Etwas ganz Besonderes hatten sich die Philatelisten zum 25. Großtauschtag in der Elfershausener Schwedenberghalle einfallen lassen: nämlich eine historisch verbrämte Grußkarte aus Hammelburg mit eigens entworfener Briefmarke, auf der ein alter Stich der Saalestadt zu sehen ist. "Das Postwertzeichen ist gültig", betont Vorsitzender Roland Full.
Denn bei der Deutschen Post können sowohl die Karte als auch das Postwertzeichen nach individuell eingereichtem Entwurf per Computer und Internet gestaltet werden. So zeigt hier die aufgedruckte Briefmarke neben dem alten Stich auch die relevanten Erkennungsmerkmale für die Post, nämlich die 45 Eurocent Wert, den entsprechenden Barcode und den Schriftzug der Deutschen Post nebst Posthörnchen. Ferner sind auf der Rückseite der Jubiläumskarte mehrere historische Ansichten von Hammelburg zu sehen.

Post aus Stalingrad

Ein weiterer Höhepunkt war die umfangreiche Ausstellung von Feldpost deutscher Soldaten im so genannten Stalingradkessel aus den Kriegsjahren 1942 und 1943, also vor 70 Jahren. Aussteller Erich Fries aus Münnerstadt-Großwenkheim hatte in vielen Fällen die erschütternden Lebensschicksale beteiligter Soldaten und deren Angehöriger dokumentiert. "Die Namen der Gefallenen sind auf Würfelplatten im Soldatenfriedhof bei Stalingrad (heute Wolgograd) durch den Volksbund deutscher Kriegsgräber verewigt worden", erklärt Fries. Seine Sammlung habe er aus dem Fundus der eigenen Verwandtschaft mit rund 150 Briefen aufgebaut. "Das war der Grundstock", so Fries.
Jeder dritte Brief sei damals amtlich geöffnet worden. "Das Regime des Dritten Reiches wollte schauen, was die Soldaten schreiben - aber auch die Briefe aus der Heimat waren von dieser Maßnahme betroffen", sagt Fries. Deshalb hätten die Soldaten oft nicht die Wahrheit über den zum Scheitern verurteilten Russlandkrieg geschrieben. "Mutter, ich wusste gar nicht, wie gut Pferdefleisch schmeckt", weist ein Feldpostbrief auf die Notlage der eingekesselten und von der Versorgung abgeschnittenen Soldaten hin. Damals wurden laut Fries etwa 20 000 Pferde geschlachtet, um das Überleben von 250 000 eingeschlossenen Soldaten im harten Winter 1942 auf 1943 zu sichern. Viele Briefe von daheim an die Kriegsfront seien oft nach Monaten wieder zurück gekommen. "Wenn ein Kreuz auf dem Briefumschlag war, dann handelte es sich um einen Gefallenen", zeigt Fries an einigen Beispielen. Groß sei aber auch die Anzahl der Vermissten gewesen.
"Der Markt Elfershausen gratuliert zum 25. Großtauschtag recht herzlich", freute sich Bürgermeister Ludwig Neeb (CSU) über eine mit 70 Tischen ausgebuchte Schwedenberghalle und die langjährige Treue der Sammler. "Es geht bei den Briefmarken nicht nur um den bloßen Geldwert sondern um die wunderschönen Motive und geschichtliche Rückblicke", wünschte sich der Bürgermeister auch das Interesse jüngerer Leute und Kinder für die Bildung per Postwertzeichen. Großes Interesse bei den Kindern fand auch heuer wieder der Briefmarken-Suchhaufen, in dem eine symbolische Blaue Mauritius versteckt war. Wer diese Marke fand, der konnte sie bei Full gegen ein Sammlersortiment Briefmarken eintauschen. Der äußerte sich hoch zufrieden über die Ausstellung: "Ich habe keinen einzigen Platz mehr frei in der Schwedenberghalle." Die 90er Jahre seien am besten besucht worden, resümiert Full. Das vergangene Jahrzehnt hingegen habe ein wenig nachgelassen. "Doch jetzt geht es wieder ganz gut", bestätigt Full.
Die Sammelgewohnheiten haben sich geändert. Deutschsprachige Länder haben das Interesse verloren: "Briefmarkensammlungen der BRD und DDR sind im Preis gewaltig gesunken", so Full. Zwischenzeitlich hätten die Briefmarken aus fernen Kolonien sowie aus China und Indien Preishochs erlebt, seien aber mittlerweile schon wieder auf dem Sinkflug. "Jetzt sind die exotischen Länder topp", meint Full. Was er zehn Jahre unbeachtet in der Ecke liegen gehabt habe, das sei plötzlich gefragt. So zum Beispiel ein Brief von der ölreichen "Neutralen Zone" zwischen Kuwait, Saudi-Arabien und Irak. Einen gewaltigen Preisanstieg hätten die Nachschlagewerke für Briefmarken in den vergangenen Jahren hinter sich gebracht, bestätigt Full. Noch sind sie nicht alle auf e-Book.