Annika Sell fährt leidenschaftlich gern Fahrrad. Das merkt man der Zehnjährigen auch an, wenn sie mit ihrem Bike gekonnt und sicher durch die Gegend düst. Nun hat das sportliche Mädchen - neben Radfahren ist Fußball ihr liebster Zeitvertreib - erstmals ihre gute Koordination und Motorik im Rahmen eines Wettbewerbs unter Beweis stellen können. Mit großem Erfolg. Während sie beim Jugend-Fahrradturnier in Oberthulba noch einem anderen Teilnehmer den Vortritt hatte lassen müssen, fuhr sie beim Turnier in Hammelburg als Beste ihrer Altersgruppe durchs Ziel.
"Ich hab' schon immer viel Spaß beim Fahrradfahren gehabt", freut sich die Zehnjährige über ihren schönen Erfolg beim jüngsten Jugend-Fahrradturnier. "Meinen Onkel Gerd, der alljährlich an der BR-Radltour teilnimmt, darf ich gelegentlich bei seinen Ausflügen mit dem Fahrrad begleiten. Das ist immer schön." Lust auf den sportlichen Wettkampf mit gleichaltrigen Radfahrern hat Annika während eines Verkehrssicherheitstages an der Grund- und Mittelschule Oberthulba bekommen. Dort hatten AMSC, Gebietsverkehrswacht und Polizeiinspektion Hammelburg in gemeinsamer Mission vor kurzem ein Jugend-Fahrradturnier als schulische Veranstaltung durchgeführt. Dabei hatte die Zehnjährige bereits unter Beweis gestellt, dass sie sehr gut mit dem Fahrrad umgehen kann. Sie war bei ihrem Wertungsdurchgang als eine von Dreien aus der 20-köpfigen Klasse 4a fehlerfrei geblieben und hatte den winzigen Rückstand von 1,8 Sekunden auf ihren Klassenkameraden Linus zu Buche stehen. "Darüber habe ich mich schon ein wenig geärgert, denn außer der Silbermedaille und der Urkunde hätte ich gerne auch noch den schönen Pokal gewonnen", ließ die Zehnjährige sportlichen Ehrgeiz erkennen.
Dabei erfuhr das Mädchen aber auch vom Jugend-Fahrradturnier in Hammelburg. Dorthin ließ sie sich von Mama Anja zusammen mit ihrer achtjährigen Schwester Tina und Freundin Michelle fahren. Bei der wiederum in Kooperation von AMSC, Gebietsverkehrswacht und Polizeiinspektion Hammelburg ausgerichteten Veranstaltung gingen die Drei zusammen mit weiteren 19 Kindern und Jugendlichen im Alter von acht bis 15 Jahren an den Start.

