Waldberg
Freizeittipp

Hier fällt wieder der Hammer aufs heiße Eisen

Im Freilandmuseum Fladungen wurde jetzt die alte Schmiede aus Waldberg offiziell eröffnet. Mit dabei waren auch Angehörige des früheren Besitzers. Die Werkstatt ist noch komplett ausgestattet.
Schmied David Rosenberg führt den Besuchern des Freilandmuseums Fladungen  seine Arbeit vor.
Schmied David Rosenberg führt den Besuchern des Freilandmuseums Fladungen seine Arbeit vor. Foto: Marion Eckert
+5 Bilder
} } } } }

Mittlerweile das zweite Waldberger Gebäude steht im Freilichtmuseum Fladungen: Nach einem Wohnhaus wurde nun die Schmiede ausgewählt und jetzt eröffnet.

Museumsleiterin Ariane Weidlich hatte im Herbst 2016 erste Kontakte zu Familie Hofmann nach Waldberg. Das Besondere an der früheren Schmiede war die Vollständigkeit der Ausstattung, die einen musealen Wert darstelle. Es sei kein Gebäude, das seit Generationen genutzt wurde, sondern war der Arbeitsplatz eines Mannes, der Arbeitsplatz von Eugen Hofmann. Familie Hofmann ermöglichte nicht nur die Verlagerung des Gebäudes sondern übergab Dokumente, Geschäftsbücher und Familienfotos, sodass das Leben von Eugen Hofmann und die Geschichte der Schmiede nacherzählt werden können.

Geboren wurde er 1901 als Sohn eines Schneiders in Reichmannshausen. In Schweinfurt ging er bei einem Schmied in die Lehre, legte die Gesellenprüfung 1918 ab. Nach der Lehre ging er auf Wanderschaft und kam in den 1920er Jahren in das Rhein-Main-Gebiet, wo er als Maschinist für Dreschkolonnen arbeitete. 1926 erwarb er den Führerschein und wurde Chauffeur bei einer Unternehmerfamilie. 1930 kam Eugen Hofmann nach Waldberg, wo er als Schmied ohne feste Werkstatt arbeitete. Er schärfte Pickel und Pflugscharen, beschlug Pferde und Kühe. Auftraggeber waren Gemeinde, Kirche und Privatpersonen.

In Waldberg gab es zu dieser Zeit keine Schmiede. 1931 erwarb er ein Wohnhaus mit kleinem Stall, landwirtschaftlichem Nebengebäude, Hofraum, Garten und Gemüsegarten. 1934 wurde das Nebengebäude zur Schmiede umgebaut. Den dazugehörigen Bauantrag hat Bürgermeisterin Sonja Reubelt im Gemeindearchiv.

Bis in die 1970er Jahre wurde die Schmiede als solche genutzt, allerdings war Eugen Hofmann ein findiger Handwerker. Ab den 1960er Jahren habe er sich auf Spenglerarbeiten konzentriert und in Waldbergs Häuser Badezimmer eingebaut. Außerdem war er Zwischenhändler für Landmaschinen.

Weiße Wände werden schwarz

Sein Leben zeige, dass im Freilandmuseum Geschichte nicht inszeniert werden müsse, sondern ein Ort sei um authentische Geschichte zu erleben. Die Schmiede im Freilandmuseum soll nicht nur zu besichtigen sein, sondern ein Vorführbetrieb sein, eine Werkstatt in der gearbeitet wird und gearbeitet werden kann, betonte Weidlich. Arbeiten durfte dann auch Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel. Es wurde ein neuer Briefbeschwerer fürs Büro, den er unter Rosenbergs Aufsicht schmiedete. "Der Rückschlag war enorm", kommentierte Dotzel schließlich seine Bemühungen.

Landrat Thomas Habermann ließ es sich nicht nehmen, ebenfalls das Eisen zu schmieden, solange es noch heiß war. Schmied David Rosenberg freute sich über das vielfältige Interesse. Dass der Innenraum noch recht weiß ist, werde sich schnell ändern. "Geben Sie mir drei Tage, dann ist es schwarz", sagt er und lacht. "Ich bin begeistert, die Luftregulierung ist super fein zu justieren."

Das hörten die Nachkommen von Eugen Hofmann gerne. Seine Tochter Zita Dechert und ihre Schwägerin Helene Hofmann kennen die Schmiede noch aus früherer Zeit. "Es ist alles noch so wie damals, wie es beim Vater eingerichtet war." Gekommen waren auch die Familien und die Urenkel von Eugen Hofmann, die stolz auf die Leistung ihres Ahnen sind, die nun im Freilandmuseum dokumentiert und der Bevölkerung zugänglich ist.