die Kurzone verkleinert hat, liegt die Villa nicht mehr in dem Sondergebiet und bekommt jetzt wieder eine Perspektive. Eigentümer Dmitry Mikhaylov will das als Villa Gayde bekannte Gebäude für zwei Millionen Euro modernisieren zu lassen. "Bei der Villa Ross haben wir geplant, dass acht Eigentumswohnungen entstehen", sagt Waldemar Michaelis. Michaelis ist Geschäftsführer des Bauunternehmens Struktor GmbH mit Sitz in der Boxbergerstraße und verantwortet für Mikhaylov das Projekt.

Nachdem das Gebäude nicht mehr zur Kurzone gehört, kann es komplett mit Wohnungen belegt werden. Die Kurzonensatzung erlaubt einen Wohnanteil von 25 Prozent je Gebäude, die restliche Fläche hat der Dienstleistung am Gast zu dienen. "Wir sind aktuell in der Planungs- und Genehmigungsphase", berichtet Michaelis. Die Villa Ross wird innen entkernt, neu aufgebaut und auf Neubaustandard gebracht. Die Außenansicht und die charakteristischen Wand- und Deckengemälde der Maler Karl Gayde und Max Roßmann im Eingangsbereich bleiben erhalten. "Das ist ein tolles Projekt", freut er sich. Baustart ist für dieses Jahr vorgesehen, 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Wie das Rathaus auf Anfrage mitteilt, liegt bislang ein Baugesuch für eine Dachänderung bei der Villa Ross vor, die noch innerhalb der Verwaltung zu behandeln ist. Die Umnutzung zu einem Wohnhaus sei genehmigungspflichtig, hier gebe es aktuell noch keine Anfrage.

Ungünstiger Zuschnitt im Rixen

Der 41-jährige Unternehmer aus Bad Königshofen ist seit gut einem Jahr in Bad Kissingen tätig. Neben der Villa Ross sucht er auch Betreiber für das Hotel Rixen und das frühere Theaterrestaurant, die ebenfalls Mikhaylovs gehören. Im Rixen sind aktuell Arbeiter zu Gange, auf der Straße sind Baugeräusche zu hören. "Derzeit wird das Hotel entkernt", erklärt Michaelis. Ein möglicher Interessent könne dann das Gebäude frei gestalten. Allerdings stehe noch nicht fest, wie es weitergeht. Betreibersuche sei nicht leicht. "Das Rixen ist eine Herausforderung", sagt er. Eine ausschließliche Wohn- und Büronutzung scheide wegen der Lage in der Kurzone aus. Mögliche Hotelbetreiber hätten bislang immer abgesagt. Ein Problem hierbei sei, dass der Zimmerzuschnitt nicht mehr den heutigen Ansprüchen an ein Hotel genüge. Michaelis: "Die Zimmer sind zu groß und damit unrentabel zu bewirtschaften." Auch deshalb die Entkernung. Er sei aber zuversichtlich, in den nächsten Monaten eine Lösung zu präsentieren.

Für die Rente nach Bad Kissingen

Ebenfalls vertrackt ist die Lage für das unter denkmalschutzstehende Theaterrestaurant. "Die optimale Lösung wäre eine Gaststätte mit Pension", findet Michaelis. Angesichts der Personalprobleme in der Gastronomie werde es aber nicht leicht, einen Pächter zu finden, der sich den großen Betrieb zutraut. Die Immobilie stehe noch hinten an, Michaelis will sie aber in den nächsten Jahren forcieren.

Ganz anders ist die Situation bei der Wohnanlage, die Michaelis für sechs Millionen Euro errichten will. In der Rosenstraße 24 plant er drei Häuser mit 30 behinderten- und altersgerechten Wohnungen sowie einer Tiefgarage samt Ladestationen für Elektroautos. Das Vorhaben ist genehmigt, Baubeginn ist im Frühjahr. Die Wohnungen seien zum Teil schon verkauft. "Meine Zielgruppe sind Menschen, die sagen: Ich habe mein Leben lang gearbeitet und möchte jetzt in der Rente meinen längsten Urlaub genießen", sagt er.

Zum Hotel Rixen

Leerstand Das Hotel Rixen steht seit Januar 2004 leer. Bis zu seiner Schließung verfügte es unter anderem über 94 Zimmer, acht Tagungsräume, Hotelbar und Saunabereich. Die damaligen Pächter und Eigentümer lösten den Vertrag, weil sie sich über die Höhe der Pacht in Zusammenhang mit nötigen Sanierungen nicht einigen konnten. 2012 kaufte der heutige Eigentümer das Hotel sowie die anliegenden Grundstücke mit dem ehemaligen Theaterrestaurant (zuletzt: Restaurant Balaton) und Kurheim Ross. Damals war angedacht, das Hotel nach der Sanierung als Drei-Sterne-Haus wieder auf den Markt zu bringen.