Dass Lenders die Ehrung verdient hatte, merkten die Besucher aus Hammelburg sofort. Sie kümmerte sich herzlich um die 62 Hammelburger und den reibungslosen Ablauf der Feierlichkeiten.

Der Bürgermeister von Turnhout, Eric Voss, schätzte sich glücklich, José Lenders als Leiterin des Partnerschaftskomitees zu haben. "Es ist keine Selbstverständlichkeit über 530 Kilometer und Jahrzehnte eine lebendige Freundschaft aufrechtzuerhalten", dankte er ihr.

Ein eingespieltes Team, das vielen durch den Waffel- und Pralinenverkauf auf den Hammelburger Märkten bekannt ist, unterstützt Lenders. Sie ist nach Alfred Boone und Richard Proost die dritte Persönlichkeit aus Turnhout, die den Ehrenbürgertitel der Stadt Hammelburg trägt.

Bürgermeister Armin Warmuth würdigte Lenders als Motor der Beziehung zwischen Hammelburg und Turnhout. "Eine Städtepartnerschaft kann nicht funktionieren, solange sie nur auf dem Papier und auf Ebene der städtischen Vertreter existiert. Städtepartnerschaften bedürfen der Beteiligung der Bürger, um sie mit Leben zu erfüllen", erklärte Warmuth. Er dankte ihr und allen Bürgern, die sich in den vergangenen Jahrzehnten ehrenamtlich für die Partnerschaft engagiert haben.

Hoffnung auf neuen Schwung

Lenders erinnerte daran, dass Städtepartnerschaften in den 70er Jahren als Zeichen gegen Feindschaft und Krieg gesetzt worden seien. Die intensive und lange Partnerschaft zwischen Turnhout und Hammelburg setzte dieses Streben um. "Europa soll nicht nur auf dem Fundament des Verstandes und der Vernunft basieren, nein, auch Herz und Gefühl müssen eine wesentliche Rolle spielen", meinte die Geehrte. Sie appellierte an die Jüngeren: "40 Jahre Turnhout-Hammelburg sind etwas Wertvolles, das wir der nächsten Generation weitergeben müssen." Auch Ernst Stross, kommissarischer Leiter des Hammelburger Partnerschaftskomitees, hoffte, den Schwung des Jubiläums mitzunehmen, um der Partnerschaft neue Kraft zu verleihen und jüngere Menschen zu gewinnen.

Ab 1982 war Lenders Vorsitzende beziehungsweise Mitglied des Mittelstandsrates Turnhout. In dieser Funktion war sie offizielle Abgeordnete im Partnerschaftskomitee. Ab 1991 gehörte Lenders zum engeren Vorstand. Nach dem Tod von Hugo Heyns übernahm sie im Jahr 1994 den Vorsitz des Partnerschaftskomitees Turnhout-Hammelburg.

Seitdem setzt sie sich unermüdlich und mit außerordentlich großem Einsatz für die Städtepartnerschaft ein. Mehrmals im Jahr besucht sie Hammelburg und zeigt durch den Verkauf von Waffeln und belgischen Pralinen, dass "Liebe durch den Magen" geht.

Dass Lenders es liebt zu organisieren, merkt man. Ihr zweites Steckenpferd nach der Städtepartnerschaft sind die "Patrioten", die sie vor 25 Jahren gegründet hat und seitdem leitet. Sei es bei der nachgestellten Schlacht von Turnhout von 1789, deren Jubiläum groß auf dem Marktplatz gefeiert wurde, dem Flaggengruß oder der Verabschiedung der Hammelburger Gäste, die Märsche, Wachen und Schüsse werden in lebhafter Erinnerung bleiben.

Das Jubiläumswochenende bot viel Programm, unter anderem einen Besuch im Spielkartenmuseum und eine akademische Sitzung. Die belgische Europaabgeordnete Kathleen van Brempt hielt ein eindringliches Plädoyer für Europa als soziale Institution, die nicht selbstverständlich sei und für die sich alle einsetzen müssten. Historiker Sam Van Cleemen brachte den Verlauf des Ersten Weltkriegs, Turnhout und auch den Fall der Berliner Mauer vor 25 Jahren in Erinnerung. Die Hammelburger Kulturamtsleiterin Elfriede Böck hatte eine Fotodokumentation über die Ankunft der DDR-Flüchtlinge vorbereitet.

Das Streichquartet Donnacorda umrahmte den Empfang. Eine ungarische Delegation aus Gödöllö, der zweiten Partnerstadt von Turnhout, gratulierte ebenfalls zum Jubiläum.