Die 23 Jahre junge Sophie Breuer, Finalistin bei Miss Germany 2022, hat einen Beruf ergriffen, den es bis vor einigen Jahren noch gar nicht gab. Sie ist Influencerin. Aktuell hat sie eine Corona-Infektion durchlebt und hat ihren Followern täglich von ihrem Krankenstand berichtet: ungeschminkt, erschöpft, in Kissen vergraben . Breuer, die neben ihren Fotos, auf denen sie top gestylt ist, auch Bilder ihrer Cellulite postet, liebt ihre Arbeit.

Sie will sich zeigen, wie sie ist. Sie möchte ein positives Beispiel für junge Menschen sein. Zeigen, dass man nicht perfekt sein muss, um schön und vor allem glücklich und lebendig zu sein.

Influencerin aus Franken im Interview

Wie und warum arbeitet sie in diesem, vielen noch nicht bekannten Arbeitsfeld? Was bewegt diese junge Frau, mittlerweile über 27.500 Menschen, man nennt sie Follower, an ihrem Alltag teilhaben zu lassen und dadurch ihren Lebensunterhalt zu verdienen? Was "beeinflusst" sie aus ihrer Sicht damit? Wir haben nachgefragt.

Wie kamst Du zu Deinem Beruf?

Es fing vor knapp drei Jahren an, als ich ein paar Shooting-Bilder gepostet habe. Das kam gut an. Alle Fotos zeigten mich perfekt gestylt. Irgendwann fiel mir auf, dass ich so ja gar nicht bin - immer geschminkt und in tollen Outfits. Ab da begann ich, andere Fotos zu posten. Es waren Bilder, die mich so zeigten, wie ich im täglichen Leben wirklich bin. Mal ungeschminkt, eben nicht gestylt. Auch habe ich angefangen über Themen zu sprechen, über die nicht jeder spricht. Diese Fotos und Stories kamen gut an, und ich habe gemerkt, dass diese Echtheit wirklich so erwünscht ist. Immer mehr Menschen entdeckten meinen Instagram-Account und so kam es, dass ich während meiner Ausbildung bereits anfangen konnte, mir über diesen Weg etwas dazu zu verdienen. Nach meiner Ausbildung sprang ich mutig in die Selbstständigkeit und war von da an Full-Time-Content-Creator. Ich erstelle auch für andere Videos und Bilder, die diese dann zum Beispiel für ihre eigenen Websites, für ihre PR verwenden können.

Wie arbeitest du für Deine Kunden?

Meine Kunden senden mir ihre neuen Produkte zu, zum Beispiel neues Make-up oder Duschgel. Ich überlege mir dann, wie ich das präsentieren kann, zum Beispiel mittels eines Tutorials, wie man sich gut damit schminken kann, erstelle Kurzvideos und Bilder. Firmen kommen bereits auf mich zu und dann klären wir, ob sie diesen Content haben wollen, den ich nur erstelle, oder einen Content, den ich auf meinem Instagram-Kanal präsentiere. Das wäre dann Werbung, die ich auf meinem Kanal abspiele. Ich habe ein Management, das sich um die Anfragen kümmert.

Anders zu arbeiten als andere Influencer scheint Dir wichtig zu sein.

Wenn ich Produkte bekomme, teste ich sie erst. Nie erzähle ich einfach, dass ein Produkt toll ist. Diejenigen, die mir folgen, vertrauen mir, und wir haben einen echten und vertrauensvollen Austausch. Dieses Vertrauen bewahre ich, und auch für kein noch so hohes Budget würde ich mich für Produkte, hinter denen ich nicht stehe, einsetzen. Nur aus 20 bis 30 Prozent der Anfragen seitens der Unternehmen zwecks Werbung wird eine Kooperation, entweder weil ich nicht hinter dem Produkt stehe oder ich denke, dass das Produkt nicht zu mir oder meiner Zielgruppe passt, oder weil ich nicht hinter den Markenwerten stehe. Hinter meinen Werten zu stehen, ist mir ganz, ganz wichtig! Ich muss nicht für alles werben! Das möchte ich auch in meinem Vortrag bei der Frauenmesse aufzeigen: Nicht jeder Influencer macht alles.

Was ist so sexy daran, andere Menschen an seinem Leben teilhaben zu lassen?

Mir macht meine Arbeit einfach Spaß! Selbst schaue ich mir auch Content von anderen an. Mittlerweile bin ich auf dem Self-Care-Trip: Routine aneignen, Körpergesundheit, Tagebuch führen sind Themen, die mich aktuell interessieren. Am Anfang meiner Selbstständigkeit musste ich mir erst eine gewisse Struktur aneignen, da ich keine festen Arbeitszeiten hatte. Da haben mir die Tipps von anderen wirklich geholfen. Ich bin auch ein großer Fan von Karo Kauer, einer Powerfrau, die auf dem Miss Germany Camp einen Vortrag gehalten hat. Eine echte Inspiration! Gerne folge ich Influencern, die ehrlichen Content anbieten. Die auch mal zeigen, wenn es nicht so gut läuft. Da kann man sich dann selbst auch besser annehmen. Jeder hat seine eigenen Probleme. Ich zeige offen meine Cellulitis, mein Bäuchlein. Es ist für mich das Schönste, wenn ich Rückmeldungen bekomme, wie 'Danke für deinen Content, danke dass du so ehrlich bist, danke, dass Du das zeigst.' Das ist für mich das Schönste an diesem Beruf, nicht wieviel ich damit verdiene. Nein, es ist die positive Resonanz und das Gefühl, etwas dazu beigetragen zu haben, dass sich jemand besser annehmen kann.

Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?

Ich habe schon einige Produkte in Planung, die ich selbst rausbringen möchte. Auch Vorträge in Schulen kann ich mir gut vorstellen. Als ich jung war, hatte ich schlechte Vorbilder. Ich wollte anders aussehen, habe mich mit 15 Jahren richtig runtergehungert, plante mit 18 Jahren eine Brustvergrößerung. Junge Menschen brauchen echte Vorbilder.

Wie steht es mit Deiner Selbstwahrnehmung, wenn man so viele Likes bekommt? Belastet es Dich, wenn Deine Beiträge mal nicht so viele Likes bekommen?

Anfangs hat es mich sehr beschäftigt, wenn meine Beiträge nicht so gut ankamen. Da spürte ich einen richtigen Druck. Heute ist das anders. Ich möchte nicht mehr nach Likes und Followern streben. Mittlerweile poste ich auch Bilder von meinem Frühstück und von einem Buch. Die kommen nicht gut an, da gibt es wenige Likes. Ich poste dennoch einfach das, was ich will! Ich mache mir keinen Druck mehr, stresse mich nicht mehr. Natürlich freue ich mich, wenn neue Follower dazukommen. Aber ich bin auch nicht traurig, wenn es nicht so ist. Viele schreiben mich an und fragen mich, wie sie mehr Follower bekommen. Ich kann dann immer nur sagen: Versucht euch nicht danach zu richten, wie viele euch folgen. Die Anzahl der Follower ist nicht so wichtig. Wichtiger ist, wie stark der Zusammenhalt derer ist, die euch folgen. Vertrauen und Bindung sind wichtig. Weil Vertrauen so wichtig ist, möchte ich eben keine Marke vorstellen, von der ich selbst nicht überzeugt bin.

Wie lukrativ ist das Geschäft echtes Leben gegen Geld?

Ich kann mich nicht beschweren und kann mittlerweile von dieser Arbeit komplett leben. Über Jahre hinweg habe ich im Vorfeld viele Beiträge produziert, um meine Marke aufzubauen. Viel Energie und Zeit hat diese Arbeit in Anspruch genommen ... das ist vielen gar nicht bewusst ... Mein Arbeitsalltag ist heute mit viel Kommunikation erfüllt. So beantworte ich allein täglich die Fragen meiner Follower, so zum Beispiel zum Thema "Pille absetzen". Dann produziere ich Content, bilde mich weiter. Insgesamt verbringe ich acht Stunden online. Und es ist ja so, dass die Leute den ganzen Tag sozusagen mitgenommen werden und ich nicht um 17 Uhr das Handy ausschalten kann. Deshalb sind Routine und eine Struktur so wichtig. Mittlerweile habe ich mir eine Morgenroutine angewöhnt: Aufstehen, Fenster öffnen, Bett machen, Frühstücken und dann beginnt mein Arbeitsalltag und ich gehe ans Handy. Bewusster Umgang mit dem Handy ist wichtig. Denn ein Problem, das Influencer oft haben, ist es, ständig erreichbar zu sein. Das kann bis zum Burnout führen. Oft vermischt sich auch Arbeit und Privatleben, zum Beispiel wenn ich mit meinem Freund Essen gehe und er Bilder davon macht.

Du hast Dich also beruflich richtig entschieden?

Instagram-Influencer ist ein echter Job, ein Job der neuen Zeit. Wir müssen damit klarkommen, dass es immer wieder neue Berufe gibt. Ich habe die Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation in Würzburg gemacht. Ich saß den ganzen Tag am PC und sollte Newsletter schreiben. Das war einfach nicht so kreativ für mich. Deshalb habe ich mich nach der Ausbildung dazu entschlossen, mich selbstständig zu machen. Ich verdiene mein Geld, lebe meine Kreativität und habe Spaß. Jeden Tag. Zeit ist mir schon heute wichtiger als Geld.

Am Samstag hälst du bei der 2. Ramsthaler Frauenmesse einen Vortrag mit dem Titel "Instagram öffne Dich! - Die Tücken der sozialen Medien und mein Weg zur Influencerin!"

Ich freue mich darauf, bei der Frauenmesse dabei zu sein und möglichst viele unterschiedliche Frauen kennenzulernen.

Das Gespräch führte Jacqueline Edgü-Mihm.

Frauenmesse Ramsthal

Am 22. und 23. April 2022 findet die 2. Ramsthaler Frauenmesse im Haus erLebenskunst am (Raßthaler Weg 14) statt. Wie bei der ersten Messe steht wieder ein Pendelverkehr ab dem Parkplatz am Ortseingang bei der Feuerwehr zu Verfügung. An 25 Messeständen kann man sich über Themen wie Wellness und Beauty, Sport und Fitness, Gesundheit, Kunsthandwerk, Essen und Trinken, Schönem und Praktischem, Ernährung, Erholung, Freie Reden und Beratung, Lifestyle und Finanzen informieren. Dazu gibt es Workshops und Vorträge. Der Eintritt ist frei.

Anmeldung zu den Workshops und Vorträgen unter der Telefonnummer: 0175/6664606. Infos: www.erlebenskunst-ramsthal.de und Insta/Frauensache_Ramsthal