Alljährlich findet seit der Errichtung des Ehrenmals (28. Oktober 1923) am 3. Septembersonntag die Heidelsteinfeier des Rhönklubs statt. Sie ist für die Zweigvereine und den Hauptvorstand ein fester Bestandteil im Jahresprogramm. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg stand das Totengedenken und die Folgen eines von Deutschland angezettelten Weltkriegs, die Erinnerung an die verlorene Heimat im Osten und an jene Grenze, die mehr als 40 Jahre deutsche Heimat trennte im Vordergrund. 1991 wurde ein Kreuz aus dem Stahldraht des Grenzzaunes aufgestellt und erinnert an die Überwindung der deutschen Trennung.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das Wesen der Feier vom Totengedenken hin zu einer Feierstunde für Frieden und Freiheit entwickelt. Natürlich hat das Totengedenken nach wie vor seinen Platz und die Kranzniederlegung durch den jeweils amtierenden Rhönklub-Präsidenten und seines Stellvertreters sind untrennbar mit der Feierstunde verbunden, ebenso wie das Verlesen der Namen verstorbener Rhönklubmitglieder.

Für den Rhönklub-Präsident Jürgen Reinhardt stellte sich die Frage, ob die Inschrift auf dem Basaltblock ("Den Gefallenen Brüdern des Rhönklubs") noch zeitgemäß ist. Eine Ergänzung des Begriffs "Brüder" durch "Schwestern" würde in diesem Kontext nicht passen. "Das Ehrenmal wurde nach dem ersten Weltkrieg im Gedenken an die gefallenen Soldaten aufgestellt. Heute ist die Heidelsteinfeier eine Gedenkfeier für unsere Verstorbenen."

Dass eine Änderung der Inschrift in beispielsweise: "Zum Gedenken an alle verstorbenen Rhönklub-Mitglieder_innen" nicht nur aufgrund von gendergerechte Sprache eine Herausforderung darstellt liegt auf der Hand. Auch könne eine solche Änderung nicht vom Präsidenten oder dem Hauptvorstand beschlossen werden. Dies bedürfe vielmehr der Diskussion in den Zweigvereinen und unter den Mitgliedern, um die Stimmen der Tradition und der Moderne zu hören und Lösungen zu finden. Es sei kein Projekt, dass in den nächsten Monaten anstehe, aber ein Thema, dem sich der Rhönklub stellen sollte, befand Reinhardt anlässlich der diesjährigen Heidelsteinfeier.

Keine offizielle Feier

Ene offizielle Heidelsteinfeier gab es in diesem Jahr nicht. "Aufgrund der Corona-Pandemie hat der Hauptvorstand im Sommer die schwere Entscheidung treffen müssen, die Heidelsteinfeier abzusagen", erinnerte Reinhardt. Auch hierbei ging es um die Frage nach der Tradition. Letztlich wurden der Vizepräsident und der Präsident beauftragt, dennoch einen Kranz am Ehrenmal niederzulegen. Reinhardt und sein Stellvertreter Bernd Günder standen dabei keineswegs alleine am Heidelstein. Auch wenn in der Vereinszeitschrift "Die Rhön wandern und mehr" die Absage publiziert wurde, ließen es sich eine Reihe von Mitgliedern nicht nehmen, pünktlich um 12 Uhr zum Heidelstein zu kommen. Für den Rhönklub-Präsidenten sei dies ein Zeichen, wie die Feier im Bewusstsein der Bevölkerung verankert sei.

"Für viele Familien, Rhönklubmitglieder und Freunde des Heidelsteins ist der dritte Sonntag im September quasi ein heiliger Tag. An diesem Tag geht man um 12 Uhr zum Ehrenmal des Rhönklubs, um der Verstorbenen zu gedenken. Das nennt man Tradition, Verankerung von Brauchtum."

349 Rhönklubmitglieder sind im vergangenen Jahr gestorben. Mit der Kranzniederlegung war diese etwas andere Heidelsteinfeier dann beendet.