Der Zeitrahmen war von Anfang an eng gesteckt. Bereits Ende des Jahres sollte der Umbau des Viehmarktareals abgeschlossen sein. Der Architekt glaubte daran. Doch das Bauunternehmen kann den 21. Dezember als Termin für die Fertigstellung nicht mehr einhalten.

"Wir hätten von Anfang an gerne eine längere Bauzeit gehabt", sagte Stadtbaumeister Detlef Mohr. In der Stadtratssitzung versuchte er zu erklären, wie die Verzögerung entstanden ist. So hätten die Tiefbauarbeiten wegen zusätzlicher Leitungen und Hausanschlüsse länger gedauert als geplant. Das Bauumfeld sei eng und schwierig, weil Zugänge zu den Geschäften oder dem Bürgerspital gewährleistet sein müssen.

Steinmaterial sei verspätet und teilweise falsch geliefert worden. Außerdem gestaltet sich die Pflasterung zeitraubend. Das Verlegemuster ist so kompliziert, dass sich die Arbeiter mit einer Metallschablone behelfen müssen, um die Reihenfolge der Steine durchzunummerieren.

Einigen war das offenbar zu viel Aufwand. Zumindest ist denjenigen, die die Baustelle regelmäßig beobachten, die Fluktuation unter den Bautrupps aufgefallen. Mohr sprach denn auch von Problemen mit Subunternehmern.
Bereits Ende August war eine Verzögerung von mehreren Tagen aufgelaufen. Damals gingen aber alle davon aus, dass sie noch aufgeholt werden kann. Nun ist die Frist für die Bauarbeiten bis Ende April/ Anfang Mai verlängert. Der Einweihungstermin im Rahmen des Stadtjubiläums "ist auf jeden Fall zu halten", erklärte Bürgermeister Armin Warmuth (CSU).

Der Winter muss sich allerdings gnädig zeigen und darf keine allzu große Pause erzwingen. Mohr betonte: "Es wird so lange gearbeitet, wie es geht." Für den 14. Mai 2016 ist die große Einweihungsfeier für den Viehmarkt bereits im Jubiläumsprogramm angekündigt.

Bis dahin steht noch viel Arbeit an. In diesem Jahr werden keine neuen Straßenabschnitte mehr aufgebaggert: Der obere Teil der Josef-Schultheis-Straße und das Stück zwischen Metzgerei Köhler und Bank Schilling bleiben zunächst wie sie sind.


Zugänge haben Vorrang

Dafür soll aber das untere Stück der Josef-Schultheis-Straße noch vor Weihnachten so weit fertig werden, dass Autos das Bürgerspital wieder umfahren können. In der Spitalgasse liegt das Pflaster ja bereits. Bis zur Adventszeit sollen an den Geschäften am Viehmarkt ordentliche Zugänge entstehen, weshalb die dortigen Randbereiche Vorrang haben.

"Es ist verwunderlich, was wir hier vorgelegt bekommen", meinte Reimar Glückler (CBB). Denn bisher habe es immer geheißen, dass das Bauunternehmen die Verzögerung aufholen könne. Auch Norbert Schaub (SPD) sprach davon, irritiert zu sein. Durch die Verzögerung beim Viehmarkt sah Glückler den Beginn der Verkehrszählung im kommenden Jahr und die darauf aufbauende Planung für die Bahnhofstraße in Gefahr.

Warmuth entgegnete, dass die Arbeit am Verkehrskonzept im April "sofort starten" könne. Die Planung für die Bahnhofstraße könne dann im Jahr 2017 anlaufen.

Rita Schaupp (SPD) fragte nach einer Konventionalstrafe gegen die Baufirma. Doch die sieht der Vertrag nicht vor, wie die Diskussion offenbarte. Und eine nachträgliche Definition einer Vertragsstrafe sei auch nicht möglich, betonte der betroffene Unternehmer und Stadtrat Patrick Bindrum (CSU). Das Angebot, das den Zuschlag bekommen hatte, sieht den Wegfall einer Strafe im Gegenzug für einen Rabatt vor. "Ob das wirklich zu einer Kostensenkung geführt hat, wird sich erst bei der Endabrechnung zeigen. Ich glaube es nicht", kommentierte Thomas Reuter (Bürgerliste Obereschenbach).

Dem Bürgermeister und dem Stadtbaumeister war anzusehen, dass sie in Gedanken die öffentliche Aufregung einkalkulierten. Die Baumaßnahme am Viehmarkt konnte die Hammelburger schließlich bis heute nicht restlos überzeugen. Die Terminverzögerung gießt nun zusätzlich Öl ins Feuer. Trotzdem oder gerade deswegen ging der Bürgermeister in der Sitzung betont offen mit dem Thema um. Die Geschäftsleute waren bereits zuvor informiert worden.

Die Gegner des Umbaus hatten sich zum Beispiel daran gestört, dass für die Umgestaltung des Platzes Bäume gefällt werden müssen. Der Stadtrat hatte im Herbst 2014 auf die Kritik reagiert und beschlossen, zwei der vier Bäume nach Möglichkeit zu erhalten. Doch zumindest die ältere Kastanie muss jetzt fallen. Wie Mohr informierte, haben die Arbeiten dem Wurzelwerk zugesetzt und werden ihm noch weiter schaden.

Florian Röthlein (Grüne) versuchte zwar die Fällung zu verhindern und wollte ein Gutachten abwarten, konnte sich mit seinem Antrag jedoch nicht durchsetzen.

Somit bietet der Viehmarkt den Hammelburger weiterhin Stoff für Erregung.