Streuobstpfleger und -führer Robert Hildmann hat auf der Streuobstwiese des Bund Naturschutz (BN) bei Untererthal Einblicke in Geschichte und Pflege des Streuobstes sowie in die Bedeutung der Baumflächen als Lebensraum für Pflanzen und Tiere gegeben. Mehr als 30 Obstsorten von der Weinbirne, den Apfelsorten Jakob-Fischer, Gelber Richard bis zum Gelben Edelapfel sind dort zu finden. Wie auf der BN-Streuobstfläche in Großenbrach sind auch in Untererthal die Sorten erfasst und können anhand der Plaketten am Baum und einer Sortenliste erkannt werden, teilt der Verband mit.

Klöster verteilten neue Sorten

Hildmann begann mit der Geschichte und Herkunft des Kulturapfels aus Zentralasien. Römer brachten ihn nach Europa, auch über Klöster verbreiteten sich die Sorten und deren Pflege. Als Streuobstpfleger und Vorsitzender des Gartenbauvereins Wernarz betonte Hildmann, dass auch extensiv gezogene Obstbäume auf der Streuobstwiese Pflege brauchen, damit Vitalität und Struktur erhalten bleiben. Die Art der Schnitttechnik kann so gewählt werden, dass der Aufwand vermindert wird und der Baum lange erhalten bleibt.

Um noch mehr Vielfalt in den Lebensraum Streuobstwiese zu schaffen, wurde Schnittgut zu einer Totholzhecke aufgesetzt, die einen Unterschlupf für Tiere bietet. Alte Bäume mit Höhlen bieten Nistmöglichkeiten, nicht nur für Vögel. Als drei mögliche Bewohner hatte Hildmann Präparate vom Steinkauz, Grünspecht und Wendehals dabei. Der Wendehals, der zu den Spechten gehört, war den meisten Teilnehmern unbekannt.

Auf der Fläche hält eine Imkerin Bienen. Bis zu 5000 Pflanzen- und Tierarten können laut Bund Naturschutz im Lebensraum Streuobstwiese vorkommen. "Biodiversität kann also auch auf Kulturflächen wie den Streuobstwiesen erlebt und gefördert werden", heißt es in der Mitteilung.

Nicht alle Bäume trugen heuer Obst. Daran lasse sich gleich der Sinn einer Streuobstanlage erklären: Das Risiko von Ausfällen durch Frost und Regen während der Blütezeit wird verringert. Vom Sommer- (Klarapfel), Herbst-(Jakob Fischer), bis zum Winterapfel (Winterrampur, Goldrenette von Blenheim) verteilen sich die Ernte und auch der Genuss. Um die Kulturfläche Streuobstwiese dauerhaft zu erhalten, ist die Nutzung des Streuobstes wichtig. Daher fand auch eine Verkostung von Äpfeln (etwa dem leckeren Danziger Apfel), Apfelsaft, Apfelwein, Apfelkuchen und Edelbränden aus Streuobst statt.

"Regionale Keltereien nehmen bis Ende Oktober noch Streuobst an", teilt der Bund Naturschutz mit. Anlieferer könnten daraus den eigenen Saft pressen lassen und mit nach Hause nehmen oder dafür Geld oder Saftmarken erhalten. Dem Erhalt der Sortenvielfalt und der Vermarktung von Streuobst habe sich auch der Verein "Rhöner Apfelinitiative" verschrieben, der vor 24 Jahren gegründet wurde.

Trotz regnerischen Wetters waren die Besucher von der Sortenvielfalt und den Verwendungsmöglichkeiten der Äpfel und Birnen überrascht und begeistert. Die Teilnehmer konnten vor Ort Äpfel auflesen und mitnehmen.