Wo in der Bahnhofstraße früher die Bäckerei Hannawacker stand, ist heute der Sparkassen-Neubau zu finden. Und auch aus dem Bäckerssohn Rudolf Hannawacker wurde kein Bäcker, sondern ein Banker. Dennoch hat das Handwerk, mit dem sich ein Stück Hammelburger Alltagsgeschichte verbindet, sein Leben sehr tief geprägt. Davon berichtete er bei der von Ernst Stross moderierten Veranstaltungsreihe "erlebt und erzählt" der Hammelburger Stadtbibliothek.

Rudolf Hannawacker half schon als Kind zusammen mit seinem Bruder im elterlichen Betrieb mit. Während des Krieges konnte er in der Backstube noch spielen, aber 1946 eröffnete das Geschäft wieder, nachdem der Vater aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrt war. Für Rudolf Hannawacker setzt mit dem Jahr nicht nur die Erinnerung an die Arbeit in der Bäckerei ein, sondern auch die bewusste Erinnerung an seinen Vater Franz Hannawacker. Ihn lernte er erst ab diesem Zeitpunkt bewusst kennen, wie er den Zuhörern erzählte.

"Für die Eingewöhnung blieb nicht viel Zeit, denn im Vordergrund stand Arbeit, Arbeit, Arbeit", sagte Rudolf Hannawacker. Um 5 Uhr musste er aufstehen. Zu einer seiner Aufgaben gehörte die Belieferung der Privatkunden. "Ich habe jeden Tag zu 20 bis 30 Leuten mit dem Fahrrad Brötchen ausgefahren", erklärte Rudolf Hannawacker. Klar, schlief er dann schon mal im Unterricht ein.

Das Sortiment an Backwaren fiel im Vergleich zu heute übersichtlich aus, wie sich Rudolf Hannawacker erinnerte: Es gab nur normale Stölli, runde Brötchen und Milchbrötchen - ab und zu auch Hörnchen oder Mohnzopf. Die Kunden ließen häufig anschreiben. Sie zahlten für gewöhnlich einmal im Monat.

Am Freitag und vor allem am Samstag kamen die Leute mit Blechen vorbei, um ihre Kuchen im noch warmen, mit Kohle beheizten Bäckereiofen backen zu lassen. Und Rudolf Hannawacker musste warten, bis der Letzte seinen Kuchen wieder abgeholt hatten, auch wenn ihm das nicht passte. Rudolf Hannawacker sagte: "Die schlimmste Zeit war die Zwetschgenzeit." Wenn der Saft von den Blechen tropfte, habe der Vater den Ofen schrubben müssen.

Noch Jahre später, als Rudolf Hannawacker schon Angestellter der Raiffeisenbank war, ließ ihn der Bäckereibetrieb nicht los. "Am Samstag war ich bis 1 Uhr in der Bank, dann fuhr ich Brot aus."

Im Jahr 1965 endete die Geschichte der Bäckerei, da auch Rudolf Hannawackers Bruder sie nicht übernehmen wollte. Die Drogeriekette "Der Seifen-Platz" kaufte die Räume und eröffnete eine Filiale. Von der Bäckerei sind nur Erinnerungsstücke wie eine Weckmehlmühle geblieben. Kann Rudolf Hannawacker Brot backen? Der 78-Jährige schüttelt den Kopf: "Ich war immer nur für niedere Dienste da."