HammelburgDas haben die Hammelburger Klassikfans dem Kissinger Publikum voraus: Hier geht man auf den "Hügel". Nein, nein nicht der "Grüne" in der Wagnerstadt Bayreuth ist gemeint. Es geht hinauf zum ehemaligen Kloster Altstadt, das zur Bayerischen Musikakademie geworden ist. In diesem stimmungsvollen Ambiente, bei endlich wieder mal schönem Wetter, treffen erwartungsfrohe Musikliebhaber aufstrebende Künstlerinnen und Künstler, um klassische Musik zu spielen oder zu lauschen. Dreißig Violintalente hatten mit renommierten Dozenten und Professoren während der Violinakademie an ihrer Technik, dem Ausdruck und ihrer Interpretation gefeilt.

Individualunterricht, Seminare und Gesprächsrunden standen auf dem Programm und Üben, Üben und nochmals Üben. Das Ziel: Immer besser zu werden, als Musiker vorwärtszukommen. Am Ende steht dann der knallharte Wettbewerb mit Vorrunde, Halbfinale und Finale. Wer es bis dorthin geschafft hat, darf dann dem Publikum und der Jury vorspielen und es gibt ein kleines Preisgeld.

"Endlich wieder Musik live und vor Publikum", begrüßt Kuno Holzheimer, Leiter der Musikakademie die erwartungsfrohen Zuhörer, die zum "Hammelburger Sommer" gekommen waren und was dann geboten wird, hat das von Holzheimer versprochene, erstaunliche Niveau. Lijunyi Zhang aus Wuhan, China, Takako Yumiba aus Osaka, Japan und die in New York geborene in Japan aufgewachsene Haruka Ouchi, alle schon als Kinder mit der Geige vertraut und später Teilnehmer und Preisträger verschiedener Wettbewerbe, dürfen also den Abend gestalten. Fernost schlägt Deutschland, Israel und die Schweiz. Die Orchesterbegleitung als herausfordernder Klavierpart gaben abwechselnd die Pianistin Eun Jun Son und ihr Kollege Matthias Rein mit so großem Einfühlungsvermögen, dass die Klangfarben eines Orchesters kaum vermisst wurden.

Mozart für alle

Der 1994 geborene Lijunyi Zhang beginnt Mozarts Violinkonzert Nr.3 KV 216 zupackend, als überraschte ihn die Akustik des Saales, nimmt sich dann deutlich zurück, trifft den heiteren Mozart-Ton und flicht dann eine wohlklingende Kette aus perlenden Läufen. Das Allegro aus Beethovens D-Dur Konzert wirkt anfangs etwas verhuscht, aber die Serie Beethovenscher Triller in allen Variationen gelingen brillant. Takako Yumiba hat sich Mozarts Allegro aus dem D-Dur KV 218 ausgesucht, wirkt abgeklärt und souverän, wie über den Dingen stehend, dabei aber zu sehr auf Perfektion und weniger auf eigene Klangfärbung bedacht. Bei Mendelssohns e-Moll Op.64 Allegro kommt diese Perfektion wunderbar zum Tragen, das furiose, hochschwierige Finale gelingt grandios. Mit vier Jahren bekam Haruka Ouchi ersten Geigenunterricht, inzwischen ist sie Mitte 20, macht ihr Masterstudium in Hamburg und verzeichnet Erfolge bei Festivals und Wettbewerben.

Nur Gewinner

Ihr Mozart A-Dur KV 219 ist ein Ohrenschmaus. Leidenschaftlich lebt, freut sich, zweifelt und frohlockt sie mit dem Genius aus Salzburg. Das Brahms D-Dur op.77 ist ein Paradestück für Violinisten, lässt viel Gestaltungsmöglichkeiten zu. Wie innig Haruka Ouchi das Allegro dargestellt hat, war einer der Höhepunkte des Abends. Klangschön und homogen streicht sie die Doppelgriffe, verbindet sich Brillanz und Innigkeit.

Verlierer gibt es bei keinem dieser Wettbewerbe, Sieger schon. Was die Jury unter der Leitung von Prof. Christoph Schickedanz nach der Beratung - während sich das Publikum ein Glas Sekt gönnte - verkündete, überraschte das Publikum nicht wirklich.

Den 3. Preis und 500 Euro erhielt Lijunyi Zhang. Über 1000 Euro und den 2. Preis freute sich Takako Yumiba. Den Wettbewerb gewonnen hat Haruka Ouchi. Das bedeutet nicht nur 1500 Euro Preisgeld, es macht sich auch gut auf der Visitenkarte und das ist vielleicht noch wichtiger.

Damit nicht genug. Auch der Sonderpreis für die beste Interpretation des klassischen Satzes und der Publikumspreis ging an die junge Frau, die sich in die Herzen der Zuhörer gespielt hatte. Kein schlechter Tag für sie auf dem "Hügel" in Hammelburg.