Mit dem Heiligen Geist kam die Wende. Und zwar eine wahrhaft süße. "Am Pfingstmontag hat das Honigen angefangen. Innerhalb von zehn Tagen haben die Bienen den Kasten vollgekriegt", erinnert sich Jochen Huppmann an das christliche Fest im Frühjahr. 28 Bienenvölker betreut der Euerdorfer hinter seinem Haus auf den oberhalb gelegenen Flächen am Haarberg und bei Ramsthal.

Mit der Honigernte in diesem Jahr kann der Chef des Imker-Ortsvereins Euerdorf und stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes Bad Kissingen zufrieden sein. Die erste Schleuderung sei sehr gut gewesen, die zweite Ernte durchwachsen, die dritte, gerade abgeschlossene aber wieder recht ertragreich.

47 Kilogramm Honig pro Bienenvolk kann Huppmann als Ertrag angeben. "Für das, was dieses Jahr an Wasser vom Himmel kam, war die Ernte top", fasst er es zusammen.

Der späte Schnee und der viele Regen im Frühjahr: Sie ließen keine gute Honigernte erhoffen. Denn dann blüht kaum etwas; die Bienen bleiben träge in ihrem Stock, verbrauchen den produzierten Honig für sich. Manch Imker in der Region musste gar zufüttern.

Doch dann explodierte die Natur rund um Pfingsten. Vor allem der Raps entpuppte sich als gute Nahrungsgrundlage, so Huppmann. Durch den Regen sei er gut gewachsen und habe üppig geblüht. Auch die Kirsche blühte Ende April gut. So konnten die Bienen viel Nektar einsammeln.

Für die zweite Ernte sei das Wetter dann zu feucht gewesen. Und die dritte Ernte brachte Honig von dem ein, was im sommer noch da ist, Linde zum Beispiel oder Weißklee.

Auch Martin Holzinger vom Imker-Ortsverband Hammelburg fand vor allem "die Frühernte in Ordnung". Zur Rapsblüte sei es nur leicht feucht gewesen; die Bienen seien gut in die Felder reingeflogen. Der Obereschenbacher, der seine Stöcke rund um seinen Heimatort stehen hat, sagt aber auch: "Der Sommer war wechselhaft. Da ist nicht mehr viel gegangen." Im Schnitt zwölf Kilogramm Honig pro Bienenvolk konnte Holzinger einsammeln. Er kennt aber auch einen Kollegen, der mehr hatte.

Eine solch positive Bilanz wie im Saaletal kann Karin Schmidt, Vorsitzende des Imkervereins Bad Brückenau, nicht ziehen. Vielen Imkern im Sinntal sei "die ganze Ernte weggebrochen" - von 50 Prozent bis vollständig. Ein Kollege in Wildflecken habe im Juni noch zugefüttert, ohne Erfolg.

Bei Schmidt selbst war "die erste Ernte gut, die zweite ein Komplettausfall, die dritte durchschnittlich". Im Schnitt ergab das 24 Kilogram pro Volk. Wobei bei ihr die Rapsblüte für 90 Prozent des Ertrages verantwortlich war. Der wird rund um Oberleichtersbach, wo Schmidt ihre Bienenstände hat, in offensichtlich ausreichendem Maße angebaut.

"Für meine Stammkunden reicht die Ernte gerade so, für die Laufkundschaft eher nicht", schätzt die Rhönerin. Wer heimischen Honig wolle, müsse sich bis Weihnachten kümmern.

Den vielen Regen in diesem Jahr sieht die Oberleichtersbacherin als Fluch und Segen. Einerseits sei es gut, dass nach drei trockenen Jahren wieder genug Nass gefallen sei (Bei großer Dürre bilden die Pflanzen als Überreaktion viel Zucker, der in den Waben kandiert und wie weißer Zement wird). Andererseits habe der kalte und verregnete Juni dazu geführt, dass die Bienen keinen Nektarvorrat einlagerten und die zweite Ernte ausfiel.

Auch mit dem sogenannten Waldhonig war es fast nichts, was Huppmann und Holzinger bestätigen. Der Waldhonig generiert sich nicht aus gesammeltem Blütennektar, sondern aus den Ausscheidungen von pflanzensaftsaugenden Insekten, dem sogenannten Honigtau. Die Bienen nehmen diesen auf und tragen ihn in ihre Bienenstöcke. Nur: Der viele Regen wusch die Insekten von Fichten und Tannen. Wohl der Grund für den geringen Ertrag.

Die dritte Ernte generierte sich dann laut Karin Schmidt bei relativ trockener Witterung aus Waldblüten (Himbeere, Brombeere) und Sommerblühern. "Für das grausame Wetter war es noch ein ganz guter Ertrag", sagt Karin Schmidt.

Erhard Bieber, Vorsitzender des Imker-Kreisverbandes aus Maßbach, sah die Honigernte im östlichen Landkreis Bad Kissingen als "durchschnittlich" an. "Wir sind ganz zufrieden." Auch dort habe man vom Raps profitiert; die Obstblüte habe nicht soviel erbracht.

"Wir haben das erste Mal zwei bis drei Wochen später geschleudert als in den Vorjahren, also Anfang Juni", informiert Bieber. 20 bis 30 Kilogramm pro Bienenvolk seien dabei herausgekommen. Der Ertrag schwanke über die Jahre immer wieder - von fast nichts bis 40 bis 50 Kilo pro Volk. Dieses Jahr sei da nicht ungewöhnlich.

Ganz verhauen hat es die Honigernte bei Stefan Henz, Chef des Ortsvereins Thulbatal. "Das war das schlechteste Jahr, seit ich imkere", klagt der Oberthulbaer. Er habe nur ein Viertel des sonstigen Jahresertrags einbringen können.

Henz hat seine Bienenstöcke an der Thulba, am Beginn des sogenannten "Oehrbachtals", stehen. Nur insgesamt 55 Kilogramm konnte er bei seinen fünf bis sechs Wirtschaftsvölkern entnehmen - der magerste Ertrag in zwölf, 13 Jahren. Die zweite Schleuderung Ende Juni/Anfang Juli fiel ganz aus.

Der Imker rätselt, woran das liegt. In der Nähe gebe es weniger Raps; Kollegen, die mehr von dieser Kulturpflanze in der Nähe gehabt hätten, hätten bessere Erträge. Auch habe der viele Regen die Läuse in den Bäumen häufig hinfortgespült.

Steigen jetzt die Preise, weil das Angebot vor allem bei regionalem Waldhonig knapper wird? "Der Preis bleibt normalerweise trotzdem stabil", sagt Erhard Bieber. Die Imker würden sich oft untereinander mit Honig aushelfen, um ihre Kunden zu bedienen. Der dunkle Waldhonig mache in der Region, anders als im Schwarzwald, einen kleineren Anteil aus. Zudem sei zuletzt der hellere Blütenhonig mehr gefragt gewesen. Und der ist ja ausreichend vorhanden.