Wald oder Wild? Die klassische Diskussion um den Vorrang wird wohl weiterhin eine unendliche Geschichte bleiben. Die Vorstellung des Forst-Betriebsplans 2016 im Marktgemeinderat durch Betriebsleiter Rupert Wolf und Revierleiter Tobias Wallrapp war Anlass für eine moderate und relativierte Sichtweise zwischen dem Markt Oberthulba, der von der Forst-Betriebs-Gemeinschaft Rhön-Saale (FBG) betreut wird , und Jagdpächter Dr. Peter Gleißner.


Abschusszahlen gestiegen

"Ist der Hirsch überhaupt noch der König der Wälder?", hinterfragte Gleißner, der im Revier Oberthulba Nord seit 2007 die Jagd ausübt. "Freiflächen - wie zum Beispiel durch Windwurf entstanden - müssen für das Rotwild erhalten bleiben", forderte Gleißner Äsungsflächen statt Ausrottung des Rotwildes. Frei laufende Hunde und überhöhter Jagddruck würden den Hirschen am gefährlichsten. Gleißner erinnerte daran, dass nicht der Hirsch sondern die heimische Wildkatze der Anlass für den Bau der Grünbrücke über die Rhön-Autobahn A7 war. Dass die Abschusszahlen für Rotwild im Nordrevier Oberthulba nach oben gegangen seien, konnte FBG-Vorsitzender und Bürgermeister Gotthard Schlereth bestätigen. "Die Bayerischen Staatsforsten nehmen als Nachbar auf unsere Belange wenig Rücksicht", er erwarte mehr Unterstützung. Schlereth dachte dabei an die Interessen des Marktes Oberthulba, wenn durch die angrenzenden staatlichen Pirschbezirke der Jagddruck erhöht werde und die Waldflächen in Oberthulba als Rückzugsgbiet in Anspruch genommen werden. Die dadurch entstehenden Schäden gingen zu Lasten der Gemeinde. Andererseits sei auch die Gewehrkugel als Regulator keine dauerhafte Lösung, räumte Schlereth ein.
Betriebsleiter Wolf stellte fest, dass die Situation derzeit weder für Jagd noch für Forst zufriedenstellend sei. Außer durch Abschuss könne mit Rotwild-Ruhezonen, Äsungs-Alternativen und Lenkung der Waldbesucher um die Hirschgebiete herum nach Lösungen gesucht werden. Da müsse die Gemeinde entsprechende Entscheidungen fällen, die womöglich ihren Gewinn bei der Holzernte einschränke.
Revierleiter Wallrapp berichtete über bisher 4500 Festmeter Holzeinschlag, also fast zwei Drittel der Gesamtmenge von den geplanten 7500 Festmetern. Der heiße Sommer habe heuer die Bäume unter Stress gesetzt, bis hin zu Totalausfällen bei Neuanpflanzungen.


Buche und Eiche werden geplanzt

Im Herbst sollen jetzt Buche und Eiche gepflanzt werden, um den Vorgaben des Bayerischen Waldgesetzes nachzukommen. Im Dezember gebe es die jährliche Laubholzsubmission, so Wallrapp. Für junge Nadelhölzer seien Schutzröhren angebracht worden. Buntsandsteinböden im Waldgebiet Oberthulba Nord würden laut Wallrapp dort die Vielfalt der Baumarten einschränken. "Hinzu kommen die noch immer sichtbaren Schäden durch Stürme und Käfer der vergangenen Jahre", sagte er. Und dann noch der Wildverbiss, den er ebenfalls in Frankenbrunn und Reith häufig bemerkt habe. Die angeknabberten Bäume seien aufgrund der Schälschäden zum vorzeitigen Ende gekennzeichnet: "Die Bestände faulen und es gibt erhebliche Stabilitätsprobleme dort im Wald, wenn diese Bäume umfallen", so Wallrapp.