Er nutzt das Englischheft nur als Unterlage für die Maus. Er vergisst seine Freundin sowie den Rest der Welt und ballert sich durch den Tag. "Das ist natürlich ein extremes Beispiel", sagt Lorenz Dörflein. Mit einem kurzen Film über einen krankhaften Computernutzer, zeigt er Siebtklässlern, auf welche Weise sich Spielsucht äußern kann.
"Sie sollen selbst erkennen, wie viel Zeit sie mit Spielen verbringen", erklärt der Oberstufenschüler.

Mit seinen Kollegen aus der elften Jahrgangsstufe bereitet er jüngere Mitschüler zwei Tage lang auf die digitale Welt vor. Die Elftklässler erklären den Siebtklässlern, worauf sie bei Facebook achten sollten, wann Bilder ins Netz gestellt und was aus dem Internet heruntergeladen werden darf. Der Kurs dient der Prävention.

Silke Heid nutzt dabei den Kenntnisvorsprung ihrer Schüler. Die Lehrerin für Mathe und Physik weiß, dass diese sich mit Facebook und Computerspielen genauer auskennen als sie. Sie sagt unumwunden: "Meine Schüler sind besser als ich." Man müsste ja zum Beispiel bei Facebook dauernd drin sein, um richtig fit im Umgang damit zu werden. Außerdem würde das Thema mal nicht mit erhobenem Zeigefinger erklärt. "Wenn keine Lehrer dabei sind, können die Schüler freier sprechen", sagt Heid. Die Elftklässler schulen die Siebtklässler allein in Kleingruppen. Die Lehrer bleiben draußen.

Für ihre Aufgabe wurden die Oberstufenschüler an der Universität Bamberg, die das Präventionsprojekt "Netzgänger" entwickelt hat, als Tutoren ausgebildet. Im Unterricht kamen Medienkunde und Medienpsychologie dazu. In dem Kurs für die Siebtklässler werden "Soziale Netzwerke", "Online-Spielewelten", "Cyber-Mobbing" sowie "Technische und rechtliche Fragen" besprochen, um den Kindern Medienkompetenz zu vermitteln.

"Es wäre praktisch gewesen, wenn ich in jüngeren Jahren auch so eine Schulung bekommen hätte", meint Tutor Jan Zentgraf. Der Kurs soll nun jedes Jahr am Gymnasium stattfinden. Lehrerin Heid denkt außerdem darüber nach, auch immer einen zweiten Kurs für die Eltern anzubieten. Die Organisation der zwei Tage ist für Heid durchaus nicht einfach, zumal noch nicht alle Klassenzimmer einen Internetanschluss haben.

Klar ist, dass ab dem kommenden Jahr immer die Sechstklässler auf die digitale Welt vorbereitet werden. Wenn diese zum Beispiel ein Bild ins Internet stellten, sei ihnen die Tragweite noch nicht bewusst, erklärt Heid. "Bei den Siebtklässlern ist es fast zu spät. Sie sind alle schon in Facebook."