Die Tradition der jährlichen Pilgerfahrt sollte auch zu Corona-Zeiten weiterleben. Deshalb beschlossen Wallfahrtsführer Bruno Zink und sein Vorgänger Vinzenz Täuber heuer ebenso den Besuch von "Maria im grünen Tal" in Retzbach - allerdings in ungewöhnlichem und bescheidenem Rahmen, der der aktuellen Situation geschuldet ist.

Krisen-Parallelen

Die Wallfahrtsreise erinnert an deren Gründung, die wahrscheinlich Jahrhunderte zurückliegt und Krisen-Parallelen aufweist. Zu Zeiten von Pest und Hungersnot - in den Thulbaer Annalen ist die Jahreszahl 1312 zu lesen - wurde sie ins Leben gerufen. Ein genaues Datum ist trotz gründlicher Recherche der beiden Initiatoren nicht mehr zu ermitteln.

Ab 1982 gab es - 40 Personenbeteiligten sich - erstmalig wieder die Fuß-Wallfahrt. In den Jahren davor fuhren die Wall-Leut mit Bussen nach Retzbach. Vinzenz Täuber organisierte diese Fahrten mit allem, was dazu notwendig ist, wie Begleitfahrzeuge, medizinische Versorgung und Übernachtungsquartiere. Diese Aufgabe übernahm zwei Jahre später Bruno Zink, Täuber wirkt noch beratend mit.

Die damals entworfene Route führte durch das Thulba-Tal zum Lager Hammelburg, wo die Teilnehmer eine Kaffeepause einlegten. Natürlich wurde zuvor die Erlaubnis der Bundeswehr zur Durchquerung des Truppenübungsplatzes eingeholt. Vorbei an Hundsfeld und Bonnland strebte die Pilgerschar Bühler an. Denn hier gab es speziell für sie ein Mittagessen in einer ehemaligen Gaststätte.

Von hier erwanderten sie in einem Stück die Restroute, begleitet von ihrem "Wallfahrtsstab", eine Blumen umkränzte Madonnen-Figur, nach Retzbach.

Freudig empfangen, nahmen sie nach der Quartierverteilung auf der "Benediktushöhe" ein Abendbrot ein. Denn um 19 Uhr erwartete die Wallfahrtsgäste eine Eucharistiefeier in der Pfarrkirche mit anschließender Lichterprozession.

Zuerst Genehmigung abgelehnt

Doch 2020 war alles anders. So musste Zink, der Pandemie wegen, zunächst beim Bischöflichen Ordinariat in Würzburg die Genehmigung für die Wallfahrt einholen, die zunächst wegen der Corona-Gefahr abgelehnt wurde. Erst nach Rücksprache mit dem Ordinariat gab es eine Einzelfallgenehmigung. Zudem musste jeder Teilnehmer ein eigenes Wallfahrtsbuch besitzen, der gebotene Abstand war einzuhalten, und wenn es die Situation erforderte, waren Schutzmasken zu tragen.

"Ich habe schwer gekämpft, um eine Genehmigung zu kriegen", beteuert Zink. Hinzu kam, dass die geschilderte Route nicht zur Verfügung stand, denn das Lager Hammelburg durfte die Pilgerschar - pandemiebedingt - diesmal nicht betreten. "Ein Umweg wäre zu weit gewesen und hätte uns aus dem Zeitplan geworfen", fügte er hinzu.

Nur zehn Teilnehmer

So kam es, dass nur zehn Willige zusammenkamen, denn auch der Aufenthalt von normalerweise zwei Tagen hatte sich auf einen Tag beschränkt. Kurzerhand schlug der "Leader" vor, in Privatfahrzeugen nach Retzbach und am Abend zurück in den Heimatort zu fahren, wo die Reise an der Mariengrotte in Thulba traditionsgemäß ihren Abschluss fand.

"Es war anders als sonst, doch mir ist wichtig, dass die Wallfahrten nicht ausfallen, sondern lückenlos weitergeführt werden. Denn ein solches Erlebnis ist etwas Besonderes", betont der Organisator. Sein Vorgänger, Vinzenz Täuber, stimmt zu: "Jeder ist sich selbst in einer eng verknüpften Gemeinschaft", weiß er aus Erfahrung.