Im Handumdrehen ist heutzutage etwas ins Internet gestellt. Doch wer vorschnell handelt, kann eine Lawine lostreten, die auch auf ihn selbst zurückfallen kann.

Bei Beleidigungen, Schmähungen und Bloßstellungen im Internet, auf die die Polizei gestoßen wird, hält sich die Behörde nach außen meist zurück. Sie will nicht, dass durch einen Gang an die Öffentlichkeit die Welle noch verstärkt wird. Die Internetveröffentlichung soll nicht noch mehr Aufmerksamkeit bekommen. Denn "Ruhm besteht heute aus Klickzahlen", wie Heiko Rittelmeier vom Polizeipräsidium Unterfranken sagt.

Doch diesmal macht die Polizei eine Ausnahme. Alfons Hausmann, Leiter der Hammelburger Polizeiinspektion (PI), nimmt einen konkreten Fall zum Anlass, um für die Problematik zu sensibilisieren. Für das Gespräch hat er Rittelmeier als Experten vom Polizeipräsidium dazu geholt, der den Polizei- und Kriminalpolizeiinspektionen bei IT-Strafsachen als Ansprechpartner zur Seite steht.

Vor wenigen Wochen hatte ein despektierliches Video - im Jargon: ein "diss track" - mit direktem lokalem Bezug im Netz kursiert und viel Aufregung verursacht - mehr als gewöhnlich. Schließlich konnten einige Textzeilen durchaus als persönliche Drohung aufgefasst werden.

"Was man mit so etwas lostritt, ist oft nicht beherrschbar", erklärt Hausmann. "Denn sie wissen nicht, was sie tun" treffe als Motto zu. Der PI-Chef gibt zu bedenken, dass solche unüberlegten Veröffentlichungen nicht nur den Gemeinten verletzen, sondern auch den Urhebern selbst schaden können - zum Beispiel wenn in einem Bewerbungsverfahren der künftige Arbeitgeber bei einer Überprüfung der Kandidaten darauf stößt. Das Netz verzeiht nichts, sagt Rittelmeier.

Oft stecke ja nicht einmal böser Wille hinter solch einem Internetbeitrag, weiß der Fachmann. Es seien Kurzschlusshandlungen, in Gedankenlosigkeit begangen. Daher hat Rittelmeier einen guten Rat an alle parat: Am besten mal eine Nacht über eine Sache schlafen und nicht gleich der ersten Verärgerung nachgeben und in die Tasten hauen.

Zwar fallen beleidigende Veröffentlichungen im Netz nicht in den Bereich der hohen Kriminalität, sie können den Angesprochenen aber trotzdem sehr treffen. Der oder die Täter sind meist gut zu ermitteln. Der Personenkreis, der infrage kommt, ist ja offensichtlich oder gut eingrenzbar. Die technische Seite ist für die Polizei eher das Problem: Es kann sehr schwierig werden, einen Post oder ein Video wieder aus dem Netz zu bekommen. Die Behörden sind auf das Wohlwollen der Plattformen angewiesen, da diese ja meist nicht in Deutschland sitzen. So gehört es zu Rittelmeiers Aufgaben, Kontakt zu den Anbietern aufzunehmen und so zu versuchen, den Polizeidienststellen zu helfen.

Im konkreten Fall zeigten sich die Urheber von sich aus einsichtig und löschten das Video. Nun prüft die Staatsanwaltschaft, ob vor allem der Tatbestand der Bedrohung erfüllt ist.

Aber nicht nur strafrechtliche, sondern auch zivilrechtliche Konsequenzen können folgen, erklärt Hausmann. Das können Unterlassungsklagen oder Schadenersatzforderungen sei. Die zivilrechtliche Seite kann sogar wirksamer, weil kostspieliger, sein als die strafrechtliche. Und letztlich sei es oft auch weniger ein polizeilich zu behandelndes Phänomen als vielmehr ein gesellschaftliches. Es fehle an Bewusstsein und Sensibilität im Umgang mit den neuen Medien.