Fröhlich, in geblümten Gummistiefeln, mit einer Packung Schneckenkorn in der Hand, betritt Barbara Stross die kleine Bühne im Gewächshaus der Gärtnerei Schlereth, um die Akteurin des Grünen-Grusel-Nachmittages anzukündigen: Die Schauspielerin Monica Gruber. Diesmal traf sich der Hammelburger kulturbunt e. V. zur Kaffeestunde und zum Thema "Mord im Grünen" zwischen fleischfressenden und blühenden Pflanzen. Mörderisches wurde erwartet, und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Giftige Deko und Galgenlieder

Ein laues Lüftchen wehte durch die geöffneten Dachluken des Gewächshauses. Auf den rot-weiß-karierten Tischdecken stand so manche Tasse des angekündigten "giftfreien" Kaffees und "mörderisch guten" Kuchens. Urplötzlich ertönte die Stimme Monica Grubers. Langsam bewegte sie sich von hinten durch den Zuschauerraum hindurch Richtung Bühne, ein Galgenlied von Christian Morgenstern rezitierend. Eine teils beklemmende und teils amüsante Zeit im Gewächshaus begann.
"Pflanzen sind gut für die Seele oder dafür Unannehmlichkeiten aus der Welt zu schaffen", so Gruber. Rittersporn, Fingerhut und Iris: Monica Gruber, halb umrahmt von giftigen Pflanzen, führte die Krimiinteressierten in das Schrebergartenhaus einer alten Dame, welche sich eines fremden Mannes entledigte, um an Geld zu kommen und ihn dann die "Radieschen von unten" sehen ließ. Klaffende Wunden, Mafia und finstere Zeitgenossen präsentierte Gruber in ihrer Lesung ebenso lebendig wie Eckhardt von Hirschhausens Weinbergschnecke. Dann ging es nach Paris: Mit einem Doppelmord in der Rue Morgue des US-amerikanischen Schriftstellers Edgar Allan Poe, zog Gruber die Zuhörer nach dem "lyrischen Sich-Weinbergschnecken-Annähern" wieder in den Bann. Der Mörder war hier nicht wie immer der Gärtner, sondern der Orang-Utan aus Borneo. Weiter ging es nach Italien: Grausiges über Taubenmänner und einen perfiden Kindermord aus der Feder der Schriftstellerin Dacia Maraini ("Kinder der Dunkelheit") erfuhren die Zuhörer nach einer weiteren Runde Kaffee und Kuchen. Die Auswahl dieser Geschichte für diese nachmittägliche Lesung war heftig und es war gut, dass der Kuchen bereits gegessen worden war, sonst wäre dem einen oder anderen Zuhörer unter Umständen das Stück Kuchen im Halse steckengeblieben. Der Text war recht unverdaulich und so beklemmend, dass niemand im Gewächshaus klatschen konnte.
Professionell ging die heute in Berlin lebende Gruber zur letzten Kriminalgeschichten über. Diese rankte sich um eine wohlbekannte Kombination: Verbotener Sex, viel Geld, untreue Ehepartner, fordernde Gärtner und Erpressung. Als Sahnehäubchen gab es einen Einblick in die Giftküche für Pflanzenliebhaber: Die Hauptakteurin entledigte sich unangenehmer Zeitgenossen mittels "der zermahlenen Blätter des nicht ganz roten Fingerhutes" in schwarzem, starken Kaffee serviert. Na, dann Prost.
Den Schlusspunkt setzte Monica Gruber mit einem Gedicht über ein "Arm Kräutchen", welches ihr auf ihrer Bahnreise nach Hammelburg mannigfaltig begegnet: Joachim Ringelnatzens Sauerampfer. Gruber fühlte sich sehr wohl in Hammelburg. "Jetzt muss ich wieder aus dem Herzen Hammelburgs zurück in die benzinverseuchte Großstadt", schloss sie ihre Lesung.