Es ist einer dieser vermutlich letzten schönen Sonnentage im September. Auf der Freifläche neben der Friedenskirche sitzt draußen eine Gruppe älterer Damen, das Strickzeug liegt schon griffbereit. Vor ihnen auf dem Tisch sind Berge von Wolle in unterschiedlichen Farbschattierungen und Güteklassen ausgebreitet.

Drinnen im Gemeindehaus sieht es derweil aus wie in der gut sortierten Textilabteilung eines großen Kaufhauses. Dort stapelt sich neben riesigen Bündeln bunter Decken warme Kinder- und Erwachsenenbekleidung. Dieses Bild bietet sich dem Betrachter beim Besuch des Handarbeitskreises der evangelischen Kirchengemeinde Bad Brückenau. Seit nunmehr über 40 Jahren ist diese Gruppierung in unterschiedlicher Zusammensetzung und Personenstärke aktiv. Und auch aus der heimischen Bevölkerung wird dem Team auf vielfältige Art und Weise zugearbeitet, sei es nun durch reine Materialspenden oder sogar durch in Heimarbeit manuell gefertigte Produkte.

Neben den Auslagen stehen aufgereiht stabile Pappkartons. "Heute ist Packtag", erläutert Mechthild von Czettritz, die wie immer alles im Griff hat und auch in kurzen hektischen Phasen nie den Überblick verliert. Die agile Seniorin ist Initiatorin, Organisatorin und gleichzeitig auch eine Art "gute Seele" des Handarbeitskreises. Ihr Alter soll übrigens in der Zeitung nicht erwähnt werden, viel wichtiger sei die Sache, "für die wir uns kontinuierlich einsetzen".

Für Menschen in Afghanistan

Und mit dieser Sache ist aktuell die konkrete und umfangreiche Hilfe für die Menschen in Afghanistan gemeint. Die Kontakte in das von Kriegen und Krisen gebeutelte Land sind im Laufe der Zeit immer enger geworden. "Die Ansprechpartner vor Ort kennen wir inzwischen persönlich. So wissen wir ganz genau, dass unsere regelmäßigen Lieferungen auch genau dort ankommen, wo sie dringend gebraucht werden", schildert Mechthild von Czettritz ihre positiven Erfahrungen.

Das Prozedere hat sich längst eingespielt. Die Sachspenden werden in Bad Brückenau versandfertig gemacht, kommen nach dem Weitertransport per Auto bei einer zentralen Sammelstelle in München in riesige Container und werden dann weiter ins Bestimmungsgebiet geschickt, wo ein kompetentes Team die Verteilung an die Bedürftigen organisiert.

Der Weg der Spenden

Besonders gefreut haben sich die Damen des Handarbeitkreises, als Ende Juli ein mehrseitiges Schreiben in der Rhön eintraf. In dem Brief bedankt sich Sylvia Glaser vom Sozialreferat der Landeshauptstadt München auch im Namen des Vereins "Empor - Aufbauhilfe für Afghanistan" mit netten Worten für die langjährige und kontinuierliche Unterstützung aus Bad Brückenau. Beigefügt sind der Post ausdrucksstarke Fotos, die den Weg der Spenden im Detail dokumentieren.

Obwohl viele Dinge schon richtig rund laufen, hat Mechthild von Czettritz aktuell doch noch einen ganz dringenden Wunsch: "Uns wurde eine ältere Strickmaschine geschenkt, aber leider weiß niemand genau, wie das Ding funktioniert. Nun suchen wir händeringend nach einer Person, die uns das Gerät nicht nur erklärt, sondern auch in Gang setzen kann.".

Wer übrigens den Handarbeitskreis mit Wolle, Stricknadeln oder anderen Arbeitsmaterialen unterstützen möchte, kann sich mit dem evangelischen Pfarramt im Auerhahnweg, Tel. 09741/2331, in Verbindung setzen.