Die sechste Ausgabe des Kneipen- und Kellerfestivals "Hammelburg moves" bescherte der Saalestadt erneut einen Besucherboom, der die Tausender-Grenze weit überschritten haben dürfte. Das Festival ist längst in der Stadt etabliert. Wirte und Pächter setzten dabei auf Bewährtes, das bedeutete, mehr als die Hälfte der Bühnen-Akteure war schon einmal mit von der Partie. Verschiedene Bands und Musiker garantierten bei dieser Veranstaltung ein "volles Haus".
So setzte das "Down Town" seit Jahren auf "Hang Loose", eine durchaus akzeptable Band, die mit Songs aus 40 Jahren Musikgeschichte ihr Publikum begeisterte. Die "Wandelbar" wartete mit "6 Feet Four" auf, die Gruppe, die vor rund fünfeinhalb Jahren die Einweihung des Gewölbekellers im "Deutschen Haus" begleitete, und erntete damit einen achtbaren Erfolg.

Solomusiker

Ulrike Lange vom gleichnamigen Weingut hielt sich in ihrer Vinothek an Solomusiker "George" (Matthias Uebel), "der mit seinen Liedern einfach zu unserem Flair passt". Auch "Ac(c)oustic Jam", eine Combo, die mit "handgemachtem Sound" für die Hammelburger Karnevals-Gesellschaft (HAKAGE) das altehrwürdige Rathaus rockte - wenn auch etwas laut - darf sich zu den Dauerbrennern der Veranstaltung zählen. Eine echte Überraschung stellte "Elotail" im Gewölbekeller des Weinhotels "Müller" dar. Wirtstochter Antonia Müller startete mit den DJs Christoph Scherpf und Mario Böhm ein Elektropop-Duo, dessen Name sich aus Elektromusik und Cocktail zusammensetzt und das eigentlich nur Insidern, zum Beispiel aus dem Wasserhaus, bekannt ist.
Elektronische Musik mit wummernden Bässen - "Deep house" genannt - eine Lasershow und Trockeneis-Nebel? Wie passt das zum grundsoliden Frankenwein, der hier ausgeschenkt wird? "Manchmal muss man mit Traditionen brechen. Dieser Stilbruch passt eigentlich nicht zum Wein. Aber das wollte ich erreichen", argumentiert die Hammelburger Weinprinzessin Antonia und verweist auf "Besucher mittleren Alters, die nicht typisch für diese Musik sind, aber trotzdem kommen".

Laut und leise

Die heimische Malerin Stefanie Baier-Bindrum fand "den Kontrast als Experiment gar nicht so schlecht. Den ganzen Abend könnte ich hier allerdings nicht verbringen", räumt sie ein. Damit traf sie den Nagel auf den Kopf. Besuchern mit Herzschrittmachern war dieser Event ohnehin nicht zu empfehlen.
Erholung gab es in der "Wirtschaft am Viehmarkt". "Chris & We" versprach mit klassischer Ohrenweide, "unplugged, relaxing music". Ebenfalls keine Unbekannten, sind sie allerdings neu formiert. Christine, Stephan und Roland setzten auf Melodic-Rock und -Pop der 60er und 70er Jahre wie "Tequila sunrise" von den Eagles oder "Heart of Gold" aus der Feder von Neil Young. Dazu eine scharf gewürzte Currywurst, das passte.

Musikalische Zeitreise

Nächste Station ist das "Irish Pub". Dort lockte "Time-Tunnel" mit einer musikalischen Zeitreise aus Rock, Blues, Soul und Funk. Grooven mit Cover-Songs kam gut an. Ohnehin schon vor Beginn bis zum Platzen gefüllt, setzte auch Pächter Markus Daum auf ein Remake, denn Joachim Köhnkow (Chekoff) und seine Band traten bereits im November zum fünften Jahrestag der Pub-Übernahme auf und stießen schon damals auf breite Resonanz. Aber, wie angedeutet, in einer Sardinendose wäre wahrscheinlich mehr Platz gewesen.
Im Stadtcafé kamen die Tanzwütigen des Genres Disco-Fox und Classic-Rock zu ihrem Recht. "Just 4", die so genannte "Lehrerband" unter Leitung von Musiklehrer Stefan Eideloth, gab den musikalischen Altvorderen wie Beatles, CCR oder Carlos Santana den Vorzug und hatte die Tänzer auf ihrer Seite. Gediegenes Ambiente bei Sekt und "Hugo" und Platz für ein Tänzchen kamen den Besuchern entgegen. Ein Blick in die Keller des "Roten Schlosses" musste natürlich noch sein. Die Musikinitiative reservierte den Bocksbeutelkeller für "Chris Cosmo, Megaphon & Ghosts without airplane". Zu den schrägen Dancehall-, Rap- und Reggae-Tönen wippte auch Dritte Bürgermeisterin Rita Schaupp. Was sie jedoch entrüstet vermisste, war der Wein. Kein Wein, ausgerechnet im Bocksbeutelkeller? Tatsächlich, wer sich ein Gläschen Rebensaft gönnen wollte, musste sich ein Becherlein aus dem Winzerkeller holen. Dort ließ die Feuerwehr mit der Formation "Overdrive" die Puppen tanzen. Queen, AC/DC, aber auch Robbie Williams. Das Quintett mit Frontfrau unternahm eine Reise in die Welt des History-Rock, der Stromgitarren und der Live-Performance - mit Erfolg. Angemerkt sei die etwas knappe Dauer der Veranstaltung. Mit dem Start um 21 Uhr - die meisten Bands beendeten um 1 Uhr ihren Auftritt - bleibt dem Besucher kaum die Zeit, alle Locations zu besuchen.