Die Kundgebung "P 43 Trasse - Wir sagen gemeinsam Nein" der Rhöner Bürgerinitiativen fiel - wie zahlreiche andere Termine - den rasant steigenden Infektionszahlen im Landkreis zum Opfer. Dennoch fand ein bescheidenes Häufchen Protestwilliger den Weg zur Stappberg-Kuppe um ihre Solidarität zu bekunden und dem Flugzeug mit angehängtem Protestbanner zuzuwinken.

Die Bürgerinitiative (BI) Elfershausen rief in einer Online-Aktion zum Fotografieren und zur Verbreitung der Fotos in den sozialen Medien auf. Vorsitzender Markus Stockmann und sein Stellvertreter Alexander Porkristl standen , wie die BI-Vorsitzenden in Bad Brückenau und Schondra, für ein Pressestatement bereit.

Dabei erinnerte Stockmann an die Pläne des Netzbetreibers Tennet, der, wie vor sechs Jahren, eine Stromleitung durch das Rhöner Biosphärenreservat anstrebe. Der Planungsdialog habe begonnen und die Bürgerinitiativen hätten teilgenommen. Gespräche mit den Landkreisverantwortlichen seien geführt worden, weitere, mit Mandatsträgern, Behörden und dem Netzbetreiber stünden an. Mit der geplanten Kundgebung hätten sie aufrütteln und motivieren wollen, gemeinsam aufzustehen gegen den neuen Netzausbau durch die Heimat.

Der Vorsitzende beruft sich auf die vor fünf Jahren getroffene Vereinbarung mit der Bundesregierung und den Ländern, dass es eine Entlastung des Netzverknüpfungspunkts Bergrheinfeld geben soll. Die P 43, die sogenannte "Fulda-Main-Leitung" sollte entlang der hessischen A 66 laufen und eine Netzoptimierung in Richtung Frankfurt sein, was Sinn mache, denn der Strom werde hauptsächlich in der Metropole benötigt.

Die Vereinbarung handelt der Bayerische Wirtschaftsminister, Hubert Aiwanger, neu aus. Eine Stromleitung von Thüringen nach Bergrheinfeld soll fallen, die P 43 von Dipperz nach Bergrheinfeld als Neubau kommen. "Hubert Aiwanger hat die Vereinbarung gebrochen und die Rhöner verraten", kritisierte Stockmann mit Blick auf die "schützenswerten Bereiche" wie die Rhön, die nicht vom Netzbau betroffen sein sollen.

"Auch die versprochene Erdverkabelung ist Augenwischerei, denn Wechselstrom kann nur im Teilstück von etwa acht Kilometern erdverkabelt werden", fügte der BI-Vorsitzende an, der aufforderte sich im "Rhön-Link" gemeinsam zum Schutz der Heimat einzusetzen. An die Politik geht die Forderung, zunächst die vorhandenen Netze - wie in Mecklar - zu nutzen, respektive auszubauen. Mit einer Förderung der Power-to-X-Technologien könne Windstrom im Norden umgewandelt und in das vorhandene Gas-Netz geschickt werden.

"Wir müssen uns wehren", drängt Stockmann "den die Klimaziele von EU und Bund haben zur Folge, dass neben dem Südlink und der P43 eine weitere Gleich-Stromleitung gebaut wird. Gespräche dazu laufen schon zwischen Ländern und Bund. Wenn erst einmal eine Leitung durch unsere schützenswerte Heimat gebaut ist, gibt es kein Halten mehr für folgende Maßnahmen".

Auch Staatsministerin Dorothee Bär will in den kommenden Monaten gemeinsam mit den Bundestagsabgeordneten Anja Weisgerber und Alexander Hoffmann die Entwicklung beobachten und weiter für "Ent- statt Überlastung kämpfen". In einem Schreiben stellt sie klar dass "Energiewende und Netzausbau zentrale Bausteine sind, um die klimapolitischen Ziele zu erreichen. Nach Gesprächen mit dem Wirtschaftsminister, Abgeordneten, Landräten und Bürgermeister haben wir darauf hingewiesen, dass der grundsätzliche Bedarf der Trasse in Frage gestellt werden kann."

Des weiteren stellt Bär fest: "Der Strom wird im Rhein-Main-Gebiet benötigt, das sollte die Streckenführung berücksichtigen. Erdverkabelung ist nur eingeschränkt möglich. Das hätte massive Auswirkungen auf das Landschaftsbild des Biosphärenreservats. Ich habe vollstes Verständnis, dass sich die betroffenen Landkreise den Rechtsweg offenhalten und ihren Unmut kundtun."

Ähnlich äußerte sich Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar. In einem schriftlichen Statement zeigte sie sich enttäuscht über das 2015 entwickelte Eckpunktepapier, das unter anderem einen bürgerfreundlichen Netzausbau vorsah. Wie sich aber zeigte sei die vermeintlich gute Nachricht "das Papier nicht wert". P 43 würde unsere Heimat verändern wenn ein Großteil der Leitungen über 65 Meter hohe Masten transportiert würde, die das Rhein-Main-Gebiet versorgen.

"Der Umweg über Unterfranken ist die falsche Lösung. Entgegen der Aussage der Staatsregierung und des Bundeswirtschaftsministers gibt es eine Alternative und sie existiert sogar von Mecklar über Dipperz nach Urberrach. Vor diesem Hintergrund sollten wir nicht aufhören uns für ein Umdenken stark zu machen - bis hin zu einer besseren Lösung."