Norbert Henning ist Hobbybäcker und freut sich über den neuen Dorfbackofen. "Das ist ein Stück Kultur für mich", betont er. Zusammen mit Helfern und einem Fachmann hat er zwischen August und November den Freiluftbackofen errichtet. "Das Material wurde mit den Erlösen unserer Maifeier angeschafft", erklärt er.
Das Backen von Sauerteigbroten macht nicht nur ihm viel Freude. Diesmal stehen Norbert Henning Ehefrau Anita, Christian Jung, Christiane Binder-Jung, Werner Kühnreich und Reiner Löffert aktiv zur Seite. Nachdem die wärmespeichernden Schamottsteine durch ein Holzfeuer aufgeheizt sind, wird die Glut entfernt, um für die 35 Brote Platz zu schaffen. Bei etwa 250 Grad gibt Henning sie mit der langen Schaufel hinein.

Teig in Schüssel mit Wasser

Es sind "Nassgelaibte", die ihren Namen zu Recht tragen. Denn Christian Jung wendet das Kilo Sauerteig artistisch in der passend großen, mit Wasser gefüllten Schüssel, bis die runde Idealform erreicht ist. Das verleiht dem Brotlaib auch die glatte Oberfläche. Dann rauf auf die lange Holzschaufel, die zuvor noch mit Sesamkörnern bestreut wird. Bevor der Laib in den Ofen geschoben wird, erhält er noch einige Einstiche mit einem Holzstäbchen und eine Handvoll Kümmel obendrauf. Die Backzeit beträgt über eine Stunde.
"Einen einheitlichen Bauplan für Backöfen der Region gibt es nicht", sagt Norbert Henning. Als Platz für das kleine Bauwerk ist bewusst der Dorfmittelpunkt gewählt worden: wegen der Heimatverbundenheit, der Gemeinschaft, der schönen Kulisse der Fischteiche und des malerischen Schondratales. "Unser Backhaus am See ist was für das Auge und für den Gaumen", meint daher auch Henning. "Jetzt brauchen wir nur noch ein Brauhaus", scherzt Christian Jung.
"Wir haben auch schon Pizza und Plootz in dem neuen Ofen gebacken", erzählt Henning. Beides benötigt eine höhere Temperatur als das Brot. Nur der Kuchen kommt mit einer geringeren Temperatur aus. "In drei Wochen versuchen wir es mit einem Wildschweinbraten", freut sich Henning schon heute.
In dem mit dürren, trockenen Laubholzstangen beheizten Backofen wird es laut Henning locker bis zu 450 Grad heiß. Eine Stunde lang werden die Schamottsteine aufgeheizt und speichern die Wärme. "Dann kommt die Glut raus aus dem Ofen", erklärt der Hobbybäcker. Für das Brotbacken muss dann gewartet werden, bis es unter 300 Grad sind. Sonst verbrennt das Brot.

"Ohne Zusätze - Natur pur"

Zwei Tage vor dem Backen wird der Sauerteig für das Brot angerührt. "Ohne jegliche Zusätze - Natur pur", betont Henning. Das heißt: nur Mehl, Wasser und eine kleine Menge Sauerteig aus früherer Produktion.
Auch jetzt wird für das nächste Backen ein wenig Sauerteig aufgehoben und landet bis dahin im Tiefkühlschrank. Den Teig mit der Hand zu rühren, wäre kaum zu schaffen. Deshalb steht in Hennings Haus ein professionelles Starkstrom-Rührwerk für eine Teigmenge, die 35 Broten entspricht, passend für die Größe des neuen Ofens.
"Die Nachfrage ist enorm", freuen sich die fleißigen Bäcker. Zuerst wird das eigene Dorf versorgt, dann sind die Freunde von außerhalb an der Reihe. Zum Selbstkostenpreis wird das nassgelaibte Sauerteigbrot weitergereicht.
"Würden wir unsere Zeit mitberechnen, dann wäre es viel teurer", weiß Henning. Das gemeinsame Schaffen stärke aber auch den Zusammenhalt in Heiligkreuz und das Heimatgefühl.