Ortsumgehung hin, Ortsumgehung her. Kein Thema hat die Amtszeit von Harald Hofmann so geprägt wie dieses. Und ja: Es hat viel Zeit gekostet und Nerven. "Wenn jemand sagt, das ist nicht so, stimmt das nicht."

Der 56-Jährige verspürt dennoch Lust, als Bürgermeister sechs Jahre dranzuhängen. "Es macht Freude, weil Sie versuchen können, den Ort nach vorne zu bringen und die Lebensmöglichkeiten der Bevölkerung zu verbessern."

Abseits der Ortsumgehung habe es Vorhaben gegeben, die nicht so im Fokus standen, aber vorangebracht wurden. Die Seniorenanlage am "Ümpfig" sei "eingetütet" und werde gebaut. Der Bauantrag soll in der nächsten Sitzung des Gemeinderats behandelt werden.

Der Schulstandort sei gesichert. Die Grundschule bleibe im Ort; die Mittelschüler lernten im Verbund mit Münnerstadt. "Mit der Verbandsschule sind Kinder und Eltern sehr zufrieden." Im Mai wird es wohl eine Entscheidung geben, ob das Schulgebäude saniert oder neu gebaut werden muss.

In diesem Zusammenhang spricht der Bürgermeister auch das geplante Nahwärmenetz an. Es soll einmal neben der Schule große Teile Nüdlingens versorgen. Für eine Machbarkeitsstudie dazu müssen noch Fördergelder eingeholt und potenzielle Anschließer begeistert werden.

Überhaupt lassen sich laut Hofmann viele mit staatlicher Förderung verbundene Projekte nur über ein Integriertes Städtebaukonzept (ISEK) realisieren. Darum solle dieses möglichst schnell erstellt werden.

Eine städtebauliche Maßnahme wurde laut Hofmann auch ohne ISEK realisiert: Im Altort entstehen gerade acht barrierefreie Sozialwohnungen. Auch das Problem eines fehlenden Regenüberlaufbeckens für das Wasser vom Baugebiet "Wurmerich" sei bald gelöst. Es entsteht in einem Innenhof nahe der Bushaltestelle Richtung Bad Kissingen.

"Solche Projekte anzugehen ist das, was das Amt des Bürgermeisters so schön macht. Auch wenn sie Zeit brauchen", sagt Hofmann. Er verspricht für eine mögliche weitere Amtszeit: "Ich werde die Ziele, die ich habe, nie aufgeben."

Der 56-Jährige sieht die kommenden sechs Jahre vor allem als Jahre der Umsetzung. Viele Projekte seien dafür vorbereitet. "Wer immer auf dem Bürgermeisterstuhl sitzt, wird Bänder durchschneiden und fertige Vorhaben übergeben dürfen."

Und wenn es nichts wird mit einer zweiten Amtszeit im Nüdlinger Rathaus? Dann geht Harald Hofmann ziemlich sicher zurück in die heimische Firma.

Eines kann Harald Hofmann heute nicht sagen: wie es mit der Umgehung weitergeht. Auch das eine Lehre aus den vergangenen sechs Jahren: Trotz Bürgerbefragung und Bürgerentscheid sei "die Einflussnahme der Gemeinde Nüdlingen auf dieses Bundesprojekt gering". Trassenführung, Prüfungen, Umweltverträglichkeitsstudie und schließlich die Entscheidung für oder gegen den Bau - das alles liege in den Händen des Bundes und des Staatlichen Bauamtes in Schweinfurt.

Drei Fragen an Harald Hofmann

Die Ortsumgehung hat Nüdlingen die vergangenen Monate und Jahre besonders beschäftigt. Wie wollen Sie als Bürgermeister die beiden Lager der Gegner und Befürworter wieder zusammenführen?

Die Bürgerinnen und Bürger haben entschieden, dass sie die Planung der Ortsumgehung ablehnen. Beide Initiativen haben umfangreich und sachlich für ihre Argumente geworben. Es gilt, mit den Bürgern, Initiativen, dem Bauamt beziehungsweise dem Bundesverkehrsministerium Gespräche zu führen, um Alternativen zu erörtern. Die Thematik ist sehr komplex; Straßenbaurichtlinien, Verkehrslenkung, Naturschutz und Kosten müssen zusammengeführt werden. Ein Ergebnis kann ich heute noch nicht prognostizieren.

Sie treten zum zweiten Mal bei einer Bürgermeister-Wahl an. Warum sehen Sie sich als ideales Ortsoberhaupt von Nüdlingen?

Ich maße mir nicht an, Ideal oder ein Ortsoberhaupt zu sein. Ich bin wie jeder weder perfekt, noch unfehlbar oder allwissend. Ich bewerbe mich um eine weitere Amtszeit als 1. Bürgermeister, um die Vorhaben, die wir bereits auf den Weg gebracht haben, umzusetzen. Sozialer Wohnungsbau, Neubau der Schule, ein städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK), Nahwärmenetz, Ausbau der Gemeindewerke, Erhalt unserer Infrastruktur (Straßen-, Kanal-, Wasser-, Strom- und Glasfaserausbau). Als Bürgermeister und Kreisrat ist ein Netzwerk zu Entscheidungsträgern in der Politik und Behörden entstanden, das bei einer weiteren Amtszeit von Vorteil ist.

Welche Einrichtung würden Sie als Bürgermeister in den kommenden sechs Jahren unbedingt nach Nüdlingen holen und warum?

Seniorenheime und Einkaufszentren sind auf den Weg gebracht. Für einen Supermarkt am Ortseingang von Bad Kissingen kommend wird gerade der Bebauungsplan aufgestellt. Die Umsetzung einer Seniorenanlage mit Betreuungskonzept ist beschlossen: 34 betreute Wohneinheiten, Tagespflege, Pflegedienst. Voraussichtlicher Bezug: Januar 2022. Industrieansiedlungen in Nüdlingen sind Utopie. Wichtig ist unsere ärztliche Versorgung. Wir stellen sicher, dass alle Arztstellen in Nüdlingen eine Zukunft haben.

Zur Person Persönliches

Harald Hofmann wurde am 12. April 1963 in Münnerstadt geboren. Der 56-Jährige ist verheiratet mit Frau Anita; er hat zwei Kinder. Von 1969 bis 1975 besuchte er die Volksschule Nüdlingen, danach bis 1979 die Realschule in Bad Kissingen. Von 1979 bis 1982 absolvierte er eine Ausbildung zum Sägewerker bei den Holzwerken Heinrich Ströhla in Schwarzenbach am Wald (Oberfranken). Es folgte eine Ausbildung zum Bürokaufmann in der elterlichen Kelterei in Nüdlingen bis 1984. Bis 2002 arbeitete er dort weiter mit. Ab 2003 fungierte er gemeinsam mit seinen Brüdern als Geschäftsführer/Teilhaber. Politik

Der Nüdlinger trat 1982 in die CSU ein, war 1985 Gründungsmitglied der örtlichen Jungen Union und 1987 bis 1989 ihr Vorsitzender. Seit 1999 steht Hofmann der CSU Nüdlingen-Haard vor. In den Gemeinderat wurde er 2002 gewählt. 2008 bis 2011 war er Dritter Bürgermeister, danach bis 2014 Zweiter Bürgermeister. In dem Jahr wurde Hofmann zum Ersten Bürgermeister gewählt und sitzt seitdem auch im Kreisrat in Bad Kissingen.st