Der Bund Naturschutz lud im Rahmen des Umweltbildungsprojektes "Das interessiert mich echt die Bohne" zu einer Feldbesichtigung bei Bio-Landwirt Jürgen Simon ein. Er baut bei Westheim zum ersten Mal 20 Hektar Linsen gemischt mit Hafer als Stützfrucht an. Werner Vogt-Kaute von Naturland informierte über Anbau und Vermarktungsbedingungen heimischer Hülsenfrüchte. Gekommen waren interessierte Verbraucher und Landwirte.

Der erste Anbau-Versuch

Mit ganz zarten weißen Blüten spitzt die Linse unscheinbar zwischen dem Hafer hindurch. Linse wird mit einem Stützgetreide angesät und auch gedroschen. Landwirt Simon und Naturlandberater Werner Vogt-Kaute sind gespannt, wie gut das funktionieren wird. Denn obwohl die Linse früher hier angebaut wurde, ist dies nun wieder der erste Versuch, in größerem Stil Linsen im Landkreis für die menschliche Ernährung zu nutzen. Über Sieb-Einrichtungen wird nach der Ernte das Getreide von den Linsenkörnern getrennt.

Linsen mögen Kalk im Boden. Gemarkungsnamen wie Linsenberg in Windheim oder in Ortsnecknamen wie Reiterswiesener sowie die Feuerthaler Linsenspitzer weisen auf die frühere Beliebtheit der Linse im Anbei hin. Mit Fachberater von Naturland Werner Vogt-Kaute fand ein intensiver Austausch mit den Anwesenden statt. Während Ackerbohne, Soja, Weiße Lupine, die eher auf sauren Böden gedeiht, und Körnererbse schon stärker vertreten im Landkreis sind, muss die Linse erst wieder ihren Platz finden. Wichtig ist es auch, die standortbezogen richtigen Sorten für den Anbau zu finden beziehungsweise auch an die Klimaerwärmung angepasste Sorten zu züchten. Der Bedarf beim Verbraucher ist da, wird aber momentan großteils aus dem Ausland gedeckt.

Jürgen Simon stellte seinen rund 250 Hektar großen Naturlandbetrieb vor. Vor sechs Jahren stellte er von der konventionellen Landwirtschaft um und arbeitet seit über 30 Jahren pfluglos. Mit drei Hackgeräten und neun Arbeitskräften versucht er schlagkräftig zum richtigen Zeitpunkt zu sein, um den Aufwuchs von unerwünschten Beikräutern Herr zu werden. "Als ich noch konventionell gewirtschaftet habe, gab ich das Geld jährlich für Herbizideinsatz aus. Das habe ich jetzt in die Hackgeräte investiert", erklärt Simon.

Der hohe Niederschlag 2021 fördert den Durchwuchs von Beikräutern wie der Melde und auch vom Stützgetreide Hafer stark. "Die Ernte wird spannend und das Ergebnis wetterbedingt leider nicht gut ausfallen", so Landwirt Simon. Bei den hohen Niederschlägen wird es dieses Jahr aber nicht auf jedem Feld klappen. So sieht er Verluste in seinen Zuckerrübenbestand. Sein Anbauspektrum reicht von Fenchel für die Babynahrung bis zu Mais und Klee für seine Biogasanlage. Deren Energie wird im Bedarfsfall auch zur Trocknung der Ernte genutzt. Elisabeth Assmann vom Bund Naturschutz erläuterte den Anwesenden, das Ziel des BN-Umweltbildungsprojektes: "Wir wollen den Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern beleben, um mehr heimische Hülsenfrüchte naturverträglich anzubauen. Damit lässt sich der Raubbau an Regenwäldern stoppen und der CO2-Verbrauch verringern." Die regional erzeugten Lebensmittel müssten aber auch von den Kunden gekauft werden können. Dazu gibt es seit 2020 vier Verkaufsstellen im Landkreis für Ackerbohne, Körnererbse und weiße Lupine: Bei Biolandwirt Pfülb in Fuchsstadt, im Steffeshof in Oberleichtersbach, auf dem Mühlenhof von Familie Petsch in Münnerstadt und bei Werner Vogt-Kaute in Dittlofsroda.

Kochkurse und Gartenbesichtigungen ergänzen das Projekt rund um die heimischen Hülsenfrüchte. hae