Mit einer Präventionsveranstaltung am Reithausplatz (Tattersall) beteiligte sich die Polizei-Inspektion Bad Kissingen am Freitag an der seit Mai laufenden Aufklärungskampagne "Kopfentscheidung" des Polizeipräsidiums Unterfranken, die auch vom Kissinger Kabarettisten Michl Müller, Bauchredner Sebastian Reich mit seiner Amanda und anderen Prominenten unterstützt wird. Anlass für die Aktion ist die auffällige Zunahme von Verkehrsunfällen mit Radfahrern, während die Gesamtzahl der Unfälle abnimmt.

Schon in vergangenen Jahren war die Zahl der Radfahrer in Deutschland deutlich gestiegen. Vor allem im Corona-Jahr 2020 stieg die Zahl deutlich an. So ist es kaum verwunderlich, dass auch die Zahl verunglückter Radfahrer im vergangenen Jahr um fast sechs Prozent im Vergleich zu 2019 gestiegen ist, obwohl es insgesamt 18 Prozent weniger Unfälle mit Personenschäden gab.

Diesen Trend muss auch Bad Kissingens Polizei-Inspektion bestätigen. Während es im Jahr 2019 landkreisweit "nur" 25 Fahrrad-Unfälle gab, wurden 2020 schon 38 registriert, davon zwölf mit Schwerverletzten, von denen ein Opfer den Verletzungen erlag, und 22 mit Leichtverletzten. Nur vier Unfälle gingen ohne Verletzungen aus. "In diesem Jahr hatten wir bis Mai schon acht Unfälle von Radfahrern im Landkreis", informierten Polizeioberkommissar Florian Heuring und Polizeiobermeisterin Christina Seidl die Radler und Spaziergänger zwischen 12 und 17 Uhr am Info-Stand der Polizei.

Ursache für die Hälfte aller Unfälle im Vorjahr waren reine Fahrfehler der Radfahrer, an anderen Unfällen waren Autos beteiligt. Besonders bedauert Heuring, der als Sachbearbeiter für Verkehrssicherheit die Statistiken kennt, dass die Hälfte aller an Unfällen beteiligten Radfahrer keinen schützenden Helm getragen hatten. "Ein Helm verhindert schwere Verletzungen."

Nach der Statistik sind es vor allem die 45- bis 65-Jährigen, die ohne Helm in Unfälle verwickelt sind, während die Jüngeren und erst recht die Jüngsten im Landkreis in vergangenen Jahren von der schulischen Verkehrserziehung und Aufklärungsarbeit der Polizei unter Leitung von Polizeihauptmeister Matthias Kleren profitiert haben dürften.

Individuelle Fahrfehler sind häufig bei Senioren zu bemerken, die gerade auf ein Elektrofahrrad umgestiegen sind. "Ein E-Bike hat andere Fahreigenschaften", weiß Polizeiobermeisterin Christina Seidl. "Es ist schwieriger im Umgang, was zu fehlerhaften Fahrverhalten führen kann." Auch deshalb ist das Tragen eines Helms, auch wenn in Deutschland noch nicht gesetzlich vorgeschrieben, der beste Schutz vor Kopfverletzungen.

Moderne Fahrradhelme, die je nach Größe um 250 Gramm wiegen, sind aus Hartschaumstoff gegossen. Obermeisterin Seidl zeigt eeinen hochwertigen Helm mit Multi-Directional-Impact-Protection System (MIPS). Diese Vorrichtung ist zwischen dem Innenpolster und dem Hartschaumstoff eingebaut und mindert beim Aufprall die gefährlichen, auf das Gehirn einwirkenden Kräfte.

Im Sommer wird die Polizei-Inspektion diese Präventionsveranstaltung wiederholen. Zusätzlich wird es in der letzten Juli-Woche einen Fahrradkontrolltag geben. An diesem Kontrolltag wird es allerdings nicht nur bei freundlichen Worten bleiben, sondern bei deutlichem Fehlverhalten kann es auch schon mal ein Knöllchen geben. Wer mit seinem Fahrrad falsche Verkehrsflächen nutzt, also in Fußgängerzonen oder auf ausdrücklich Fußgängern vorbehaltenen Wegen fährt, muss dann mit einer Geldbuße von 20 Euro rechnen.