Der Volkskundler und Mundartdichter Ernst Luther hat mit seinem "Mei Frankebrünn" dem Ort ein literarisches Denkmal gesetzt. Dort heißt es: "Wie leit doch unner Dorf so Schüa, umgann vo Berg und Wälder" und weiter "...und Frankebrünn häßt unner Ort, mir gehen aus Frankebrünn net fort". Dieses im Lied besungenen Dorf hat heuer einen ganz besonderen Grund zu feiern: Es jährt sich die erste urkundliche Erwähnung zum 875. Mal. Gefeiert wird mit einem "Heimatfest" am 16. und 17. Juli.
Für die in der Region liebevoll "Steeböck" genannte Einwohner ist dies ein ganz besonderes Ereignis. Aber halt - Steeböck? Heißt das, dass die Frankenbrunner stur sind? "Nein", lacht Ortsbeauftragter Torsten Büchner. "Der Name kommt vielmehr daher, dass wir steereich sind. Also wenn man so will steinreich im wahrsten Sinne des Wortes: nämlich reich an Steinen." Buntsandstein ist hier überall zu finden, aus diesem besteht auch die Frankenbrunner Kirche, die nach dem Krieg von den Bewohnern gebaut wurde.
Urkundlich erstmals greifbar wird Frankenbrunn vor 875 Jahren. Ein Schutzbrief des Papstes Innozenz II. von 1141 für das vom Fuldaer Abt Heinrich I. gegründete Benediktiner-Kloster Thulba ordnet "Franchenborne" als Besitztum dem Kloster zu. Tatsächlich könnte es im Verlauf der fränkischen Siedlungsperiode im 8. Jahrhundert entstanden sein, allerdings ist dies Spekulation. Von einer noch früheren Besiedelung zeugen Hügelgräber in der Frankenbrunner Gemarkung aus der Latène-Zeit von 450 v. Chr. bis Christi Geburt. Die Frankenbrunner waren früher großen Belastungen ausgesetzt: So lagerte 1631 das schwedische Kriegsvolk in Hammelburg, wobei die Grausamkeiten der entfesselten Soldateska die Region und die Bevölkerung schwer in Mitleidenschaft gezogen haben muss. So wurden Frankenbrunn und Hetzlos länger als zehn Jahre verlassen, erst nach Ende des 30-jährigen Krieges kehrten die Bewohner zurück. Im Jahr 1722 ist von einer schrecklichen Pestepidemie zu lesen, die besonders in Frankenbrunn tobte. In der gesamten Pfarrei Thulba wurden 200 Menschen von der Seuche hinweggerafft. Die Überlebenden gründeten neue Familien, so dass das Dorf wuchs. Ist im Jahr 1811 von 365 Einwohnern die Rede, so waren es 1864 schon 370 und 1978 - im Jahr der Eingemeindung in den Markt Oberthulba - 417 Personen. Im Jahr 2000 hatte man 511 Einwohner. Aktuell gibt es 472 Einwohner.


Starker Zusammenhalt

Die Bewohner des kleinen Ortes halten sehr stark zusammen, was sich an den vielen Vereinen zeigt. Diese arbeiten beim "Heimatfest" Hand in Hand zusammen, nämlich Freiwillige Feuerwehr, Musikverein "Frohsinn", Verein für Gartenbau und Landschaftspflege, DJK, Krieger- und Soldatenkameradschaft, Faschingsclub und Jugendclub. Sie sorgen dafür, dass ein attraktives Programm geboten wird, das in die alten Zeiten zurückversetzt. Federführend wird dabei der Verein für Gartenbau sein, Schirmherrin ist Irmgard Heinrich, die sich um Frankenbrunn sehr verdient gemacht hat.
Helmut Hämel vom Gartenbauverein lobt den Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft bei allen Vereinen, und auch gerade auf die Jugend könne man sich verlassen. Der Erlös des Festes kommt der Renovierung der St.-Michaels-Kapelle zugute, ein kleines Kirchlein, das oberhalb von Frankenbrunn liegt und für die Bewohner eine ganz besondere Bedeutung hat. Im Jahr 2018 wird die Kapelle 300 Jahre alt, und da soll sie im neuen Glanz erstrahlen. Denn diese Kapelle ist für die Frankenbrunner sehr wichtig. Nicht nur, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes Mittelpunkt der Pfarreiengemeinschaft "St. Michael im Thulbatal" ist. Für das Dorf ist sie auch so etwas wie ein Kirchenersatz, wurde die Filialkirche St. Bonifatius doch erst nach dem 2. Weltkrieg errichtet. Den Buntsandstein haben die Einwohner selbst abgebaut und damit die Kirche errichtet.
Mit der Grundsteinlegung am 7. September 1947 wurde ein eigenes Gotteshaus errichtet. Am 20. November 1949 wurde die neue Kirche von Bischof Julius Döpfner eingeweiht. Trotzdem zieht die St.-Michaelskapelle die Besucher immer noch magisch an. "Uns ist diese Tradition sehr wichtig und die Kapelle soll weiter in Ehren gehalten werden", so Helmut Hämel. Und auch deshalb hat man sich zum "Heimatfest" einiges einfallen lassen. "Wir freuen uns schon auf die zahlreichen Besucher und auch darauf, die Geschichte wieder lebendig werden zu lassen", erklärt der Ortsbeauftragte.

Heimatfest
Samstag, 16. Juli
ab 18 Uhr Festbetrieb am Feuerwehrhaus. Ab 19 Uhr Grußworte der Ehrengäste, Elmar Bürger wird aus der Ortschronik vortragen. Anschließend Musik mit der Frauenschola und dem Musikverein Frohsinn Frankenbrunn

Sonntag, 17. Juli 9.15 Uhr Kirchenparade, anschließend Festgottesdienst in der St. Bonifatius Kirche. Danach Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal. Ab 10.30 Uhr Festbetrieb mit musikalischem Rahmenprogramm am Feuerwehrhaus, unter anderem mit der Volkstanzgruppe Oberthulba/ Frankenbrunn. Ab 11 Uhr Mittagessen
Historische Filme aus den 60er und 70er Jahren über Frankenbrunn
Um 16 Uhr Kirchenführung mit Pfarrer Karl-Theodor Mauer, um 16.30 Uhr Orgelkonzert. Ab 17 Uhr Spezialitäten aus dem Holzbackofen. Mit Alleinunterhalter Juxi klingt das Fest aus.

Krämerladen Linnenstraße 22, hat am Sonntag, 17. Juli, von 11 bis 17 Uhr geöffnet. khb