Rund eine Stunde lang hat der Hauptausschuss des Hammelburger Stadtrates in seiner jüngsten Sitzung über den Vorschlag der Verwaltung diskutiert, 1,75 Stellen für die Jugendarbeit zu schaffen. Am Ende gab es zwar eine knappe Mehrheit von 6:4 Stimmen. Der Beschluss blieb allerdings nicht lange in Kraft, weil die Fraktionen FW/CBB, SPD, Bürgerliste und HAB einen Nachprüfungsantrag gestellt haben. Nun muss das Thema im Stadtrat erneut behandelt werden.

Den Nachprüfungsantrag kündigten mehrere Redner bereits im Hauptausschuss an, zudem gab es den Vorschlag, das Thema gleich an den Stadtrat zu verweisen. "Wir erkennen grundsätzlich an, dass wir in der Jugendarbeit etwas machen müssen, aber uns fehlen die Konzepte", kritisierte Dominik Sitter (CBB) im Namen mehrerer Fraktionen, dass alle Vorgespräche zu dem Thema intern gelaufen seien. Ihm sei die Sitzungsvorlage zu unvollständig. Unter anderem hätte Sitter gerne einen Kosten-Vergleich zur Beteiligung an "Pro Jugend" gehabt. "Dort bindet man sich nicht so lange", verwies er auf einen Vorteil, und überhaupt: "Mir fehlt da noch Futter." Zudem wollte er wissen, ob das Konzept mit anderen städtischen Einrichtungen wie der "Kinderkiste" abgestimmt sei.

Mehrere Redner kritisierten auch die geplante Kostensteigerung: Bisher beteiligt sich die Stadt laut Verwaltung mit rund 16 700 Euro pro Jahr an einer Aufsichtsperson für das Jugendzentrum (Juz) in der Kernstadt. Für die geplante Vollzeitstelle wurden Kosten von rund 59 110 Euro im Jahr angesetzt, für eine weitere Stelle mit rund 29 Stunden Arbeitszeit weitere 40 200 Euro im Jahr. Eine Nachfrage der Redaktion in der Verwaltung, ob in den Summen bereits Lohnnebenkosten enthalten sind und ob es Tariferhöhungen in den Folgejahren gibt, blieb bisher unbeantwortet.

Glückler: Schnellschuss

Schon alleine wegen dieser Kostensteigerungen und der in jedem Jahr wiederkehrenden Kosten für den Haushalt plädierte CBB-Stadtrat Reimar Glückler für eine Behandlung im Stadtrat. "Geht's nicht auch ein bisschen kleiner", brachte er das auf den Punkt, was mehrere Stadträte forderten, und: "Mich wundert dieser Schnellschuss." Norbert Schaub (SPD) schlug vor, zunächst einen Jugendpfleger einzustellen, auch weil auf absehbare Zeit alle Jugendräume geschlossen bleiben. Der solle dann ein Konzept ausarbeiten, auf dessen Grundlage der Stadtrat über die notwendige Besetzung einer Stadtjugendarbeit entscheiden könne.

Entlastung des Jugendladens

Mit Nachdruck für die Einstellung setzte sich unter anderem 3. Bürgermeister Christian Fenn (Junge Liste) ein: Seit 26 Jahren übernehme der Jugendladen die Jugendarbeit in der Stadt, seit 1997 betreibe der Verein das Juz in der alten Volksschule. "Das geht ehrenamtlich einfach nicht mehr", verwies der Sozialpädagoge auf immer mehr Auflagen, nicht nur durch Corona, sondern auch in anderen Bereichen wie Gema oder Jugendschutz. "Es war schon immer schwer, aber spätestens seit Corona ist das Genick der Jugendarbeit gebrochen", fand Fenn drastische Worte. Schließlich seien in der Stadt Hammelburg jetzt seit Monaten alle Jugendräume geschlossen.

In der Verwaltung betreut Kämmerin Jennifer Triest die Jugendarbeit. Sie verwies darauf, dass der Ruhestand der bisherigen Betreuerin eine einmalige Chance sei, eine feste Stadt-Jugendarbeit aufzubauen. Aus ihrer Sicht sind Mitarbeiter von "Pro Jugend" für kleinere Kommunen gedacht, die sich keine volle Stelle leisten können. Bei der Stadt Hammelburg plädierte sie für eigenes Personal: Dann könne die Kommune selbst sagen, was gemacht wird.

"Für Mittelzentrum angemessen"

Mehrere Stadträte verwiesen auf die aktuell sehr gute Haushaltslage durch hohe Gewerbesteuer-Nachzahlungen: "Es gab keinen Zeitpunkt, an dem wir uns das besser hätten leisten können", betonte Fenn. Die geplanten 1,75 Stellen bezeichnete er als "für ein Mittelzentrum angemessen". Fenn erklärte außerdem, dass sich die Stadt langfristig auch um die Räume Gedanken machen müsse.

2. Bürgermeisterin Elisabeth Assmann wies zudem auf die große Verunsicherung in den Vereinen hin: "Wegen Corona traut sich keiner mehr, was mit der Jugend zu machen." Hier könne eine Stadt-Jugendarbeit im kommenden Jahr nach dem erhofften Ende der Pandemie wichtige Aufbauarbeit leisten. "So schnell wie möglich", forderte auch die Westheimer Ortsbeauftragte Gabi Ebert (FW) Unterstützung für ihre Arbeit mit Jugendlichen.

Der Obereschenbacher Ortsbeauftragte Thomas Reuter dagegen forderte, zunächst den Bedarf in den Stadtteilen abzufragen. Dort gebe es nämlich völlig andere Strukturen als in der Kernstadt. Zudem verwies er auf die Zuständigkeit der kommunalen Jugendarbeit im Landratsamt oder des Kreis-Jugendringes. Die Kommune sei nicht alleine für die Jugendarbeit verantwortlich. Auch Reuter forderte, zunächst nur eine Stelle zu schaffen. Dagegen plädierte Monika Horcher für mindestens 1,75 Stellen, weil zum Vergleich Bad Kissingen mehr als doppelt so viele Mitarbeiter in der Stadt-Jugendarbeit beschäftige.

Laut Verwaltung bezuschusste die Stadt von 2009 bis 2020 die Betreuungsperson im Hammelburger Juz. Im Dezember gehe sie nun in Rente. "In den Ortsteilen gibt es keine fachliche Betreuung für die dortigen Jugendräume", heißt es in der Sitzungsvorlage. Ein großes Problem sei, dass es immer schwieriger für Jugendliche sei, "Auszeiten" von der Familie zu finden. Neben der Begleitung und Beratung von Jugendlichen zählte Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) auch weitere Aufgaben auf: Zum Beispiel der Aufbau eines geplanten Jugendparlaments in der Stadt, die Einrichtung von Bildungsangeboten, die Unterstützung von Jugend-Initiativen oder die Vernetzung mit Vereinen und anderen Trägern der Jugendarbeit. Wann das Thema nun neu beraten wird, ist noch offen.