Kulturbunt lud ein und Günther Butzko kam. Bereits zum viertel Mal in Hammelburg gab der Kabarettist aus Gelsenkirchen entwaffnende Einblicke in die Hintergründe von Gesellschaft und Politik. Am Freitagabend war die Kapazität des Wasserhauses erwartungsgemäß bis zum letzten Sitzplatz ausgebucht.

Nein, Butzko bietet kein Nouvelle-Couisine-Kabarett für erlesene Kleinkunst-Gourmets, sondern bodenständig derbe Kost für die Kumpels aus dem Ruhrgebiet. Mit seinem zweistündigen Soloprogramm "Super Vision" beleuchtet er auf höchst anschauliche und entlarvende Weise die weltweite Großwetterpolitik, um schließlich die Kurve zum kumpelhaften Thekengespräch anzusteuern. Eine Kunst des gedanklichen Drahtseilaktes, für die der "Hirnschrittmacher" Butzko im vergangenen Jahr den Deutschen Kleinkunstpreis 2014 erhielt.

Politiker bekamen ihr Fett weg

Egal, ob Kanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsident Horst Seehofer oder Bundespräsident Joachim Gauck: Jeder bekam sein Fett weg. Freilich kam Butzko auch nicht an den Themen Ukraine und Griechenland vorbei. Er lenkte mit dem Oktoberwiesenzitat "o´zopft is´" seinen Blick auf die Abhördienste und den Datenschutz. Butzko erklärte die Funktionsweise des Kapitalismus anhand praktischer Fallbeispiele, entdeckte die deutschen Stiftungseinrichtungen als legale Steuerparadiese für "Krötenwanderungen" und entlarvte die Rentenreform als Minusgeschäft für die Rentner.

Staatsdiener - so zum Beispiel die Abgeordneten aus dem eigenen Wahlkreis - könne man ruhig als "Butler James" ansprechen und ihnen Weisungen erteilen. Denn schließlich sei der Wähler doch ihr Auftraggeber. Butzko hinterfragte die soziale Gerechtigkeit, indem er dem mühsam erkämpften Mindestlohn die Diätenerhöhung der Parlamente entgegen setzte.

Er entdeckte die Sängerin Helene Fischer und einige Panflötenspieler für die Terrorbekämpfung in der Fußgängerzone. Butzko glänzte auch durch kreative Wortschöpfungen wie "Dekokratie" (statt Demokratie), "DDR-reloaded" und "Panoptimismus".
"Der Butzko haut in alle Richtungen", genoss Zuschauer Christian Fenn den Kabarettabend. "Das ist die Sendung mit der Maus für Erwachsene", meinte Butzko-Fan Jochen Gärtner.

Positive Zuschauer-Stimmen

Schwierige komplexe Themen seien mit Butzko auf den Punkt gebracht worden, volksnah und bodenständig. "Der nimmt kein Blatt vor den Mund", kommentierte Zuschauerin Birgit Müller und freute sich darüber, dass Butzko seinen Ruhrpott-Dialekt nicht vergessen hatte.

"Soll ich heute nach Heidelberg oder nach Hammelburg kommen?", hatte sich Butzko eingangs gefragt. Keine Frage! "Wir sind über die Jahre hinweg - seit 1998 - immer in gutem Kontakt mit Butzko gewesen", bestätigt die stellvertretende Kulturbunt-Vorsitzende Barbara Stross. Kulturbunt weist schon jetzt auf das nächste Highlight hin, nämlich auf das Figuren-Kabarett "Herzversagen" von Josef Pretterer, das am 9. Mai im Bocksbeutelkeller zu sehen sein wird. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Vorverkauf im Bunten Buchladen.