Das "Statt`s Eck", nur die älteren Schwärzelbacher, wie unser 91-jähriger Zeitzeuge, Walter Jungnickel, werden sich noch an diese Bezeichnung erinnern. Es bezeichnet einen nun wieder markanten Punkt auf dem Weg von Schwärzelbach zur Sippachsmühle, derzeit ein Pfadfinderheim, ein Selbstversorgerhaus für Pfadfinder, Kinder- und Jugendgruppen, Vereinen und Verbänden mit eigenen Betreuern.

Das idyllisch gelegene Haus hat eine bewegende Vergangenheit hinter sich: Erbaut in den 1920er Jahren, genutzt und erweitert durch den Reichsarbeitsdienst in den späteren 30er Jahren. Nach dem Krieg kurzzeitig eine Bleibe für Flüchtlinge. Später bis in die 1950er Jahre eine Kindererholungsstätte für Kinder aus den im 2. Weltkrieg bombardierten Städten. Um den Zugang und die Versorgung dieser Einrichtung einigermaßen verkehrstechnisch zu gewährleisten, wurde in der Zeit von 1950 bis 1952 aus dem unbefestigten Weg eine befahrbare, aber bei weitem nicht optimale Straße gebaut. So führte das damalige Forstamt Neuwirtshaus den Straßen- bzw. Wegebau zur Sippachsmühle durch. Walter Jungnickel, damals 21 Jahre alt, erinnert sich: Die Arbeiten wurden seinerzeit von 30 bis 35 Arbeitslosen durchgeführt. Als Lohn erhielt man damals die Wertschaffende Arbeitslosenhilfe, gezahlt von den Arbeitsämtern. Die Tätigkeit bestand vor allem aus dem Transport von Findlingen mit dem Traktor aus dem Wald und Steineklopfen. Der Weg wurde rolliert und gesandet. Unter der Aufsicht des damaligen Forstmeisters Pohl, plagte man sich mit Pickel und Schaufel, bis schließlich 1952 ein befahrbarer Untergrund fertiggestellt war. Nach Beendigung der Arbeiten errichtete man an dem besagten "Statt's Eck" eine kleine Gedenkstätte: Ein Gedenkstein mit Inschrift wurde erstellt, eine Anpflanzung mit Linden und Birken geschaffen. Das "Statt's Eck" sollte als Zeitzeugnis die folgenden Generationen an die Ereignisse und Entwicklungen der damaligen Epoche erinnern. In den folgenden Jahrzehnten befand sich die Gedenkstätte allerdings im "Dornröschenschlaf". Bis auf einen Stein mit verblasster Inschrift erinnerte fast nichts mehr an das 1952 Geschaffene.

In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erweckte die Wandergruppe des FC Alemannia Schwärzelbach den "Ort der Erinnerung" wieder. Allerdings geriet der Platz in den Folgejahren wieder in Vergessenheit, ehe sich die Wandergruppe mit seinen aktiven und in vollem Tatendrang befindlichen Freunden erneut daran machten, den Gedenkstein neu zu beschriften, eine neue Holzsitzgelegenheit zu errichten und das Umfeld wieder ansehnlich zu gestalten. Auch Zeitzeuge Walter Jungnickel, war bei seinem Besuch des "neu erweckten Statt's Eck" so angetan, dass er seinen Erinnerungen an das damalige Werk freien Lauf ließ und mit zahlreichen Episoden aus der damaligen Zeit, die Wanderfreunde faszinierte. Die Wandergruppe des FC Alemannia Schwärzelbach hat sich bereits für zahlreiche Sanierungs- und Renovierungsarbeiten im öffentlichen Bereich, sowie der Wiedererrichtung und Betrieb eines Kohlenmeilers im Neuwirtshauser Forst eingesetzt.