Ein gehöriges Maß an Unternehmergeist zeigt Brennmeister Andreas Lutz mit dem Bau seines neuen Betriebsgebäudes in Windheim. Zurzeit wird der Rohbau errichtet. In den neuen Betriebsräumen soll auch eine neue Brennanlage für edle Brände in der Genussbrennerei ihren Dienst verrichten.

Als greifbares Symbol für unternehmerischen Mut könnte zum Beispiel der von Lutz produzierte Gin, ein farbloser Wacholderschnaps, gelten. "Der Gin wurde in den vergangenen Jahrhunderten oftmals den kämpfenden Soldaten zur Mutstärkung vor den Schlachten verabreicht", sagt Lutz.

Allerdings ist der Entschluss für ein neues Betriebsgebäude nicht von heute auf morgen entstanden. Lutz: "Es hat schon einige Zeit gedauert." Das neue Gebäude sei die nötige Hülle für den kreativen Freiraum.


Konsequente Erneuerung

"Früher wurde stückchenweise an vorhandene Gebäude angebaut, wenn der Platz nicht mehr ausreichte", erklärt Lutz. Diese Zeiten seien heute vorbei. Die neue Betriebsstätte der Genussbrennerei misst etwa 500 Quadratmeter Grundfläche und hat mit rund sechs bis sieben Meter Höhe die Ausmaße einer mittleren Kirche. Die Dachkonstruktion wird gerade installiert. Mit dem Innenausbau dauert es allerdings noch. Wie lange? "Ich hoffe, bis zum Jahresende damit fertig zu werden. Der Brennbetrieb mit der neuen Anlage wird voraussichtlich erst im kommenden Jahr beginnen", sagt Lutz.

Der Edelbrand von der Williamsbirne ist nach wie vor der Renner in der Genussbrennerei. "Da gab es zuweilen sogar Lieferengpässe mit der alten Anlage", bestätigt der Brennmeister. Die Nachfrage sei mit rund zwei Drittel im Jahr anzusetzen. Bei den Spitzenprodukten spalte sich die Nachfrage auf: "Das liegt ganz individuell am Geschmack des Verbrauchers", so Lutz. Als Beispiele nennt er das "Nüssle" und das "Birnle".

Lutz ist auch Vorsitzender des jungen Brennervereins in der Gemeinde Wartmannsroth. Heuer im April wurde der 35 Kilometer lange Brennerweg eingeweiht. "Wir sind noch im Stadium eines Schnupperjahres", sagt Lutz auf die Frage, wie die Rückmeldungen der Besucher zu werten seien. Ausschlaggebend sei langfristig die Nachfrage der Brennerweg-Benutzer. Außerdem sei heuer das Wetter mitunter recht schlecht gewesen, was nicht zu repräsentativen Aussagen über den Tourismus führen könne. "Das Projekt muss über die Jahre hinweg reifen wie eine Frucht", erwartet Lutz ein langfristig solides Ergebnis. Als Erfolg könne die gute Zusammenarbeit der beteiligten Brennerbetriebe angesehen werden.

Was ist als edel zu bezeichnen? "Die Spirituose ist für uns Brenner die einzige Möglichkeit, aus den sehr eng gefassten Begriffen wie Brand, Geist und Likör mit den Bezeichnungen auszubrechen", erklärt Lutz. Während bei den vorgenannten Brennarten der Geschmack automatisch festgelegt sei, ergebe sich im Rahmen der Spirituosen der gewünschte schöpferische Freiraum. "Da kann ich auch mit Honig und weiteren Geschmackszutaten nach Herzenslust weiterarbeiten und mich aus den alten Begriffs-Sackgassen hinaus begeben." Transparenz ist in den neuen Betriebsräumen angesagt: Große Fenster gewähren dem Gast den Blick auf das edle Brennen.