Marleys Nase ist für Sabrina Weinand lebenswichtig. Der Goldendoodle - eine Mischung aus Golden Retriever und Pudel - erkennt, wenn es Sabrina Weinand schlecht geht und warnt sie. "Marley riecht, wenn ich in die Unterzuckerung gerate", erklärt die 25-Jährige. Sie selbst merkt es nicht mehr.

Mit neun Jahren erkrankte Sabrina Weinand an Diabetes Typ 1. Vor etwa zwei Jahren entwickelte sich bei ihr zusätzlich eine Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung. Die junge Frau erläutert, was das für sie bedeutet: "Ich spüre die Unterzuckerung nicht. Und dann ist es zu spät. Ich kippe um." Doch nun hat sie Marley.

Sabrina Weinand trainiert ihren Hund seit Juli in einer speziellen Schule zum Hypo-Hund. "Wenn ich in die Unterzuckerung komme, entsteht ein anderer Körpergeruch, den Marley erkennt." Mit T-Shirts, die sie während der Unterzuckerung trug, richtet Sabrina Weinand ihren Hund darauf ab.
"Ich habe bei mir zu Hause dafür vier Gläser." In die steckt die junge Frau regelmäßig T-Shirts, um einen Geruchsvorrat für das Training zu haben.

Wenn Marley die Unterzuckerung riecht, macht er sich bemerkbar, stupst Sabrina Weinand an und weckt sie sogar nachts auf, bevor die Diabetikerin in die Bewusstlosigkeit fällt und notärztliche Hilfe braucht. Auf Kommando holt Marley dann das Mäppchen mit dem Messgerät und dem Traubenzucker. Zur Belohnung gibt es Leberwurst aus der Tube - danach ist Marley richtig süchtig. "Die Tube habe ich immer bei mir in der Tasche", sagt Sabrina Weinand. Sollte sie nicht mehr bei Bewusstsein sein, soll ihr Hund einen Notruf absetzen. Dafür hat Sabrina Weinands Vater einen großen Schalter an ein Handy gebaut.

Laut der Hypo-Hundeschule können viele Hunde Hypo-Hunde werden. Die Eignung könne man nicht allein an der Rasse festmachen. "Ein Hypo-Hund braucht eine gute Nase, einen starken Drang, dem Menschen zu gefallen, Intelligenz, Lernfreude, eine hohe Reizschwelle, keinerlei Aggression, keinen Jagdtrieb und eine umfangreiche Sozialisierung an unterschiedlichste Menschen, Tiere, Umgebungen, Situationen und Geräusche", heißt es.
Noch bis August muss Sabrina Weinand einmal im Monat zu dem spezialisierten Tiertraining nach Norddeutschland fahren. Danach kann Marley seine Abschlussprüfung machen. In der Öffentlichkeit trägt er eine gelbe Weste, die ihn als Hypo-Hund kennzeichnet. Eine Karte weist ihn später zusätzlich als Helfer aus. Doch auch nach der Prüfung wird Sabrina Weinand mit ihrem Hund regelmäßig üben, damit er für den Notfall vorbereitet bleibt. Marley, der gerade ein Jahr alt geworden ist, besucht zudem eine normale Hundeschule, damit er sich in der Öffentlichkeit ordentlich benimmt.

Ihr Vater sei anfangs skeptisch gewesen, ob das mit dem Riechen überhaupt funktioniert, erklärt Sabrina Weinand. Doch er habe sich beeindrucken lassen. Viel Überzeugungsarbeit muss Sabrina Weinand aber im Alltag leisten. Denn sie wird mit ihrem Hund nicht in jedes Geschäft hereingelassen, obwohl sie ihn als ständigen Begleiter braucht. Ein Hypo-Hund sei in der Gegend nicht so bekannt. Die junge Frau muss bei Filialleitern oder Kassiererinnen für Verständnis werben, dass ihr Hund kein einfaches Haustier ist. Sabrina Weinand sagt: "Beim Einkauf mit meinem Hund bekomme ich das Getuschel im Laden mit." Die gelernte Arzthelferin würde sich auch einen Arbeitsplatz wünschen, an den sie ihren Hund mitnehmen könnte.

Marley gibt Sabrina Weinand ein Stück Freiheit zurück. "Ich will nicht ständig unter Kontrolle stehen", sagt sie. Und auch ihre Familie kann jetzt beruhigter leben, wie ihre Mutter Petra Hirt bestätigt. Früher habe ihre Mutter regelmäßig angerufen, um zu überprüfen, dass ihre Tochter nicht bewusstlos ist.