Immer wieder muss sich Klinikseelsorgerin Gabriela Amon mit dem Thema Fehlgeburten auseinandersetzen. Schon als sie das erste Mal damit konfrontiert war, hat sie sich gefragt, was mit jenen "stillgeborenen" Kindern geschieht, die nicht in einem Familiengrab oder in einer eigenen Grabstätte beerdigt werden. Sie suchte Kontakt mit Kollegen in anderen Kliniken und beschloss, eine "Himmelswiese" zu schaffen.

Gabriela Amon fand schnell Mitstreiter.
Darunter ihre evangelische Kollegin Claudia Weingärtler und Cornelia Weber von der Christian-Presl-Stiftung. Beide sind wie Gabriela Amon in der Trauerarbeit tätig. Unterstützung leistet auch die Stadt, die ein Grundstück auf der Parkfriedhof zur Verfügung stellte und die Friedhofssatzung entsprechend änderte.

Engelhaftes Mobile

Es sollte keine schmucklose Wiese werden. Mit Bildhauer Reinhard Kraft fand sich ein Künstler, der diesen Ort für die "Sternenkinder" gestalten wird. Auf einer halbkreisförmigen Kiesfläche soll eine "Sternschale" aus Marmor Platz finden. Seitlich versetzt entsteht eine weitere Skulptur, der "Sternenflügel". "Ein Mobile an einer gebogenen Rute, das sich bewegt und den Raum öffnet", sagt Reinhard Kraft, wobei sich die Teile des Mobiles auch als Engel deuten lassen.

"In den Boden der Sternschale sind eine halbkugelförmige Mitte und darum zwei Wellenringe eingearbeitet", fährt der Bildhauer fort. "Für einen Moment durchdringen sich aufsteigende und einsinkende Gestalt, Werden und vergehen gehen ineinander über", interpretiert der Künstler sein Motiv. Wenn es die Eltern wünschen, wird zudem eine Kalksteinscheibe mit dem Namen des Kindes in die Wiese eingelegt.

Im Sommer soll die Himmelswiese fertig sein, dann wird auch die erste Bestattung stattfinden. Es gibt bereits zahlreiche Anfragen. "80 Prozent der betroffenen Eltern wünschen eine solche Art der Bestattung", verweist Gabriela Amon auf ihre Erfahrung aus dem St. Elisabeth-Krankenhaus. So gibt es viele junge Familien, die noch keine Grabstätte haben. Sie wollen ihr Kind trotzdem hier haben und nicht in Schweinfurt, wo es eine derartige Einrichtung wie die Himmelswiese schon seit längerem gibt.

Halt für die Hinterbliebenen

"Die Himmelswiese soll den Hinterbliebenen Halt geben", ergänzt Cornelia Weber. Aber auch jenen Menschen, deren Kinder schön vor langer Zeit von der jeweiligen Klinik anonym bestattet wurden, bei denen zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal das Gefühl der Trauer ausbricht.


Bestattungspflicht Bis 2006 bestand eine Bestattungspflicht nur für totgeborene oder kurz nach der Geburt verstorbene Kinder mit einem Körpergewicht über 500 Gramm. Seitdem müssen auch Kinder unter 500 Gramm bestattet werden, entweder vom Krankenhaus oder von den Eltern.

Beerdigung Die Himmelswiese ist nur für Embryonen, Föten und Totgeburten unter 500 Gramm gedacht. Zwei Mal im Jahr sollen Bestattungen stattfinden. So lange werden die totgeborenen Kinder in der Pathologie aufbewahrt. Für die Beerdigung werden sie zusammen in einen kleinen Sarg gebettet, den die Klinikseelsorge finanziert. Auch die Bestattung mit Trauerfeier übernimmt die Klinikseelsorge des St. Elisabeth-Krankenhauses

Unterstützung
Wer das Projekt Himmelswiese finanziell unterstützen möchte, kann das über die Klinikseelsorge beider Konfessionen tun. Entweder über die Katholische Kirchenstiftung Herz Jesu (IBAN: DE36793510100031171549, BIC: BYLADEM1KIS) oder über die evangelische Klinikseelsorge (IBAN: DE43793510100
000018127, BIC: BYLADEM1KIS): Der Verwendungszweck lautet jeweils "Himmelswiese Bad Kissingen".