Der junge Faust versucht Gretchen für sich einzunehmen. "Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?" In den Zuschauerreihen ist zu hören: "Das ist Goethe. Das kenne ich." Das neue Stück "Elite macht Schule" der Gruppe Spectaculum bietet dem Publikum viele solcher Aha-Erlebnisse und Wiedererkennungsmomente.

Werke von gleich 30 Autoren zitiert das Stück. Es schöpft aus dem Kanon klassischer Literatur, bedient sich aber auch aus einem modernen Repertoire - auf eine spielerische und manchmal freche Art und Weise.

Die Rahmenhandlung schafft die Verknüpfung: Die Klasse eines Gymnasiums muss sich gezwungenermaßen mit Literatur beschäftigen, da die Direktorin (Franziska Zimmermann) die Schule für einen Elite-Wettbewerb eingeschrieben hat. So greifen die Schüler zu ihren Reclam-Heftchen und lesen Lessings "Nathan der Weise" oder eben Goethes "Faust".

Das Geschehen blendet sogleich zum vorderen Teil der Bühne um. Dort buhlt dann zum Beispiel Faust ums Gretchen. Das bleibt nicht unkommentiert. "Allein hat er es nicht darauf. Er braucht den Mephisto", meint Schüler Clemens (Torsten Korff). Faust wolle Gretchen ja nur rumkriegen.

Das Wechselspiel zwischen den szenischen Zitaten und der Reaktion der Schüler machen den Reiz des Stückes aus. Die Übergänge sind fließend. Zum Teil finden sich in der Rahmenhandlung selbst schon Versatzstücke aus berühmten Werken wieder - in einer ganz neuen Einsatzform.

So sucht Lehrerin Pestalozzi (Stephania Eideloth) bei Yoga-Übungen nach innerer Ruhe, wobei sie "Ottos Mops" von Ernst Jandl rezitiert. Und das Gedicht "Herr Ribbeck von Ribbeck im Havelland" von Theodor Fontane eignet sich sogar zu einem Rap, wie Maria Albrecht-Martin beweist.

Als der Prüfer der Wettbewerbskommission erschein, gerät der Elite-Anspruch des Gymnasiums zu einer sich überschlagende Revue des Kanons. Direktorin, Lehrer und Schüler wollen mit Zitaten aus Poesie und Prosa punkten. Dabei versuchen sie wie bei einem Battle sich gegenseitig auszustechen.

Die Zuschauer können spätestens jetzt selbst testen, ob sie zur Elite gehört und alle Anspielungen zuordnen können. Aber auch wer nicht alles auf Anhieb erkennt, kann sich gut unterhalten fühlen. Dafür sorgt die Spielfreude des Ensembles.

Das Stück und die Inszenierung von Claudia Albrecht konfrontiert die Truppe mit einer Vielzahl an Textgattungen und verschiedenen darstellerischen Formen. Alle Akteure müssen zudem mehrere Rollen abdecken. Die Spectaculum-Leute nutzen diese Herausforderung, um sich nach der einjährigen Pause wirkungsvoll zurückzumelden.


Das Stück "Elite macht Schule" ist noch am Freitag, 6. Mai, Samstag, 7. Mai, und Donnerstag, 12. Mai, jeweils um 19.30 Uhr im Bocksbeutelkeller zu sehen.

Es spielen mit: Maria Albrecht-Martin, Wolfgang Althoff, Liane Dietrich, Sandra Eichelbrönner-Fickert, Stephania Eideloth, Christian Fenn, Torsten Korff, Elisabeth Lamprecht, Dieter Moschinsky, Anne Rauschmann, Birgit Schreiber, Horst Sollfrank und Franziska Zimmermann. Regie führt Claudia Albrecht-Schübel. Sie hat auch das Stück geschrieben. Für Requisiten und Kostüme sind Birgit Schreiber, Anne Rauschmann und Gertrud Bergmann verantwortlich, für die Technik Daniel Wolf, Markus Schneider und Burkard Fenn. Ulrike Korff souffliert.