In den vergangenen Tagen war Wolfgang Patzwahl sehr gefragt. In vielen Weinbergen maß er das Blattwasserpotential, um Rückschlüsse auf die im Wurzelraum noch verfügbare Feuchtigkeit zu ziehen. Wie es derzeit um die Reben bestellt ist, interessiert viele Winzer.

Das zeigte auch ein Infoabend, den die Familie Lange in ihrem Weinberg am Schloss Saaleck organisiert hatte. Die knapp zwölf Teilnehmer, darunter auch Weinbauern aus Gegenden am Main, fragten vor allem nach den Auswirkungen, die die lange Trockenheit auf die Reben hat. "Jetzt ist die entscheidende Phase. Jetzt wird die Säurestruktur des Weins und ein großer Teil der Qualität festgelegt", erklärte Patzwahl. Der Experte sah - abhängig von den kommenden Tagen - daher Risiken für die Qualität des diesjährigen Jahrgangs.

Die Folgen der Trockenheit könnten aber auch noch ins kommende Jahr reichen, da die Rebpflanzen ihre Reserven nutzten. Die könnten dann bei Frostperioden im Winter fehlen.

Die Dürre wertete Patzwahl als Vorbote dessen, worauf sich die Winzer angesichts des Klimawandels künftig einstellen müssen. Der Berater hält es daher an der Zeit, sich über Bewässerungslösungen Gedanken zu machen.

Ein weiteres Thema des Infoabends war die Kirschessigfliege, die im vergangenen Jahr aufgetaucht war. Die Kirschessigfliege ist in den 1920er Jahren zum ersten Mal in Japan beschrieben worden, erklärte Patzwahl. "Seitdem haben wir noch nicht viel gelernt. Wir stehen erst am Anfang, weshalb alles ausprobiert wird." Patzwahl empfahl den Winzern zumindest, das Blattwerk auszulichten, um für ein luftiges Klima an den Trauben zu sorgen. Trockenheit möge die Kirschessigfliege nicht. So ist zumindest das Insekt im Augenblick keine große Gefahr für den Weinbau.