Spannung bis zur letzten Sekunde

Auf einem ihrer Körpergröße angepassten Leihrad aus der Jugendverkehrsschule Hammelburg absolvierte Annika zunächst einen Probedurchgang. Danach ging es um die berühmte "Wurst". Anfahrprüfung: null Fehlerpunkte; Spurbrett und Kreisel: Null, Achter, Schrägbrett und Spurwechsel: wieder ein Nuller. Jetzt noch den Slalom meistern, den Bremstest bestehen und die beim Spurwechsel zu merkende zweistellige Zahl richtig aufsagen. Alles lief für die Zehnjährige absolut fehlerfrei. Der Jubel bei Mama Anja und den übrigen Schaulustigen war groß. Für das tolle Ergebnis gab es schließlich noch den Applaus aller Anwesenden.
Nun konnte Annika bis zum Schluss der Veranstaltung nur noch warten. Kurz nach 11 Uhr war es soweit, alle teilnehmenden Jungen und Mädchen erhielten Urkunden, Medaillen und Präsente überreicht. Als sie aus den Händen des AMSC-Vorsitzenden Ralf Deinlein den Siegerpokal entgegennehmen durfte, war die Freude bei Annika überschwänglich.Und das mit gutem Grund. Hatte sie neben der Tagesbesten Ronja Augsburg doch das zweitbeste Ergebnis erzielt - und das bei ihrem zweiten Turnier dieser Art. Die 15-jährige Ronja hatte den Parcours ebenfalls fehlerfrei gemeistert und war 53 Hundertstelsekunden schneller gewesen als Annika.
Familie Sell aus Wittershausen hatte an dem Tag gleich zweimal Grund zum Jubeln und Feiern. Denn auch Annikas Schwester Tina gewann gleich bei ihrer ersten Turnierteilnahme ihre Altersklasse der acht- und neunjährigen Mädchen. Zwar purzelten im Achter drei der 100 Holzklötzchen und verließ sie das Schrägbrett vorzeitig. Doch mit sechs Fehlerpunkten und einer guten Fahrzeit war sie am Ende Siegerin in Gruppe I. "Mein schönstes Erlebnis ist, dass ich heute einen Pokal bekommen habe", strahlte der kleine Blondschopf nach dem Turnier mit seiner ebenfalls erfolgreichen Schwester um die Wette.
Für die Besten der Besten könnte sich die Erfolgsgeschichte alsbald fortsetzen. Sie haben sich mit ihren Erfolgen nämlich für die Nordbayerischen Meisterschaften qualifiziert. Am 28. September treffen sie in Heilsbronn im Landkreis Ansbach auf die übrigen Sieger der örtlichen Jugend-Fahrradturniere.
"Die Veranstaltung hat aufgezeigt, dass etliche Mädchen und Jungen nicht fit sind im Umgang mit ihrem Fahrrad. Unser Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen in spielerischer Form zu verkehrssicheren Fahrradfahrern zu machen. Das Jugend-Fahrradturnier ist ein Teil unserer breit gefächerten, ehrenamtlichen Verkehrssicherheitsarbeit", verdeutlicht der Vorsitzende der Gebietsverkehrswacht Hammelburg, Karlheinz Franz. In seinen Dank bezog Franz die zahlreichen Helferinnen und Helfer mit ein, die für einen reibungslosen Ablauf des Turniers gesorgt hatten.
"Mein Kompliment gilt all den Eltern und Großeltern, die ihren Kindern und Enkeln die Teilnahme an der Veranstaltung ermöglicht haben." Obwohl über Schulen und Medien hinreichend angekündigt, wird seiner Ansicht nach diese Art der spielerischen Verkehrserziehung von viel zu wenigen Eltern offensiv unterstützt. "Ich würde mir sehr die vier- bis fünffache Starterzahl wünschen. Das wäre für uns ehrenamtlich in der Verkehrssicherheitsarbeit Tätigen der beste Beweis dafür, dass sich die Eltern der Verantwortung für ihre Fahrrad fahrenden Kinder stellen."

Auszug aus der Ergebnisliste:
Gruppe I (Jahrgänge 2005 und 2006) - Mädchen: 1. Tina Sell (Wittershausen), 6 Fehlerpunkte/ 61,06 Sekunden); 2. Sarah Anders (Diebach), 7/65,53; 3. Finja Hartung (Westheim), 9/66,53. -
Jungen: Max Ruppert (Aachen), 1/ 63,67; 2. Christoph Strehler (Hammelburg), 3/58,87; 3. Kai Mischke (Hammelburg), 7/60,24.

Gruppe II (Jahrgänge 2003 und 2004) - Mädchen: 1. Annika Sell (Wittershausen), 0/53,29; 2. Sophie Stein (Westheim), 1/66,53; 3. Meike Schellenberger (Westheim), 3/81,37.
Jungen: 1. Jonas Schaub (Westheim), 1/66,06; 2. Marcel Weiß (Hammelburg), 4/52,46; 3. Rafael Bahr (Hammelburg), 6/79,46.

Gruppe III (Jahrgänge 1999 bis 2002) - Mädchen: 1. und zugleich Tagesbeste Ronja Augsburg (Hammelburg), 0/52,76. - Jungen: 1. Tim Augsburg (Hammelburg), 3/49,96; 2. Daniel Wojciechowski (Hammelburg), 6/60,69.