Auf die Pauke haut Rico wirklich gerne. Obwohl er dazu nicht unbedingt das Instrument bräuchte. Der aufgeweckte Junge ist nämlich nicht nur Musiker, sondern macht beim Waldfensterer Fasching mit, spielt Fußball und ist auch sonst für jeden Spaß zu haben. Doch heute steht die Musik an erster Stelle, denn es ist Registerprobe. Rico ist Schlagzeuger und darf als solcher nun wirklich auf die Pauke hauen - mit Gefühl und Sachkenntnis. Denn die hat der Waldfensterer Junge. "Ich habe schon meine D1-Prüfung abgelegt", erzählt der Zehnjährige nicht ohne Stolz.

Dann greift er zu den Schlägern und wartet diszipliniert auf das Signal. Es ertönt, der Junge legt los.
Ein angenehmer Ton erklingt, warm, kraftvoll, abgestimmt auf den Rhythmus der anderen Schlagzeuge. Dieser neue Klang hat was, stellt man als Zuhörer sofort fest. Dirigentin Regina Kirchner freut es. Lange hat sie darauf gehofft und darum gekämpft, dass die Pauken angeschafft werden können. Doch der Musikverein hatte einfach das Geld nicht dafür.

"Wir haben in den vergangenen Jahren Etliches in den Ausbau unserer Räume im Pfarrgemeindezentrum und in die Anschaffung neuer Trachten investiert", erklärt Thomas Kropp. Er gehört als Beisitzer dem Vorstand des Musikvereins an und ist zudem Registerführer Schlagzeug. Parallel dazu finanziert der Verein die Ausbildung des Nachwuchses mit, so dass für den Kauf der Instrumente nicht wirklich Geld vorhanden war.


Suche nach Sponsoren

Dass die Pauken nun doch im Probenraum stehen, ist vor allem Regina Kirchners Verdienst. Schließlich ist die Dirigentin hartnäckig geblieben, hat immer wieder versucht, ihre Idee umzusetzen. "Ich habe schließlich mit Bekannten darüber gesprochen, die mir ein paar Tipps gaben, an welche Vereinigungen ich mich wenden könnte, um an Geld zu kommen", erzählt die 47-Jährige. Kurzerhand wurden Briefe aufgesetzt - mit Erfolg. "Der Lions-Club Bad Kissingen sagte sofort zu, 1000 Euro für die Anschaffung der Pauken zu spenden", so Kirchner.

Zum Dank musizierte der Verein bei dessen Weihnachtsfeier im vergangenen Dezember. Zwei weitere Privatleute, die nicht genannt werden wollen, spendeten ebenfalls sehr großzügig, so dass das Geld für den Kauf des Instruments dann doch schneller vorlag, als gedacht. 4000 Euro haben die Waldfensterer insgesamt erhalten und entsprechend zweckgebunden investiert. Geld, das wirklich gut angelegt ist.


Die Hälfte sind Jugendliche

"Wir können dank der Pauken nun neben Blasmusik und Polka auch konzertante Musik spielen", erklärt Regina Kirchner, die seit acht Jahren die Waldfensterer Musiker anleitet. 68 Aktive gehören aktuell zum Orchester, etwa die Hälfte davon sind Jugendliche. "Denen müssen wir was bieten", ist Kropp überzeugt. Nicht nur was die Freizeitgestaltung anbelangt, sondern, damit sie sich musikalisch weiterentwickeln können.

So auch Rico Seller und seine beiden Schlagzeugkollegen Lukas Schlereth und Max Morber. Letzterer ist schon so gut am Schlagwerk, dass er in der Schulband der Bad Kissinger Realschule mitspielt und auch eine eigene Band "Medley Hehp" gegründet hat. "Die haben bei unserer Kirmes und beim Sonnenwendfeuer gespielt. Das kam super an", kommt Thomas Kropp regelrecht ins Schwärmen. Nun braucht der 16-jährige Max die Pauken, um sich auf seine bevorstehende D3-Prüfung vorzubereiten.


Pedal ändert Klang

Die drei Jungen sind total begeistert von dem neu angeschafften Instrument, scheuen sich nicht, damit zu spielen. "Die haben richtig Bock", freut sich Kropp. Doch einfach nur "draufhauen" reicht nicht. "Das Spiel mit den Pauken muss geübt werden, damit sie richtig wirken", erklärt die Dirigentin. Beispielsweise käme es vor, dass das Instrument während einer Aufführung gestimmt werden muss, etwa wenn die Tonart wechselt. "Dafür gibt es dieses Pedal", sagt Rico und führt es auch gleich vor. Und wirklich, der Klang, den sein Schlag erzeugt, wird höher.


Integration ins Orchester

Allerdings reicht das Üben im Register allein nicht aus. Die neuen Pauken müssen nun Stück für Stück in das gesamte Orchester integriert werden. "Anfangs ist es noch ein ungewohnter Klang", gibt die Dirigentin offen zu. Manch ein Musiker erschrickt regelrecht, wenn die Pauke einsetzt. Doch mit der Zeit werde sich das ändern, ist sie überzeugt. Entsprechend hat sie für die diesjährigen Konzerte bereits Musikstücke mit Paukenklang ausgewählt, die nun fleißig geübt werden. Darunter "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss - ein Musikstück, das besonders durch seine Paukenwirbel bekannt ist - und "Montanas del fuego" von Markus Götz.

Bereits am 12. Februar werden die Waldfensterer Musiker ihr Können mit den neuen Pauken unter Beweis stellen. Denn dann gestalten sie um 15.30 Uhr das Kurkonzert in Bad Bocklet. Die nächste große Herausforderung wartet am 1. April. "Da werden wir unser Frühjahrskonzert veranstalten, bei dem jedes Register ein Solo spielt", erklärt Kropp. Bis dahin wird auch Rico immer wieder zu den Schlägern greifen, um mit Gefühl und Sachkenntnis auf die echte Pauke zu hauen.