Wolfgang Erich Zimmermann ist enttäuscht und aufgebracht: "Zwei Jahre lang habe ich auf die Therapie gewartet", erzählt der 57-Jährige aus dem hessischen Willingshausen. Eine posttraumatische Belastungsstörung schleppt der gelernte Maurer und Gartenbauer seit seiner Jugend mit sich herum. In Bad Kissingen hoffte er auf Heilung - auch weil seine Frau einen erfolgreichen Aufenthalt bei Heiligenfeld hinter sich hat. "Es lief alles gut an, da muss ich was loben", berichtet er, aber dann sei er aus heiterem Himmel vor den Kopf gestoßen worden.

Was ist passiert? Nach rund dreieinhalb Wochen Therapie sollte Wolfgang Erich Zimmermann das Zimmer wechseln. "Ich sollte innerhalb eines Tages umziehen", erzählt er. Aber schon beim Weg zum neuen Zimmer sei er aus allen Wolken gefallen: Ein "versiffter Teppich" habe im Gang gelegen. Im Zimmer ging es weiter: verschimmelte Fugen in der viel zu kleinen Nasszelle, Risse in den Wänden, knarrende Dielen und der Blick aus dem Fenster auf ein schmutziges Dach. "Das ist in meinen Augen eine bodenlose Unverschämtheit", kommentiert er das Zimmer.


Mehrere Nächte im Fernsehraum

Deshalb weigerte er sich auch, dort zu schlafen. Stattdessen verbrachte er die Nächte am folgenden Wochenende auf der Couch des Fernsehraumes. Völlig übernächtigt und entsprechend aufgebracht sprach er das Thema am Montag in der Therapiesitzung an. Daraufhin sei ihm aggressives Verhalten unterstellt worden. "Dabei bin ich noch ruhig geblieben", sagt Zimmermann dagegen. Trotz aller Hoffnungen, die er auf die Therapie gesetzt hat, brach er den Aufenthalt noch am gleichen Tag ab. Später seien ihm "leichte Mängel" im Zimmer bestätigt worden, aber damit will sich Zimmermann nicht zufrieden geben: "Ich bin gelernter Maurer, ich weiß was fachliche Mängel sind", betont er und zeigt Videos und Fotos von Rissen in den Wänden und Schmutz an den Wänden.

"Natürlich ist es unzufriedenstellend, wenn ein Patient im Frust geht", kommentiert Heiligenfeld-Geschäftsführer Stephan Greb den Vorfall auf Nachfrage, stellt aber auch fest: "Alle unsere Zimmer entsprechen jederzeit den Hygiene-Standards." Auch die Fachklinik an der Alten Euerdorfer Straße müsse diese Krankenhaus-Vorschriften erfüllen. Deshalb setze Heiligenfeld unter anderem gezielt auf eigenes Reinigungspersonal, das zudem im Umgang mit Patienten im psychosomatischen Bereich geschult sei.

Greb vermutet, dass Zimmermann mit falschen Erwartungen nach Bad Kissingen gekommen sein könnte. Seine Frau war als Privatpatientin in der Parkklinik untergebracht. In dieser Einrichtung für Privatpatienten gebe es nicht nur keine Wartezeiten, sondern eben auch andere Standards. Greb stellt aber auch klar: "Auf Grund der therapeutischen Situation haben wir in der Fachklinik nahe der Südbrücke fast nur Einzelzimmer, obwohl uns das die Kostenträger nicht zahlen." Gesetzlich Versicherte hätten keinen Anspruch auf ein Einzelzimmer.


"Aus therapeutischen Gründen"

Der Umzug von Wolfgang Erich Zimmermann rührte laut Greb daher, dass "aus therapeutischen Gründen darauf geachtet wird, dass die Patienten der Gruppe möglichst unter sich und bestmöglich geschützt sind". Zimmermann habe einer sensiblen therapeutischen Gruppe angehört. Da hierfür allerdings nur eine begrenzte Anzahl an Zimmern, die sehr eng beieinander sind, zur Verfügung steht, zieht jeweils ein Patient nach der Abreise eines anderen aus dieser Gruppe in dessen Zimmer um. "Wir achten ganz genau darauf, dass dieser Prozess optimal therapeutisch begleitet wird", sagt Greb. Wenngleich das neue Zimmer nur etwas kleiner als das vorherige Zimmer war, sei Zimmermann offensichtlich enttäuscht gewesen.

Unterschiede in den Zimmern ergeben sich nach Grebs Angaben auch aus der Historie des Gebäudes. Schließlich stammt die Fachklinik mit ihren rund 130 Zimmer aus verschiedenen Zeiten: Kern ist das alte "Fürst Bismarck", das zwar modernisiert, aber eben alte Bausubstanz sei. Später wurde in Richtung Euerdorfer Straße erweitert, vor zwei Jahren dann aufgestockt.

Wichtig sei der Heiligenfeld GmbH in allen Kliniken das Beschwerdemanagement, das so genannte Meinungsforum, das bei der Pflegedirektorin und damit in der Geschäftsführung angesiedelt sei. "In jedem Haus hängen Formblätter für das Meinungsforum aus, diensthabende Ärzte und die Pflege sind ständig zu erreichen", berichtet Greb und bedauert, dass es überhaupt zu so viel Frust bei einem Patienten gekommen sei. Deshalb will Heiligenfeld nun auch erneut auf den 57-Jährigen zugehen und die Sache in einem Gespräch "zu einem hoffentlich versöhnlichen Ende bringen". Bis gestern hatte Herr Zimmermann allerdings noch keine Post und keinen Anruf aus Bad Kissingen bekommen.

Der Versicherte sollte sich in solchen Fällen an seine Krankenkasse wenden, rät eine Sprecherin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen (GKV). In jedem Fall würden die bereits angefallenen Kosten einer abgebrochenen Therapie übernommen. Ob und wann der Patient eine neue Therapie antreten kann, müsse immer im Einzelfall entschieden werden.