Rathäuser im ganzen Land fallen den Narren in die Hand. Waren es zunächst die Auraer Faschingsfreunde, die den Amtssitz schon im November übernahmen, so folgten jetzt die Hammelburger Karnevalisten und die Blau-Weißen aus Elfershausen, die ihre Regierenden "in die Wüste" schickten.
Immerhin verstehen es die Karnevalisten - im Gegensatz zur Bundesregierung - sehr schnell, die neuen Herrscher zu installieren, indem sie auf die bewährte Faschings-Monarchie zurückgreifen. Prinzenpaare und Prinzessinnen stehen bereit - und sind willkommen beim Narrenvolk.
Der Rathaussturm im Markt ist eine noch vergleiochsweise junge Errungenschaft. "Ich versuchte heuer zum vierten und zum letzten Mal das Rathaus zu sichern und zu verteidigen. Es ist mir wieder nicht gelungen", bedauert der Anführer der Verteidiger, Bürgermeister Ludwig Neeb (CSU). "Wenigstens haben wir den größten Teil der Gemeindekasse rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Den Rest können die da unten auf den Kopf hauen", fügte er hinzu.
Neeb vbekannte, dass ihm jeder der vier Rathausstürme Spaß gemacht habe. "Meinem Nachfolger wünsche ich Kraft, Ausdauer und Humor bei der künftigen Verteidigung des Rathauses", freut er sich diebisch mit einem Lob für die Narren, die das Brauchtum wieder aufleben ließen.
Der erfolglosen Verteidigung ging eine Redeschlacht mit dem Rädelsführer der Angreifer, Jürgen Seit, voraus. Darin hatte Neeb den bunten Jecken noch keck empfohlen "in Seifenkutschen nach Seeshof zu rutschen". Doch dann wurde der Amtsinhaber immer kleiner. Als schließlich der Kanonendonner der Blau-Weißen grollte, gab Neeb auf. "Um Gnad bitt ich, bloß kein Feuer, der Wiederaufbau kommt uns zu teuer", bettelte er und ließ den Rathausschlüssel vom Fenster hinab.

Neues Prinzenpaar

Unter Helau-Geschrei drangen die Narren ein und legten den Bürgermeister und die Gemeinderäte in Stricke, darunter auch die drei Bewerber um den Bürgermeisterstuhl, Alfons Hausmann, Karl-Heinz Kickuth und Volker Partsch. Im Rathaus inthronisierte Präsident Seit das Prinzen-Paar der Blau-Weißen, Monika I. und Norbert I., die nach zwei Jahren die bisherigen Amtsinhaber Marc und Nicole ablösten.
Die Entscheidung als Prinzen-Paar, die Farben der Elfershausener Karnevalisten zu vertreten, fällten Monika Popp und Thomas Fink erst einige Tage zuvor. "Wir waren beim Silvesterbüffet im Hotel Ullrich und entschlossen uns nach einigen Gläsern Sekt zu diesem Schritt", räumte der Prinz verschmitzt lächelnd ein. Beide sind Mitglied bei Blau-Weiß Elfershausen, Prinz Norbert allerdings erst seit einer Woche.
Prinzessin Monika ist bereits seit 14 Jahren in den Reihen der heimischen Karnevalisten zu finden. Erklärtes Ziel der neuen Tollitäten ist es, "den Elfershausener Fasching würdig zu vertreten und für Mitgliederzuwachs zu sorgen".
Dem Rathaussturm, der mit einem Fackelzug durch die August-Ullrich-Straße begann, schlossen sich sechs befreundete Vereine mit ihren Garden, Präsidenten und Prinzenpaaren und auch zahlreiche Marktbürger an, die anschließend im Schlosshof und im Schlosskeller kräftig feierten.