Am Tag nach dem Brand ist Einsatzleiter Marcel Paries erleichtert: "Es ist umsichtig und sauber geschafft worden, vor allem gab es keine Verletzten", bilanziert der 36-jährige Zugführer der Sulzthaler Wehr. Weil der Kommandant zu Beginn des Einsatzes noch nicht da war und vor allem jüngere Kollegen an Bord waren, übernahm Paries die Einsatzleitung. Das stellte sich auch deshalb als Glücksfall heraus, weil er Erfahrungen bei der Unterstützungsgruppe mitbringt, denn: In Sulzthal war zum ersten Mal das neue, in Oerlenbach stationierte Einsatz-Leit-Fahrzeug des Katastrophenschutzes im Einsatz: "Das hat mir immens geholfen", betont Paries.

Lob für die Einsatzleitung kommt auch von alten Hasen: "Er hat das souverän gemacht", bestätigt etwa der Bad Kissinger Stadtbrandinspektor Harald Albert. Auch Kreisbrandmeister Alexander Marx freut sich über den gelungenen Einsatz und die gute Zusammenarbeit mit anderen Rettungskräften vom Roten Kreuz bis zum Technischen Hilfswerk. "Das hätte auch ganz anders ausgehen können", kommentiert er den Brand im dicht bebauten Altort.

Rauchsäule über dem Dorf

Wie berichtet, war am Montag gegen 17 Uhr eine Scheune in der Sulzthaler Hauptstraße in Brand geraten. Innerhalb weniger Minuten brannte es lichterloh, die Flammen loderten meterhoch übers Dach, die Rauchsäule war mehr als hundert Meter hoch und kilometerweit zu sehen. Einsatzleiter Paries war schnell klar, dass die Scheune selbst nicht zu retten ist: "Die größte Gefahr war die Ausbreitung auf Nachbar-Anwesen." Entsprechend setzte er die insgesamt rund hundert Einsatzkräfte aus acht Wehren ein.

Dabei pendelte er zwischen Brandort und dem Fahrzeug der Unterstützungsgruppe am Dorfplatz: Zunächst saß Paries noch selbst hinter dem Lenkrad des Sulzthaler Feuerwehrautos, weil kein anderer Fahrer bereit stand. Später nutzte er die Möglichkeit, sich im Einsatz-Leit-Fahrzeug "von der Außenwelt abgeschirmt und ohne den Lärm der Generatoren" einen Überblick zu verschaffen. Das neue Fahrzeug verfügt über zwei Räume: In einem hängen zwei große Monitore, die zum einen den Brandort und zum anderen das Einsatz-Tagebuch zeigen. Komplett digital kann der Einsatzleiter also sehen, welche Einsatzkräfte gerade wo sind, welche technische Ausstattung zur Verfügung steht und welche Abläufe geklärt sind.

Im zweiten Raum gibt es mehrere Funk-Arbeitsplätze, in der Kontakt mit der Leitstelle gehalten und die Kommunikation vor Ort koordiniert werden. Zudem kann das Team laut Alexander Marx auch andere Aufgaben erfüllen, etwa mit dem Wasserwart vor Ort die Wasserversorgung klären, Stadtwerke verständigen oder ein Abriss-Unternehmen kontaktieren.

Erst vier Tage zuvor angemeldet

"In dem Fahrzeug ist mehr Platz und es ist technisch auf dem neuesten Stand", sagt Marx. Kein Wunder, denn der Landkreis hat es erst am 22. Juli offiziell übergeben, nach der Einarbeitung wurde es dann laut Marx am 27. August, also vier Tage vor dem Brand in Sulzthal, in den Alarmierungsplan aufgenommen.

Marx bezeichnet die Neu-Anschaffung als "Zwitter-Fahrzeug": Eigentlich gehöre es zum Katastrophenschutz, deshalb finanzierte es der Landkreis und der Rufname beginnt nicht mit "Florian", sondern mit "Kater". Allerdings rekrutiere sich die Besatzung des Fahrzeugs aus der Feuerwehr und zu Übungszwecken wird es bei größeren Einsätzen wie dem Brand der Klasse B4 in Sulzthal eingesetzt. "Das ist ein gewaltiger Schritt", freut sich Marx über die moderne Ausstattung, mit der unter anderem der gesamte Ablauf jedes Einsatzes genau dokumentiert werde.

"Kater 13/1 hat seine Feuertaufe bestanden", kommentiert auch Stadtbrandinspektor Harald Albert. Eine kleine technische Premiere feierte auch die Bad Kissinger Wehr: Seit Jahren gebe es die Überlegung, eine Drohne für Einsätze anzuschaffen. Die strengen Vorschriften gerade für Flüge über bebautem Gebiet hätten die Feuerwehr lange zögern lassen. Mittlerweile sei aber klar, dass die Verbote bei Einsätzen nicht gelten. Deshalb hat sich die Bad Kissinger Wehr mit Unterstützung eines Spenders für rund 2000 Euro einen Multikopter mit Ersatz-Akku gekauft.

Keine Gefahr durch PV-Anlage

Die hochauflösende Kamera könne etwa durch Fenster im Obergeschoss in Gebäude schauen oder eben - wie in Sulzthal - einen Überblick aus der Luft geben. Das helfe auch dabei, die Brandursache zu ermitteln: "Die Polizei ist sehr interessiert", berichtet Albert. Die Anschaffung des Feuerwehrvereins sei fest und samt Akku-Management im Kommandowagen verbaut. Demnächst soll es eine Vorführung unter anderem für die Polizei geben.

Den Sachschaden durch den Brand schätzt die Polizei auf mehr als hunderttausend Euro, alleine die Photovoltaikanlage auf dem Dach habe mehrere zehntausend Euro gekostet. Gefahr für die Feuerwehrleute sei von ihr keine ausgegangen, betont Kreisbrandmeister Marx. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte habe der Dachstuhl bereits gebrannt, ein Teil der Solarplatten waren längst zersplittert, die Hitze hatte die Einzelteile weit verbreitet. "In diesem Stadium kann nichts mehr passieren", stellt Marx klar. Die Gefahr durch PV-Anlagen werde oft zu dramatisch dargestellt, Probleme gebe es höchstens bei Sonne und noch intakter Dachhaut mit Schwelbrand darunter.

Eine der größten Herausforderungen für Einsatzleiter Paries war die Enge der Bebauung. Als Glücksfall habe sich erwiesen, dass die Feuerwehr noch so rechtzeitig kam, dass eine schmale Gasse zum Nachbarn genutzt werden konnte. Denn der rückwärtige Bereich des Grundstücks wird von der historischen Dorfmauer begrenzt, von dort kamen die Feuerwehrleute erst später über Leitern zur Brandstelle. Nach rund zwei Stunden war das Feuer soweit eingedämmt, dass keine Gefahr mehr für Nachbarn bestand, die Brandwache jedoch dauerte die ganze Nacht. Erst am Dienstagmorgen wurden die letzten Glutnester per Hand auseinandergezogen und der weitgehend unbeschädigte Traktor aus der Tenne geborgen. Die Polizei gab den Brandort zwar frei, allerdings durfte nichts verändert werden, bis die Versicherung den Schaden aufnimmt.

Zur Brandursache gab das Polizeipräsidium noch keine abschließende Auskunft: "Die Ermittlungen dauern noch an", hieß es aus Würzburg, aber: "Wir gehen davon aus, dass das Feuer nicht vorsätzlich gelegt wurde, es deutet alles auf fahrlässige Brandstiftung hin."