Das Storchenpaar Jakob und Adele will den Winter diesmal offenbar gemeinsam in Hammelburg verbringen. Das die Vögel doch noch in südlichere Gefilde abziehen, glaubt keiner mehr.

"Der Zugtrieb ist mittlerweile erloschen", sagt Jochen Willecke. Er rechnet fest damit, dass das Vogelpaar in der Stadt bleibt. Das günstige Flugwetter mit ausreichend Thermik ist jetzt schließlich vorbei. Willecke meint: "Hätten die Störche abfliegen wollen, hätten sie es im September gemacht. Da passte das Wetter."

Adele blieb bereits den vergangenen Winter über in Hammelburg. Da es ihr nicht geschadet hat, wiederholt sie es nun. Für Jakob ist es dagegen das erste Mal, dass er auf den Abflug verzichtet. Er hat für sich einen Rekord aufgestellt: Jakob war noch nie noch so spät in Hammelburg zu beobachten und er war noch nie so lange in der Stadt wie in diesem Jahr, wie Christian Fenn auf seiner Storchen-Internetseite informiert. "Ob Adele ihren Jakob überredet hat, dass die Hammelburger Weihnacht auch schön sein kann?", fragt Fenn in einem seiner Einträge scherzhaft.

Willecke, der Storchennachrichten aus anderen Regionen verfolgt, weiß jedenfalls zu berichten, dass immer mehr der Tiere bleiben. Die Hammelburger Störche seien damit kein Einzelfall. Die Jungtiere ziehen fort, die Elterntiere harren aus. Auch in Westheim sind die dortigen Alttiere noch gesichtet worden. Das spricht dafür, dass der Stadtteil seine gefiederten Gäste ebenfalls über den Sommer und Herbst hinaus behält. Da in Westheim keine Webcam ins Nest schaut, sind gesicherte Erkenntnis allerdings etwas schwieriger zu bekommen als in Hammelburg.

Über die Gründe, weshalb die Störche nicht abziehen, könne man nur spekulieren, erklärt Willecke. "Vielleicht ist es der Klimawandel." Willecke führt aber noch eine andere denkbare Erklärung an: das üppige Nahrungsangebot. Die Population an Mäusen ist stark angewachsen, der Tisch für die Störche ist reich gedeckt. Die Nager bilden derzeit das Hauptfutter für die Vögel. Willecke hat das am Gewölle der Störche festgestellt. In den ausgewürgten Klumpen, die unverdauliche Nahrungsbestandteile enthalten, entdeckte er viele Mäuseknochen.

Willecke betont bei seinen Vorträgen immer wieder, dass Kälte den Störchen nichts anhaben kann. Nur eine mehrtägige, geschlossene Schneedecke werde zu einer Gefahr, weil sie die Futtersuche erschwere. Daher hatte sich Willecke für den ersten Winteraufenthalt von Adele vorbereitet. Er hatte einen Futtervorrat angelegt. Laut dem Vogelexperten war eine Zufütterung im vergangenen Winter dann doch nicht notwendig. Nun stellt er sich erneut auf eine Wintersaison mit Störchen ein. Willecke sichert sich Futter für die Vögel, um sie im Notfall versorgen zu können.

Da Jakob und Adele offenbar zu Dauergästen werden, wird auch die Sorge um das Wohlergehen der Störche für Willecke zu einer ganzjährigen Aufgabe. Dabei habe er eigentlich gehofft, dass die Vögel ihm wenigstens im Winter eine Pause gönnen.