Ab der sechsten Klasse kommen die Schüler von sich aus zu Natalie Gerbersdorf. Denn dann beginnen die Fragen und Unsicherheiten rund um Freundschaften. "In der fünften Klasse brauchen die Kinder erst Zeit, um sich an das neue Umfeld anzupassen. In der sechsten und siebten Klasse beginnen sie danach Freundschaften aufzubauen", weiß Gerbersdorf. Sie lässt die Schüler in dieser Phase nicht allein.

Gerbersdorf ist seit dem Schuljahr 2015/2016 für die Jugendsozialarbeit an der Hammelburger Grund- und Mittelschule verantwortlich. Sie soll Schüler und Eltern bei Lern- und Erziehungsproblemen beraten und ebenso Lehrern im Umgang mit schwierigen Schülern helfen. Ein Thema ihrer Arbeit ist hin und wieder auch Mobbing - auch wenn es nicht den Großteil der Fälle ausmacht, wie Gerbersdorf erklärt.

Und da Prävention einen Schwerpunkt bei der Jugendsozialarbeit bildet, startete sie für die fünften bis siebten Klassen ein größeres Projekt. Berater von der Polizei sprachen pro Klasse zwei Stunden lang mit Schülern über Gewalt. Sie erklärten verschiedene Formen von Gewalt und die Eskalationsstufen. Als Abschluss des Projekts hat Gerbersdorf dann noch das Berliner Ensemble Radiks an die Schule geholt.

So sitzen nun rund 150 Schüler in der Aula der Grundschule, um das Zwei-Personen-Stück "Und dann kam Alex" zu verfolgen. Es geht um Gewalt und Mobbing: Alex erlebt alle möglichen Arten von Drangsalierungen durch eine Gruppe von Mitschülern. Dabei sucht er nur Anerkennung. Um endlich Ruhe zu haben und den anderen zu imponieren, lässt er sich zu einer Mutprobe hinreißen, die ihn in eine für ihn selbst scheinbar ausweglose Lage führt.

Nach dem Stück können die Schüler mit den beiden Schauspielern Tim Engemann und Anna-Lisa Finke diskutieren und Fragen stellen. Da das Tournee-Theater deutschlandweit unterwegs ist, kennt Engemann viele Schulen. So erzählt er aus seinen Erfahrungen, dass es keine Schule gebe, in der Mobbing nicht vorkomme.

Gerbersdorf möchte diese größer angelegte Präventionsarbeit in den kommenden Jahren fortsetzen. "Je öfter, desto besser", meint sie. Bis zum Schuljahresende steht aber noch mehr auf ihrem Programm. So will Gerbersdorf mit Mädchen aus den fünften bis siebten Klassen einige erlebnispädagogische Tage verbringen, um deren Selbstbewusstsein zu stärken. In den Pfingst- oder Sommerferien wird es auch wieder ein Ferienprogramm geben.