"Voll daneben" aber dennoch ein Volltreffer. Der FC-Theatergruppe gelang mit der Aufführung des Theaterstücks "Heimatfest in Fuscht" ein Publikumserfolg. Dafür sorgte die reife Leistung der Laienschauspieler und die Handlung in heimischer Kulisse, die Regisseur Edgar Stockmann umgeschrieben hatte.
Das gezeigte Tohuwabohu bleibt den Fuchsstädter Machern des Heimatfestes im nächsten Jahr hoffentlich erspart. Sonst laufen einige Akteure in einen Nervenzusammenbruch. Pannen, Missverständnisse und ein daraus erwachsendes Misstrauen gingen Hand in Hand.
Erst sagte der Super-Star des Festes, Florian Goldeisen, seinen Auftritt ab weil er zeitgleich in Seeshof ein Konzert gab. Bäckermeister Karl Sauerteig (Michael Stöth) schäumte und beorderte umgehend seinen Freund und Metzgermeister Sepp Eisbein (Arnulf Pfülb) zu sich, um eine Lösung zu finden.


Panne folgt auf Panne

Der hatte diese Idee und sollte - mit blonder Perücke, Sonnenbrille und Brokatjackett bekleidet - anstelle des Volksmusikstars auf die Bühne. Schließlich war er im Gesangverein und musste singen können. Ein Versuch erwies sich allerdings als äußerst laienhaft.
Die nächste Panne folgte auf dem Fuß. Opa Ludwig Sauerteig (Hans-Jürgen Pfülb) hatte heimlich zwei Meerschweinchen gezüchtet, mit denen er beim Fest ein Meerschweinchen-Rennen ausrichten wollte. Die kleinen Nager gingen ihm aber abwechselnd durch, die Nummer drohte zu kippen.
Die absolute Übersicht in der gereizten Szenerie behielt Helene Sauerteig (Beate Weimar-Stockmann), Ehefrau des Gleichnamigen, die ihre Freundinnen zusammen rief, um die geplante Modenschau zu besprechen. Nach einigen Lästerattacken kamen sie, Frieda Eisbein (Birgit Schaupp) und die Nachbarinnen Amanda Neugscheit (Annette Holzinger) und Herta Nimmersatt (Maria Sturm) überein, die Haut Couture einzuholen, die beim Schneider noch auf der Stange hing. Doch die Mode-Modelle waren plötzlich verschwunden.
Ein weiterer Tiefschlag ereilte Uwe Malstift (Uwe Eichel), den Freund der Sauerteig-Tochter Anna (Marina Zahn). Der nonchalante Maler plante eine Ausstellung seiner Bilder im Fuschter Rathaus, nichtwissend, dass Anna seine Werke für gutes Geld verkauft hatte. Und schließlich waren auch noch die bei Sauerteigs gelagerten Tombola-Preise verschwunden.


Das war zuviel

Das war jetzt der Pleiten zu viel und konnte kein Zufall sein, wie die Damen vermuteten, die die Männer als Urheber der Misere verdächtigten. Dafür ist eine saftige Strafe fällig, beschlossen sie. Die drakonische Maßnahme, ihnen Salz auf die Fußsohlen zu reiben und dieses von einer Ziege ablecken zu lassen, war jedoch zum Scheitern verurteilt denn in Fuchsstadt gibt es keine Ziege mehr, zumindest keine vierbeinige.
Nach mehreren Schnäpsen des Produkts eines heimischen Bio-Bauers, der wohl zu viele verfaulte Äpfel in der Spirituose verwendete und etlicher Flaschen Bier, lösten sich die gordischen Knoten.


Ende gut, alles gut

Volksmusik-Flori kam zwar immer noch nicht, aber wenigstens fanden sich die Tombola-Preise wieder, die Sauerteig versehentlich als Sperrmüll auf die Straße gestellt hatte.
Auch die Modenschau-Klamotten tauchten wieder auf. Eine Gehilfin des Schneiders hatte die Kleiderstangen verwechselt, und versehentlich die Ausbesserungsstücke stehen gelassen. Opa Sauerteigs Mini-Nager waren inzwischen ebenfalls zurück - allerdings nicht zu zweit, sondern zu zwölft. "Billy", so von Opa getauft, erwies sich als Weibchen und hatte zehn Junge bekommen. Für die Hälfte der Festbrezel, die sie in der Backstube wegfraßen, muss Sauerteig jedoch Überstunden schieben.
Angesichts des stattlichen Salärs von 20 000 Euro, die Anna für die Werke ihres extravaganten Künstlerfreundes erzielte, drückte auch Uwe Malstift ein Auge zu und schloss seine Freundin wieder in die Arme.
Die mehr als 60 Jahre bestehende Theatergruppe erhielt für ihre Leistung den ungeteilten Applaus des Publikums in der Mehrzweckhalle - und das zu Recht. Den Reinerlös der erstmals im heimischen Dialekt aufgeführten Vorstellungen stellt die Theater-Abteilung dem FC Fuchsstadt für die Jugendarbeit und für Renovierungen zur Verfügung, so Stockmann.
Neben den Aufführungen war auch eine Tombola mit vielen, schönen Preisen - darunter ein LED-Fernseher als Hauptgewinn - "Lockvogel" für die zahlreichen Gekommenen.