Den Rat, den sich Hebamme Doris Geifrig aus Modlos derzeit selbst gibt, gibt sie sonst eigentlich eher den Müttern: "Tief durchatmen und ruhig bleiben", sagt sie zu sich selbst, wenn es um die Entwicklung der Haftpflichtversicherung geht. Geifrig betreut zwar keine Geburten und hofft, dass sich deshalb für sie wenig ändert, aber trotzdem: "Gesund ist das nicht", kommentiert sie die aktuelle Diskussion.

Bei fast jedem Hausbesuch werde sie auf die steigenden
Versicherungsbeiträge angesprochen. Das Thema bewegt junge Mütter, bangen sie doch um die Versorgung vor und nach der Geburt. "Es wäre eine Katastrophe, wenn es keine freiberuflichen Hebammen mehr gäbe", sagt die Modloserin und erhält viel Unterstützung. Seit 25 Jahren arbeitet die Modloserin als Hebamme in der Region Bad Brückenau. Für sie ist es ein Traumjob, über den Beruf hinaus hat sie den Bad Brückenauer La-Mama-Treff ins Leben gerufen, in dem sich Eltern mit kleinen Kindern austauschen können. "Wir machen weiter wie bisher, aber mit einem komischen Gefühl im Bauch", beschreibt Geifrig ihre aktuelle Gemütslage.

Auch Carola Wehner aus Elfershausen blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Auch sie arbeitet freiberuflich, aber ohne unmittelbare Geburtshilfe. Deshalb hofft sie, dass sie weiterhin Beratung, Nachsorge und Rückbildung anbieten kann.

Kaum noch Hausgeburten

Carola Wehner bedauert, dass bereits die ersten Geburtshäuser geschlossen haben und kaum mehr eine Kollegin Hausgeburten begleitet: "Die Frauen haben immer weniger Wahlfreiheit." Im Landkreis Bad Kissingen gibt es bereits jetzt keine Hebamme mehr, die Hausgeburten betreut. Wer daheim entbinden will, muss sich zum Beispiel an Lisa Volk aus Schweinfurt wenden. "Ich hoffe nicht, dass ich nächstes Jahr arbeitslos bin", ist die Hebamme verunsichert. "Wenn wir keine Versicherung mehr haben, bricht das ganze System zusammen." Im Gegensatz zu ihren Kolleginnen befürchtet Lisa Volk, dass von der Entwicklung alle Hebammen betroffen sind: "Es betrifft alle Hebammen vom Baby-Schwimmen bis zur Nachsorge." Ohne Versicherungsschutz gebe es keine Schwangerschaftsberatung mehr, keine Rückbildungskurse und niemanden, den stillende Mütter in der Nacht anrufen könnten.

Dabei gebe es zwei klare gesetzlichen Vorgaben: Zum einen die Hinzuziehungspflicht, die bedeutet, dass bei jeder Geburt eine Hebamme dabei sein muss, während ein Arzt nur bei Komplikationen gerufen werden muss. Zum anderen die Versicherungspflicht: Jede Hebamme muss sich laut Gesetzgeber gegen Folgeschäden versichern. "Dann muss die Gesellschaft auch dafür sorgen, dass das möglich ist", fordert Lisa Volk.