Mit seiner bundesweiten Aktion "Gedeckter Tisch" forderte am Montag der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) im Vorfeld des nächsten Bund-Länder-Gipfels eine schnelle und konkrete Öffnungsperspektive für das Gastgewerbe. Auch in Bad Kissingen hatten sich am Montag Betreiber von Hotels, Restaurants und Bars mit leeren Betten und eingedeckten Tischen auf dem Marktplatz beteiligt. Damit wollten sie auf die momentane Perspektivlosigkeit und Existenzbedrohung hinweisen, denn innerhalb eines Corona-Jahres sind ihre Betriebe schon sechs Monate geschlossen. Aktuell wollen aber die Länderchefs erst dann über Öffnungsszenarien für das Gastgewerbe sprechen, wenn der Inzidenzwert von 35 erreicht ist.

"Maßstäbe und Inzidenzwerte für Öffnungen anderer Branchen müssen auch für das Gastgewerbe gelten", forderte Heinz Stempfle (Westpark Hotel) in seiner Funktion als Dehoga-Kreisvorsitzender. "Wenn andere Branchen öffnen dürfen, muss es auch im Gastgewerbe weitergehen - und zwar so, dass die Betriebe wirtschaftlich arbeiten können." Gastronomie- und Hotellerie seien keine Pandemie-Treiber. "Im Gastgewerbe haben wir viel weitreichendere Hygiene-Konzepte als im Handel." Eine Fortsetzung der Politik nach dem Motto "Ihr bleibt zu, damit andere öffnen können" werde von Unternehmern und Beschäftigten des Gastgewerbes nicht akzeptiert.

Der Verband fordert eine schnelle Öffnungsperspektive, da Existenzen bedroht sind, aber auch die Wiederaufnahme gerade eines Hotels mehrere Monate Anlaufzeit braucht. Dies gilt vor allem für Großhotels wie das Frankenland mit seinen 500 Zimmern, dessen Betrieb auf das touristische Gruppengeschäft, auf Firmenveranstaltungen und Tagungen mit großer Teilnehmerzahl angewiesen ist und mit Individualreisenden allein den Betrieb nicht wirtschaftlich führen kann. "Wir brauchen doch eine längere Vorlaufzeit", macht Prokuristin Anja Licha deutlich. "Für das Firmengeschäft brauchen wir mindestens drei Monate, für das Busgeschäft noch viel länger."

Weniger um die Vorlaufzeit als um die Existenz seines Restaurants sorgt sich Emmanuel Papadopoulos. "Unsere Geduld hat ein Ende", schimpft der stadtbekannte Gastronom. Seine vier Mitarbeiter sind seit November wieder in Kurzarbeit. Wie andere Kollegen hat er Angst, dass die im Gastgewerbe dringend benötigten Fachkräfte zur Wiederöffnung nicht mehr da sein könnten: "Die arbeiten dann womöglich bei Amazon."

Auch die Zahlung der staatlichen Zuschüsse laufe unbefriedigend. Für die Monate November und Dezember bekam er wenigstens schon einen Abschlag, aber überhaupt kein Geld für Januar und Februar. Doch seine Rechnungen muss Papadopoulos weiter bezahlen. "Meine Rücklagen sind inzwischen aufgebraucht, jetzt lebe ich von meinen Ersparnissen." Wenn das versprochene Geld nicht bald kommt, sieht er seinen Betrieb von der Insolvenz bedroht. "Wir wollen öffnen, statt pleite zu gehen. Wir wollen Gäste statt Zuschüsse."

Nicht nur wirtschaftliche Probleme sieht Platzhirsch-Inhaber Matthias Schultheis, sondern vor allem für die Ausbildung der Azubis. Bei ihm lernen zwei angehende Restaurantfachleute. Aber wie sollen sie ohne Gäste ihren Beruf erlernen? Momentan unterrichtet Schultheis mehr in Theorie als in Praxis und lässt seine Azubis unbesetzte Tische auf- und abdecken. Wie die Prüfung für seine Auszubildende, die im dritten Jahr gerade auslernt, korrekt durchgeführt werden soll, weiß er nicht. Noch schlimmer sieht es für die junge Dame im ersten Lehrjahr aus: "Im September hat sie bei mir angefangen, Anfang November kam der Lockdown. Das war's."

Die mehrmonatige Schließung der vielen Hotels, Pensionen sowie Restaurants und Bars in seiner Kurstadt macht natürlich auch Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) große Sorge. "Unser Tourismus-Standort wurde von Corona heftig getroffen", erinnert er ans zurückliegende Jahr sowie an die schwierige Haushaltslage in laufenden Jahr. "Für 2020 musste die Stadt eine zusätzliche Million Euro in die Staatsbad GmbH zum Ausgleich des Defizits stecken, weil Kurtaxeinnahmen fehlten." Wie mag es wohl zum Ende dieses diesem Jahres aussehen?

Statt des starren Blickes auf einen bestimmten Inzidenzwert fordert der Oberbürgermeister "ein atmendes System" mit regionalen Öffnungsszenarien. "Die Öffnung einzelner Branchen sollten wir auf Landkreis-Ebene auch von lokal und regional vorhandenen Kapazitäten zur ärztlichen und klinischen Versorgung unserer Bevölkerung abhängig machen."

Auch in Großwenkheim gab es Proteste von Gastronomen, und zwar am Gasthaus "Zum Adler" und am "Nah und Gut" Einkaufsmarkt Sotier. Vor dem historischen Gasthaus stand bereits ab 10 Uhr bei kühlen Temperaturen ein komplett gedeckter Tisch, allerdings blieben die Stühle unbesetzt.

"Wir wollen nach einer langen Zeit unsere Gaststätte und unseren Biergarten endlich wieder öffnen. Wir haben seit einigen Monaten durch die staatlich verordneten Schließungen keinerlei Einnahmen, die Betriebskosten laufen aber weiter", sagt Matthias Sotier, Inhaber des Gasthauses.

Mit Text von Anton Then