Zurück zur Natur, heißt ab sofort das Lebensmotto von Frank Höfer (43) und Ehefrau Rebecca in Roth. Mit dem befreundeten Nachbarn René Langner (42) wollen sie auf dem an ihr Wohnhaus angrenzenden Wiesengrundstück Tiere zur Selbstversorgung halten. Ein entsprechender Antrag zum Bau von Stallungen beschäftigt gerade das für die Genehmigung zuständige Landratsamt und die Marktgemeinde Bad Bocklet.

Ende September beantragte das Ehepaar Höfer beim Landratsamt den Bau einer mannshohen Stallung mit sechs mal drei Meter Grundfläche. Dies soll die Behausung für maximal 20 Hühner, zehn Wachteln, fünf Enten, drei Gänse und zehn Hasen werden. "Weder bei den Wachteln, noch bei den Hühnern wird es Hähne geben", versichert Höfer. "Es wird also kein Hahn krähen."

Die Höfers und Nachbar Langner denken nicht an Aufzucht, sondern nur an die Haltung der Tiere zur Beschaffung biologisch reiner Lebensmittel wie Fleisch und Eier. "Seit meinem 18. Lebensjahr leide ich unter einer Weizen-Allergie", erklärt Höfer die Hintergründe. Inzwischen sind andere Allergien hinzugekommen. Zusätzlich hat er eine chronische Magen-Darm-Krankheit, der mit Medikamenten kaum beizukommen ist. Höfer verträgt auch kein handelsübliches Schweinefleisch. Alles muss er bei Bio-Bauern einkaufen. Als preiswertere Möglichkeit bleibt für ihn deshalb nur die Selbstversorgung, wie sie vor Jahrzehnten überall noch üblich war.

Nicht nur, dass Hühner und Schweine heute mit Weizen gemästet werden. Ständig liest man auch von Zugaben von Medikamenten und Antibiotika bei der Massentierhaltung. "Das ist doch für den Menschen nicht gesund", meint auch Höfers Nachbar. Langner hat selbst noch keine Probleme. Doch bei seiner zwölfjährigen Tochter machen sich Allergien bemerkbar. "Sie verträgt keine normalen Hühnereier." Seit sechs Jahren leide sie unter Neurodermitis. Seitdem beschäftigt sich der Vater mit artgerechter Tierhaltung. Er kam auch auf die Idee mit den Wachteln. "Wachteleier verträgt meine Tochter nämlich."

Auslauf ist nötig

Zur artgerechten Haltung gehört auch ein entsprechender Auslauf für die Tiere. Die Antragsteller denken an eine Fläche von 200 bis 300 Quadratmeter, damit natürliches Futter in ausreichendem Maß vorrätig ist.

Alles ist bereits durchdacht. Auf Weisung des Landratsamtes hat sich Höfer auch schon beim Veterinäramt offiziell als Tierhalter angemeldet. Schließlich muss in Deutschland alles seine Ordnung haben.

Deshalb schickte auch das Landratsamt Höfers Antrag erst einmal an die Marktgemeinde Bad Bocklet zur Entscheidung weiter. Die Wiese am Rande des Rother Wohngebietes ist nämlich keine für die landwirtschaftliche Nutzung privilegierte Fläche, sonst hätte man dem Antrag gleich zustimmen können. Aber Einwände gab es seitens des Landratsamtes prinzipiell keine. Trotzdem musste der Bauantrag nun in der Gemeinderatssitzung am 26. November behandelt werden.

Ohne Wissen der Einzelheiten warnten Räte dort vor möglichem Hahnenschrei und nachbarlicher Ruhestörung, sogar das Vorzeigen eines Attestes über die im Antrag angeführte Nahrungsmittelunverträglichkeit des Ehepaars Höfer wurde gefordert. Nach ausgiebiger Diskussion wurde dann doch die Entscheidung bis zur Klärung aller Fragen vertagt.

"Alles geht seinen geordneten Gang", erklärte Geschäftsleiter Paul Back Tage später. Das erforderliche Gespräch mit dem Ehepaar Höfer wurde inzwischen geführt. "Die Nachbarn sind mit unserem Vorhaben einverstanden", versichern die Höfers. Mit der einen Familie sind beide sogar befreundet. Weil dies so ist und es keine sachlichen Einwände gibt, "wird der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am 15. Januar grünes Licht geben", ist sich Paul Back ziemlich sicher.