"Gehen sie ihren Weg" empfahl der Vereins-Vorsitzende Edwin Pfeuffer 1975 einer jungen Erzieherin, die sich um eine Stelle im Kindergarten St. Martin bewarb. Waltraud Blum nahm sich die Worte zu Herzen und wurde schon zwei Jahre später - gerade 21 Jahre alt - mit der Leitung des Kindergartens beauftragt. Am Monatsanfang ging sie nach 45 Dienstjahren in den Ruhestand.

Die Hammelburgerin, im Stadtgebiet und weit darüber hinaus als Institution bekannt, erwarb sich hohe Anerkennung. "Als harte Verfechterin verteidigte sie die Einrichtung immer gegen äußere Einflussnahme, war aber dem Vorstand ein verlässlicher Partner", charakterisierte Vereinsvorsitzender Bernd Hüfner die Scheidende in der Jahreshauptversammlung des St. Martin-Vereins.

In Blums Zeit als Leiterin fielen die Neukonzipierung von St. Martin als "offener Kindergarten", die Vorbildfunktion hatte. Investitionen voran treibend, erlebte sie die Dachsanierung, die Heizungserneuerung und die Neugestaltung des Außenbereichs, den Einbau neuer Fensterfronten und den Umbau zur Einrichtung einer Kinderkrippe.

Den Walnussbaum, der eigens für sie gepflanzt wurde - der "Waltraud-Nuss-Baum" - und ein Präsentkorb versüßten ihren Abschied. Hüfner wünschte "viel Zeit für Ehemann Bernhard und das Enkelkind". Gleichwohl bat er um Treue zum Verein und zur Einrichtung.

Der Vorhang zum letzten offiziellen Akt fiel mit dem Jahresbericht Blums bis zum 1. Oktober. Ein "verrücktes Jahr" wie sie es nannte, das sie gemeinsam mit dem Team - mit zahlreichen Aktionen improvisierend - überwand. Ihr Dank galt dem Vereinsvorstand, dem Kindergartenteam und allen Helfern mit den Worten: "Ich habe mich in Untererthal immer wohlgefühlt".

Kooperationen angestrebt

Der Abschied bedingte die Suche nach einer neuen Leiterin. Die brachte Probleme mit sich, denn zunächst war kein Ersatz zu finden. Ursula Seibert, die sich seit Juni in St. Martin einarbeitete, ist die Nachfolgerin. Die 50-jährige, verheiratete Erzieherin aus Gersfeld kann auf 31 Jahre Berufserfahrung zurückgreifen, davon 23 Jahre als Leiterin eines Kindergartens und war auch in der Jugendhilfe tätig.

Sie strebt Kooperationen mit örtlichen Vereinen aber auch mit Landwirten von Bio-Bauernhöfen an und versucht Kontakte zugunsten praxisnahem Erlebens aufzubauen. Auch schätzt sie Naturverbundenheit in Form von Wanderungen und Exkursionen. Ihre Bitte um Unterstützung galt dem Verein, den Kolleginnen und den Eltern. "Ich freue mich auf mein erstes Kindergartenjahr in Untererthal und hoffe auf vertrauensvolle Zusammenarbeit", schloss sie ihre Vorstellung ab.

Eingangs der Jahreshauptversammlung legte Vorsitzender Hüfner den Rechenschaftsbericht dar. Aktuell weist der St. Martinsverein 53 Mitglieder auf. Aufgrund der Pandemie war der Kindergarten heuer von Mitte März bis Juni geschlossen von einigen Notbetreuungs-Fällen abgesehen.

In der Einrichtung sind 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Im Kindergartenjahr 2019/20 besuchten im Schnitt 60 Kinder und 12 Kinder mit Migrationshintergrund die Einrichtung. Rund 11 000 Euro Gesamtinvestitionen verzeichnete Hüfner für das Jahr. Hinzu kamen 13 000 Euro für die Erneuerung der Heizung. Die Rücklagen durch die zweckgebundenen Mietzahlungen wurden restlos aufgebraucht. Deshalb beschloss der Vorstand eine Erhöhung der Mietzahlungen auf 250 Euro.

Den Kassenbericht legte Schatzmeister Michael Kaiser auf. Die stabile Kassenlage und -führung bestätigten die Kassenprüfer Jürgen Schäfer und Anita Nikoleiski. Die Entlastung wurde einmütig gewährt, die Jahres-Rechnung 2019 und die Auslegung des Haushalts- und Stellenplans 2020 ohne Einwände angenommen.

Elternbeirats-Vorsitzende Kathi Woithe dankte dem Elternbeirat für sein Engagement und die Organisation des Martinszugs vor der Krise, der heuer nicht möglich ist. Die Termine für das angelaufene Kindergarten-Jahr sind noch offen.

Auf Antrag des Vorstands und gemäß der Satzung wird die Aufwands-Entschädigung für Vorstandsmitglieder auf jährlich 720 Euro erhöht. Dem wurde stattgegeben.